Lebensmittel: Chinesischer Bioboom ist Chance für deutsche Unternehmen

Lebensmittel: Chinesischer Bioboom ist Chance für deutsche Unternehmen

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Biofarm in China. Das Beste für das eine eigene Kind

Der Bioboom erfasst die Chinesen. Sie produzieren für den Export und fragen Öko auch zunehmend selbst nach – Chancen für deutsche Unternehmen.

Das Körnerbrot duftet in geflochtenen Weidenkörben. In den Naturholz-Regalen warten Biowaschmittel neben Naturseifen, getrockneten Früchten und Cerealien aus ökologischen Anbau auf Käufer. Die Angebote des Tages sind mit Kreide auf grüne Tafeln geschrieben, die Soja-Drinks kann der Kunde aus kleinen Pappbechern probieren. Der Laden steht nicht in Kreuzberg und auch nicht Freiburg, er heißt Lohao City – und befindet sich im Zentrum Pekings.

Auch in China fasst der Bio-Trend Fuß. Überschattet von den täglichen Nachrichten über die katastrophalen Umweltbelastungen im Reich der Mitte hat sich das Land zur ernst zu nehmenden Größe im globalen Bio-Geschäft entwickelt. Nach Schätzung der Weltdachorganisation der Öko-Anbauverbände (IFOAM) wurden in China Ende 2006 auf circa 2,3 Millionen Hektar Fläche ökologische Produkte angebaut, kontrolliert und zertifiziert von nationalen und internationalen Zertifizierungsunternehmen.

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Damit hat China nach Australien und Argentinien die weltweit drittgrößte Bio-Anbaufläche: Tendenz steigend. Zum Vergleich: Bio-Pionier Deutschland bewirtschaftet nur 873.000 Hektar.

Motor der ökologischen Landwirtschaft war und ist der Export. Billige chinesische Arbeitskräfte und Rohstoffe versprechen hohe Gewinne. Pionier ist die HuaEn Organic Foods aus Dalian im Nordosten des Landes. Seine Firma sei die erste gewesen, die mit dem ökologischem Anbau begonnen habe, sie exportiere seit 1993 in den Westen, erzählt Vizechef Yuan Honjing. Das Hauptprodukt des staatlichen Unternehmens ist Soja. Circa 12.000 Tonnen pro Jahr gehen in den Export, vornehmlich nach Japan, in die USA und nach Europa. Auch Rapunzel Naturkost, eine führende deutsche Öko-Lebensmittel-Firma, gehört zu seinen Kunden.

Bei Getreide und Hülsenfrüchten, Nüssen und Pilzen, getrockneten Früchten und Tee gehört China zu den größten Bio-Exporteuren der Welt, mit jährlich zunehmenden Umsätzen. Deutlich wurde das auf der jüngsten Biofach, der größten Bio-Messe der Welt, die jeden Februar in Nürnberg stattfindet. Von den knapp 2.600 Ausstellern kamen etwa zwei Drittel aus dem Ausland, 54 Firmen aus der Volksrepublik stellten dabei das größte Kontingent aus Übersee.

China auf dem Weg zum Besseren

Das ist bemerkenswert angesichts der Imageprobleme, mit denen chinesische Produkte zu kämpfen haben. Verseuchtes Kinderspielzeug, Rückstände in Shrimps und anderen Nahrungsmitteln, die hohe Umweltbelastung – da fragen sich Verbraucher und Verarbeiter im Westen, ob man den chinesischen Bio-Produkten überhaupt vertrauen kann.

Es gebe immer wieder Gerüchte, dass konventionell hergestellte Ware umdeklariert würde, bestätigt Udo Censkowsky, Direktor des in München ansässigen Beratungsunternehmens Organic Services. Zudem sei die in China seit 2004 bestehende Öko-Gesetzgebung von staatlicher Seite bisher nicht umgesetzt worden.

Dennoch sieht Censkowsky China auf dem Weg zum Besseren. So gibt es inzwischen ein professionelles Kontrollsystem. Neben dem staatlichen China Organic Food Certification Center dürfen inzwischen auch internationale Kontrollorganisationen wie die französische Ecocert oder die deutsche BCS Öko-Garantie chinesische Unternehmen kontrollieren.

Der promovierte Agraringenieur Meng Fanqiao von der China Agricultural University arbeitet beispielsweise in einem Joint-Venture mit der Ecocert zusammen und betreut mit 20 Mitarbeitern, die von der europäischen Muttergesellschaft geschult wurden, etwa 300 Kunden in China. Neben dem inländischen Öko-Siegel muss ein chinesisches Unternehmen, das exportieren will, auch ein Export-Zertifikat erhalten.

 „Die Bio-Landwirtschaft in China ist nicht so schlecht wie ihr Ruf“, sagt auch Peter Leedham. Der Mitarbeiter der weltweit aktiven Firma Eurofins kontrolliert Unternehmen in Bezug auf Rückstände in Lebensmitteln und Verarbeitungsprozessen und gibt im ganzen Land Seminare für Arbeiter. Aufgrund der kleinbäuerlich geprägten landwirtschaftlichen Struktur könne man aber nicht jeden Bauern einzeln kontrollieren, konzediert er.

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