Lee Kuan Yew: Singapur trauert um Staatsgründer

Lee Kuan Yew: Singapur trauert um Staatsgründer

Lee regierte den Stadtstaat 31 Jahre lang mit harter Hand. Viele Einwohner rechnen ihm aber hoch an, dass er ein modernes, reiches Singapur schuf. Obama bezeichnet ihn als geschätzten „Visionär“.

Der Staatsgründer von Singapur, Lee Kuan Yew, ist tot. Er sei am frühen Montagmorgen im Generalkrankenhaus von Singapur im Alter von 91 Jahren „friedlich dahingeschieden“, teilte das Büro seines Sohnes - des amtierenden Premierministers Lee Hsien Loong - mit. In die Klinik war er vor gut sechs Wochen mit einer schweren Lungenentzündung gekommen. Während die Singapurer trauerten, zollten Staats- und Regierungschefs in aller Welt dem Gestorbenen Respekt.

Das staatliche Fernsehen in dem Stadtstaat unterbrach sein reguläres Programm, um in einem Tribut Lees Leben und Errungenschaften Revue passieren zu lassen. In einer Live-Schalte bezeichnete ein Reporter Lees Tod als die „schreckliche und gefürchtete“ Nachricht. Premier Lee Hsien Loong, eines von drei Kindern Lees, kämpfte in einer Fernsehansprache mit den Tränen. Sein Vater habe einen Staat aufgebaut und den Menschen eine stolze nationale Identität gegeben, sagte der Regierungschef in Malaiisch, Mandarin und Englisch. „Wir werden keinen anderen Mann wie ihn sehen. Für viele Singapurer, und in der Tat viele andere auch, war Lee Kuan Yew Singapur.“

Der Premier erklärte eine siebentägige Staatstrauer. Am Montag und Dienstag werde eine private Totenwache für die Familie stattfinden. Anschließend werde Lee im Parlament aufgebahrt sein, bis am Sonntag ein Staatsbegräbnis folgen werde. US-Präsident Barack Obama, der Singapurs Staatsgründer 2009 im Weißen Haus getroffen hatte, nannte Lee einen „Visionär“ und „wahren Giganten der Geschichte“. Lees Ansichten und Erkenntnisse über die Geschehnisse in Asien seien von vielen politischen Anführern in der Welt geschätzt worden. „Keine geringe Zahl der jetzigen und früheren Weltpolitiker hat seinen Rat über Regierungsführung und Entwicklung gesucht“, erklärte der Präsident.

Im benachbarten Malaysia, mit dem Singapur bisweilen reizbare Beziehungen pflegt, lobte Premierminister Najib Razak die Leistungen Lees. Der chinesische Außenministeriumssprecher Hong Lei beschrieb Lee als „einen asiatischen Politiker mit einzigartigem Einfluss und einen Strategen, der von östlichen Werten und einer internationalen Perspektive inspiriert war“. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teilte mit, Singapurs Gründungsvater „wird in Erinnerung bleiben als einer der inspirierendsten asiatischen Anführer“. Lee habe dem Stadtstaat den „Übergang von einem Entwicklungsland zu einem der meistentwickelten Länder der Welt“ ermöglicht.

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Lee hinterlässt seinem Land eine effiziente Regierung mit wenig Korruption, niedrige Steuersätze, exzellente Schulen und saubere und sichere Straßen. Der Gründungsvater genoss trotz seines harten Regierungsstils großen Respekt bei den Einwohnern Singapurs. Ihm wird als Verdienst angerechnet, dass er die an Bodenschätzen arme Insel südlich von Malaysia in einen internationalen, blühenden Finanzplatz verwandelte.

Lee ließ aber auch politische Gegner einsperren, beschränkte die Meinungs- und Redefreiheit und deckte Journalisten und Gegner mit Verleumdungsklagen ein. Er selbst behauptete immer, sein autoritärer Regierungsstil sei nötig gewesen, um die Stabilität in dem kleinen Stadtstaat mit seinen vielen Ethnien und Religionen zu wahren. Lee hatte die Insel schon seit 1959 regiert, als sie noch eine britische Kronkolonie war. Er war damit 31 Jahre lang an der Macht, ehe er diese an eine jüngere Generation weitergab. Als Minister und hinter den Kulissen mischte Lee aber weiterhin mit.

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