Leitzinsen: EZB-Zinserhöhung aus politischer Raison

Leitzinsen: EZB-Zinserhöhung aus politischer Raison

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Eine Euro-Skulptur steht vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main

von Elke Pickartz

Die Europäische Zentralbank wird heute aller Voraussicht nach die Zinsen erhöhen. In der Fachwelt ist dieser Schritt umstritten.

Dass die Europäische Zentralbank (EZB) heute den Leitzins erhöhen wird, gilt als beschlossene Sache. Zu sehr haben sich EZB-Chef Jean-Claude Trichet und seine Kollegen in den letzten Wochen mit eindeutigen Signalen aus dem Fenster gehängt, als dass jetzt noch ein Rückzieher möglich wäre.

Es gibt gute Gründe, die für eine moderate Zinserhöhung sprechen. Zum einen sind die Inflationsrisiken zuletzt spürbar gestiegen: die Inflation im Euroraum ist im März überraschend auf 2,6 Prozent angewachsen. Und auch die Inflationserwartungen der Märkte liegen über den Fünfjahreszeitraum mit rund 2,5 Prozent deutlich über der Zwei-Prozent-Marke, bis zu der laut EZB Preisstabilität gewährleistet ist. Hinzu kommt, dass das extrem niedrige Zinsniveau neue Blasen an den Finanzmärkten erzeugt, zum Beispiel auf dem Rentenmarkt. Viele Zentralbanken, vor allem die Federal Reserve, mussten viel Kritik einstecken, in der jetzigen Krise die Zinsen zu spät erhöht und sie so nicht gebremst zu haben. Diesen Vorwurf will Trichet sich nicht machen lassen.

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Nicht ohne Risiken

Doch ein Zinsschritt zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht ohne Risiken: Die krisengeschüttelten Länder der Euro-Peripherie wird er gleich mehrfach belasten: Zum einen steigt so die Zinslast ihrer Schulden – für die bis an die Zumutbarkeitsgrenze verschuldeten Griechen, Iren und Portugiesen eine äußerst kritische Sache. Zudem schlagen in diesen Ländern höhere Zinsen besonders schnell auf die Kreditvergabe durch und dämpfen so das Wachstum.

Viele Ökonomen kritisieren die Zinserhöhung der EZB daher als verfrüht und sehen in ihr vor allem ein politisches Signal: Die Währungshüter wollten so Druck auf die Regierungen ausüben, endlich die Verantwortung für die Schuldenkrise zu übernehmen und die EZB aus ihrer Feuerwehrrolle für die angeschlagenen Staaten und Banken zu entlassen. Nur so kann sie verlorene Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit  zurückgewinnen.

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