Libanon: "Hier ist nichts schön"

Libanon: "Hier ist nichts schön"

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Düstere Gassen, enge Gänge, kaum Himmel sichtbar - Ein typisches Bild aus dem Palästineserlager Borj Al Barajne in Beirut

von Bert Losse

Im Gazastreifen droht nach palästinensischen Raketenangriffen auf Israel eine neue Welle der Gewalt, die Friedensgespräche liegen auf Eis. Damit rückt eine Friedenslösung im Nahen Osten in immer weitere Ferne – und damit auch eine bessere Zukunft für die Millionen von Palästinensern, die verstreut über die gesamte arabische Welt leben. Eine Reportage aus dem Flüchtlingslager Borj Al Barajne im Süden Beiruts.

Der „Piccadilly Circus“ des Libanon liegt mitten in Beirut, gut drei Kilometer südöstlich der Innenstadt. Er ist etwa vier Meter lang und vier Meter breit – und er ist der mit Abstand größte Platz im Palästinenserlager Borj Al Barajne. Wer diesem trostlosen Flecken Erde den Namen „Piccadilly Circus“ gegeben hat, lässt sich nicht mehr feststellen, auf jeden Fall ist das Mini-Areal so etwas wie der soziale Mittelpunkt. Hier finden Versammlungen statt und Begräbniszeremonien, hier decken sich die Bewohner mit Lebensmitteln und den notwendigsten Toilettenartikeln ein, die in Pappkartons vor einem kleinen Laden lagern.

Nach allen Seiten gehen düstere Gassen ab. Autos gibt es nicht. In Borj Al Barajne kommt man nur zu Fuß durch oder auf kleinen Mopeds. Der Weg führt durch ein Gewirr enger Gänge, manchmal nur einen Meter breit, und den Himmel sieht man selten, weil sich über dem Kopf entweder Bretter, Beton oder ein Meer von Elektrokabeln befinden, über die sich die Einwohner mit geradezu bizarren Konstruktionen den Strom abzapfen.

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Kurz: Dieser Ort ist ein Alptraum.

Getroffen wird sich auf dem „Piccadilly Circus“ - Mit vier mal vier Meter der größte Platz im Lager Quelle: Houssam Mcheimech

Getroffen wird sich auf dem „Piccadilly Circus“ - Mit vier mal vier Meter der größte Platz im Lager

Bild: Houssam Mcheimech

Ein Leben im Desaster

Das Flüchtlingslager Borj Al Barajne wurde 1948 vom Roten Kreuz aufgebaut, für 10.000 Menschen. Heute drängen sich auf einem Quadratkilometer rund 20.000 Bewohner. Manche Familien hausen bereits in dritter Generation in dem von Betonmauern umgrenzten Gelände. Die Menschen hier leben zwar nicht in Wellblechverschlägen wie in vielen Elendsvierteln der Dritten Welt, sondern immerhin in aneinandergemauerten (und illegal nach oben aufgestockten) Häusern. Doch speziell für Kinder und Jugendliche ist das Leben in dieser drangvollen Enge ein Desaster. Jeder zweite Bewohner des Lagers ist jünger als 25 Jahre. Doch hier gibt es keinen Bolzplatz, kein Grün, keinen Baum, keinen Spielplatz, es gibt Platz für gar nichts. „Hier ist nichts schön“, sagt Israa schlicht. Sie ist 14, geht in die 7. Klasse und will später Lehrerin werden. Die Chancen dafür: nahe Null. Wenn die Schule aus ist, wartet Israa zu Hause, dass der Tag vorbei geht. Oder sie geht zu Olfat Mahmoud.

Die Gute Seele des Lagers
Mahmoud ist so etwas wie die gute Seele des Lagers. Die 51-Jährige Palästinenserin ist hier geboren und als sie sich das erste Mal aus dem Lager herausgetraut hat, da war sie 23. „Dieser Tag war ein Wendepunkt für mich“, berichtet sie. Seitdem versucht sie, vor allem den Frauen und Kindern im Lager Mut zu machen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. 1993 gründete sie die „Palestinian Women`s Humanitarian Organization“ (PWHO), eine Nicht-Regierungsorganisation, die die Lage in den rund zwölf libanesischen Flüchtlingslagern verbessern will, in denen insgesamt rund 280.000 Palästinenser leben.

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