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Liberalismus: Die Idee der Freiheit

Kaum eine politische Philosophie steht derart unter Druck wie der Liberalismus – von den Parteien im Stich gelassen, von den Menschen mit Argwohn betrachtet. Dabei zeigt seine Geschichte, dass er für die Freiheit des Einzelnen kämpft.

"Die Freiheit führt das Volk"
Ein Gemälde von Eugène Delacroix zur Pariser Julirevolution 1830

Keine politische Ideologie ist so kalt und inhaltsleer wie der Liberalismus – und keine zugleich so anspruchsvoll. Wahrscheinlich deshalb steckt er ständig in der Krise. Seine Feinde empfinden die Unbestimmtheit des Freiheitsbegriffs, die ihn auszeichnet, als Provokation – und dringen darauf, ihm eine sozialmoralische Richtung vorzugeben. Und seine falschen Freunde verwechseln das Ideal der Selbstbestimmung, das ihn adelt, mit Selbstgenügsamkeit – und verraten die Authentizität eines offenen, riskanten Lebens durch abgezirkelte Karrieren und gesellschaftliche Selbsteinpassung. Offenbar sind wir alle zu schwach, um es auf Dauer mit der ambitionierten Gehaltlosigkeit des Liberalismus aufzunehmen.

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Der Konservativismus und die Sozialdemokratie kennen derlei Probleme nicht. Beide politische Stilrichtungen bieten den Menschen etwas Bejahbares an: eine Projektionsfläche, eine Identität. Die Konservativen schöpfen aus dem reichen Reservoir der (nationalen) Kultur und Geschichte. Sie bauen auf Bewährtes, hüten die Tradition und pflegen die alten Werte, sie hegen überlieferte Ordnungen. Die Sozialdemokraten haben sogar immer den Fortschritt und das große Ganze im Blick, die Gesellschaft, den Staat und den Weltfrieden. Sie dienen sich uns an als Navigatoren auf dem Weg nach Utopia; angetrieben von der erneuerbarsten aller politischen Energien, der „sozialen Gerechtigkeit“.

Avantgardistisches Programm

Allein der Liberalismus, der lässt uns im Stich. Der hält uns hinein in die Welt, wie sie ist – und gibt uns einen Stups. Der erteilt uns keine Ratschläge und weist uns keine Richtung, kennt weder Herkunft, Weg noch Ziel. Der Liberalismus ist eine einzige Zumutung. Er zwingt uns die Freiheit auf, irgendwas aus ihr zu machen. Sie zu nutzen oder nicht.

Es fällt uns heute schwer, nachzuvollziehen, dass dieser in der Philosophie als „negativ“ bezeichnete Freiheitsbegriff einmal revolutionär aufgeladen war, das Denken der Menschen vor 200, 300 Jahren erleuchtete und die politischen Verhältnisse umstürzte. Der Liberalismus war damals ein avantgardistisches Programm, das praktisch auf die Begrenzung der absoluten Königs- und Fürstenmacht und die Überwindung des Feudalzeitalters zielte und theoretisch die zentralen Fragen der Neuzeit aufwarf: In welchem Verhältnis sollten künftig Gleichheit und Freiheit zueinander stehen, Individuum und Staat, Eigentum und Verantwortung?

Dabei bringt der Liberalismus von Anfang an das Kunststück fertig, das scheinbar Gegensätzliche spannungsreich in eins zu denken. Er stellt die natürliche Gleichheit der Menschen an die erste Stelle, denn sie ist Grundbedingung der Freiheit. Und doch ist ihm nichts heiliger als die individuelle Freiheit, weil sich in ihr die Würde des Menschen ausdrückt.

Mehr zur Ideengeschichte und zum praktizierten Liberalismus auf der Themenseite Politische Debatte

27 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.08.2011, 19:30 UhrTLK

    Entweder man arbeitet für sich selbst oder für andere.

    Arbeitet man für jemanden anderen, dann gibt der dir die Arbeit, damit du nicht verhungerst und dafür muss man Leistung zeigen.

    -> Der Trainer stellt nur den auf, den er zum Gewinn der Meisterschaft braucht.

    Und daraus resultiert ein Marktwert für einen jeden, weil dein Arbeitgeber etwas von dir verlangt.

    -> Ein L. Messi kann vieles, was andere nicht können. ist entsprechend teuer und bekommt ordentlich Asche.

    Hat er das durch rumjammern, rumflennen, rumschwätzen und lesen irgendwelche sozialromantischer Träume in büchern erreicht, die so geschrieben sind, dass die Massen sie ganz toll finden? Oder durch die angebliche Verschwörung, dass ja kleine Spieler einfach zu klein sind, und arme Fußballer, schlechte Fußballer sind? Oder dadurch, dass er jeden Tag auf dem Platz stand und Vollgas gegeben hat?

    Wir haben leider in Deutschland mitlerweile äußerst viele Träumer, Moralapostel und Drückeberger, weil alleine schon die Aufforderung irgendetwas zu tun, schon als Einschränkung und beleidigung befunden wird. irgendwie muss es ja noch einfacher gehen.

    Und genau dieses Versagen, zu persönlicher Selbsteinschätzung zu kommen oder gekommen zu sein, ist das Problem dieses Linksrutsches hierzulande.

    Weil immer sind die anderen Schuld und es gibt ja bei allem eine persönliche Verschwörung. Und irgendwie waren es doch immer die illuminaten, und irgendwie hat der ganz viel und ich ganz wenig.


    Wir leben garantiert in keinem Staat sozialer Kälte und Wüste. Für diejenigen, die wirklich Hilfe brauchen, gibt es alles! Marktwert erreicht man durch Leistung und bildung, und siehe da: Das gibts in Deutschland All-inclusive und zwar für alle Altersschichten, man muss es nur tun.

  • 20.07.2011, 00:51 UhrBen Gurionz

    @ Mielemann

    Schön zu lesen, das es noch derart schlicht "denkende" Gemüter wie Sie gibt, die so tun, als wäre ihr egoistisch eingestrichener "Gewinn" nur ihr "Vermögen" und Resultat ihrer autonomen Leistungen und als könnte man sich in der aktuellen Zeit weiter "reinen Gewissesn" so verhalten als würden wir unter einer feudalen unterdückend machtvollen Herrschaft leben.

    Um alle die auszublenden, die mit kleiner, untertäniger, gering bezahlter Arbeit und entsprechender Arbeitsteilung zu dem "Vermögen" der wenigen, in kompeltter Unterwerfung, Disziplinierung und in Duldungsstarre, beitragen.

    Menschen leben in einem sozialen Gefüge und existieren nur, weil sie in gesellschaftlichen Miteinander die Stärken und Schwächen der jeweilige individuen kompensieren und ausgleichen.
    Diese Gesellschaftsform hat uns leider auch dahin geführt, das einige wenige den besitz und das allgemeine Vermögen und die entsprechende Ressourcen vieler an sich gerafft haben, diese mit unvorstellbaren Argumenten zu verteidigen versuchen und ihren "kranken" Egoismus als das natürlichste Verhalten der Welt, über den Nutzen des Gemeinwohls stellen, das auch sie erst zu dem gemacht hat, was sie sind, aber in blindem Egoisnus nicht mehr sehen und anerkennen.

    Geld - Macht blind und ein darauf aufgebautes Wesens fremdes Überich ebenso. Wer sind Sie denn? Wenn es nicht all die anderen geben würden, die meist auch völlig unbekannt und unbesehen, die Dienste betreuen, die das Leben solcher weltfremden Gestalten wie Sie erst ermöglichen? Undank ist der Welten Lohn, was an ihrer recht dürftigen Argumentation gut abzulesen ist.

  • 19.07.2011, 17:45 Uhrderboersenbrief.de

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