Liberia nach Ebola: Im Land der Ruinen

Liberia nach Ebola: Im Land der Ruinen

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Freiwillige Ebola-Helfer halten in Monrovia Plakate mit der Bitte, weiter für das Deutsche Rote Kreuz arbeiten zu dürfen, empor.

von Cordula Tutt

Das westafrikanische Land kann sich wohl bald ebolafrei erklären. Doch wenn die Helfer abziehen, bleiben nicht nur gänzlich unbenutzte Krankenstationen und die Ruine des Präsidentenpalastes zurück.

Schon die Begrüßung fällt in Liberia anders aus: Desinfektionsmittel, Händewaschen und Fiebermessen gehören zum Ritual, seit das tödliche Virusfieber Ebola in diesem Land wütet. Nicht berühren gilt immer noch als Alltagsregel. Höchstens der Ebola Shake ist zulässig - statt sich die Hände zu schütteln, stupsen zwei Menschen leicht die Ellbogen aneinander.

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Liberia erholt sich langsam vom Schrecken der Ebola-Epidemie. Doch noch ist das Land von der Normalität weit entfernt. Anders als in den Nachbarländern gibt es zwar zur Zeit keine Erkrankten mehr. Wenn kein neuer Infizierter dazu kommt, könnte sich das Land mit 3,4 Millionen Einwohnern am 7. Mai für ebolafrei erklären. So lange herrscht formal noch Ansteckungsgefahr.

Doch alle sehnen sich nach dem Alltag: Die Schulen und die Universität haben nach einem dreiviertel Jahr wieder geöffnet. In Läden und auf Märkten wird schon länger wieder gehandelt. Kommende Woche soll zumindest Kenias Fluggesellschaft wieder nach Monrovia fliegen. "Nach nahezu apokalyptischen Zeiten herrscht nun fast schon wieder Normalität", beschreibt der deutsche Ebolabeauftragte und Botschafter Walter Lindner, seine Eindrücke. Er ist seit Oktober das siebte Mal im Land unterwegs.

Die Angst sitzt tief in Liberia. Nicht alle Verletzungen sind sichtbar. Auf den mehr als 50 Kilometern Straße vom Flughafen in die Hauptstadt Monrovia reihen sich einige auf: Da stehen Betongerippe, Häuser, die bereits im Bürgerkrieg zwischen 1989 und 2003 niedergebrannt wurden und seither wie hohle Zähne aufragen. Links zum Meer hin wechseln sich Sumpf und dicht bewachsene Hügel ab.

Dort liegt Disco Hill. Erst im Dezember eröffnete die liberianische Regierung auf einem etwa 20 Hektar großen Gelände einen Friedhof. Dort bestatten die Menschen seither ihre Angehörigen, die an Ebola gestorben waren. Etwa 1000 Gräber sollen es inzwischen sein. Manchmal steht nur "unbekanntes Kind" an einer Grabstelle. Doch am Ort des Grauens gibt es nun endlich auch einen Ort des Trauerns. Hier finden sichere Bestattungen statt, ein würdevoller Abschied soll möglich sein, ohne dass sich die Lebenden bei den Toten anstecken.

Vorher durften Infizierte längere Zeit nicht von den Angehörigen bestattet werden, viele Leichen wurden aus Angst vor Ansteckung verbrannt. Eltern und Eheleute sahen ihre Liebsten nicht mehr, sobald sie in Isolierstationen behandelt wurden. Manchmal erfuhren sie im Chaos während der Hoch-Zeit von Ebola nicht einmal, wann ihre Kranken gestorben waren und was mit ihnen geschehen war.

Das ist das Ebola-Virus

  • Das Virus

    Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes, Fieber aus.

  • Sterblichkeit

    Je nach Erregerstamm sterben laut Angaben der WHO 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung ist noch kein Heilmittel auf dem Markt, Impfstoffe sind in der Testphase.

  • Der Übertragungsweg

    Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen oder Flughunde. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

  • Die Krankheit

    Die Inkubationszeit beträgt nach WHO-Angaben zwei Tage bis drei Wochen. Dann setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, auch andere Organe werden geschädigt. Es können schwere innere Blutungen auftreten. Erst wenn die Symptome auftreten, sind Infizierte ansteckend.

  • Die Gefahrenzone

    Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal wurde das Virus 1976 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe dem Ebola-Fluss nachgewiesen. Daher hat die Krankheit ihren Namen.

    Laut aktuellen Zahlen der WHO (Stand: 14. November 2014) sind seit dem aktuellen Ausbruch mehr als 14.400 Ebola-Fälle bekanntgeworden, die meisten in Liberia und Sierra Leone. Fast 5200 Menschen haben das Virus nicht überlebt.

Insgesamt starben in Liberia - neben den Nachbarländern Sierra Leone und Guinea besonders stark von Ebola betroffen - mehr als 4300 Menschen. Doch das sind nur die nachgewiesenen Fälle, die Dunkelziffer ist hoch. Insgesamt erkrankten seit Ausbruch des Fiebers in den Ländern mehr als 26.000 Menschen, mehr als 10.000 starben.

Weiter stadteinwärts und ebenfalls zum Meer hin kommt ELWA3 in Sicht. So heißt die Zeltstadt der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die größte Ebola-Isolierstation des Landes. Vor den Mauern starben im Spätsommer 2014 immer wieder Menschen, weil die 120 Betten nicht ausreichten. Einmal am Tag wurden die Toten gezählt und genauso viele neue Patienten aufgenommen. Nun bauen Helfer die Zelte wieder ab.

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