Libyen: Ägyptische Kampfflugzeuge greifen IS-Ziele an

ThemaNaher Osten

Libyen: Ägyptische Kampfflugzeuge greifen IS-Ziele an

, aktualisiert 16. Februar 2015, 17:45 Uhr

Die ägyptische Luftwaffe hatte am Montag IS-Stellungen in Libyen bombardiert, nachdem dort mehrere koptische Christen aus Ägypten ermordet worden waren. Nun fordert Kairo ein Eingreifen des UN-Sicherheitsrates.

Nach der Enthauptung ägyptischer Christen in Libyen durch die IS-Terrormiliz wird der Ruf nach einem Eingreifen des UN-Sicherheitsrates laut. Die internationale Gemeinschaft müsse neue Maßnahmen ergreifen, um das Vordringen des IS in dem Bürgerkriegsland zu verhindern, hieß es am Montag nach einem Telefongespräch der Präsidenten Frankreichs und Ägyptens, François Hollande und Abdel Fattah al-Sisi.

Anhänger der Miliz Islamischer Staat (IS) hatten am Sonntag ein Video mit der Ermordung mehrerer koptischer Christen aus Ägypten veröffentlicht. Die ägyptische Luftwaffe bombardierte daraufhin am Montag IS-Stellungen in Libyen.

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Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

  • Islamische Front

    Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

  • Nusra-Front

    In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

  • Islamischer Staat

    Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

    Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

    Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

  • Syrische revolutionäre Front

    Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


  • Mudschaheddin-Armee

    Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


  • Höchstes Militärkommando

    Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Bundespräsident Joachim Gauck reagierte mit Erschütterung auf die Ermordung der Ägypter. „Das barbarische Vorgehen der Täter erschüttert mich zutiefst und zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, im Kampf gegen diese Terrororganisation zusammenzustehen“, heißt es in einem Kondolenzschreiben an Al-Sisi. Auch die Vereinten Nationen, die USA und Papst Franziskus zeigten sich entsetzt über das neue Gräuelvideo.

Libyen befindet sich seit Monaten in einem blutigen Bürgerkrieg, zwei Regierungen in Tripolis und Tobruk beanspruchen die Macht. Das Chaos im Land machen sich dschihadistische Gruppen zunutze. Vertreter der Regierungen in Tripolis und Tobruk treffen sich seit vergangener Woche erstmals zu UN-Friedensgesprächen.

Nach Angaben des ägyptischen Außenministeriums wurden überwiegend Ziele in der östlichen Region Derna bombardiert. Sie gilt als Hochburg jener Terrorgruppe, die im Oktober dem IS die Treue schwor. Die reguläre libysche Luftwaffe unterstützte die Bombardements nach eigenen Angaben. Sie kämpft aufseiten der international anerkannten Tobruk-Regierung. Diese ist auch mit Ägypten verbündet. Die islamistische Gegenregierung in Tripolis hingegen verurteilte die „Attacke auf die Souveränität Libyens“.

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In dem Bürgerkriegsland halten sich nach Angaben des ägyptischen Außenministeriums noch Hunderttausende Landsleute auf. Viele sind als Gastarbeiter in dem umkämpften Nachbarland. Auch bei den vom IS getöteten Christen handelte es sich nach Angaben der koptischen Kirche um Gastarbeiter. Insgesamt 21 Männer seien Ende Dezember und Anfang Januar in Libyen entführt worden. Das Enthauptungsvideo ist die erste professionell inszenierte Gräueltat des IS außerhalb seines Kerngebiets in Syrien und im Irak.

Die Vereinten Nationen, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Länder verurteilten die Tötungen mit scharfen Worten. Auch Papst Franziskus zeigte sich entsetzt. „Sie wurden ermordet, nur weil sie Christen waren“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Montag bei einer Audienz für eine ökumenische Delegation aus Schottland im Vatikan. „Das Blut unser christlichen Brüder ist ein Zeugnis des Aufschreis.“ Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder, bezeichnete die Ermordung der Christen als „Anschlag auf die traditionelle religiöse Vielfalt im Nahen Osten“. „Wir (...) lassen uns so wenig wie die ägyptische Regierung und das ägyptische Volk durch Gewalt einschüchtern“, schrieb Kauder.

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