Libyen: Warum Gaddafi ein Ölembargo kaum trifft

Libyen: Warum Gaddafi ein Ölembargo kaum trifft

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Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi in seinem Zelt. Ein Öl-Embargo würde ihn nicht betreffen.

von Andreas Toller

Die EU soll ein Ölembargo gegen Libyen verhängen. Aber Machthaber Gaddafi wird das kaum beeindrucken, er hat Alternativen. Den Ölpreis bewegen andere Faktoren.

Gewinnmitnahmen an den Rohstoffmärkten drücken den Ölpreis. Der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent fiel um 0,2 Prozent auf 114,66 Dollar je Barrel. Das US-Leichtöl WTI notierte 0,1 Prozent schwächer bei 102,20 Dollar. „Ich gehe aber davon aus, das sich der Aufwärtstrend fortsetzen wird“, betonte Ken Hasegawa, Rohstoff-Experte beim japanischen Brokerhaus Newedge. „Die Gefahr von Versorgungsengpässen besteht weiter.“

Nach Einschätzung von Ric Spooner, Chef-Analyst bei CMC Markets, ist der Ölmarkt angesichts der Unruhen in Libyen und der Luftangriffe der westlichen Verbündeten auf die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi anfällig für erneute drastische Preissteigerungen. „Die libyischen Öl-Lieferungen fallen offenbar auf absehbare Zeit aus“, betonte Spooner. Dies reduziere den Puffer an ungenutzten Kapazitäten, mit dem Förderländer eventuelle zusätzliche Engpässe ausgleichen könnten. Vor allem auf wichtige Förderländer wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Gefahr, dass die Unruhen und Aufstände im Maghreb sich auf diese Staaten ausbereiten, nimmt weiter zu. Auch im Jemen und Syrien bahnen sich derzeit Revolten an.

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Einfluss schärferer Sanktionen unklar

Das trieb den Ölpreis noch gestern in die Höhe: Brent verteuerte sich um 1,8 Prozent auf 115,93 Dollar, WTI legte 1,9 Prozent auf 102,96 Dollar zu.

Welchen Einfluss schärfere Sanktionen der EU haben werden, ist noch unklar. Die EU-Außenminister beschlossen, neun Firmen - darunter drei führende Geschäftsbanken - auf eine Liste von Unternehmen zu setzen, deren Konten in der EU eingefroren werden. Auch wurde die Liste von knapp 30 Personen, denen die Einreise in die EU verboten wurde und deren Konten in der EU gesperrt wurden, um elf Mitglieder des Führungskreises von Gaddafi erweitert.

Deutschland tritt zudem in der EU für ein vollständiges Ölembargo gegen Libyen ein. „Es besteht Handlungsbedarf über die beschlossenen Sanktionen hinaus“, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Auch Angela Merkel versicherte, sich auf EU-Ebenen für ein Ölembargo stark machen zu wollen. Spätestens beim EU-Gipfel am Donnerstag, möglichst aber noch vorher, solle es beschlossen werden. Zudem solle nicht nur der staatliche libysche Ölkonzern auf die schwarze Liste der EU gesetzt werden, sondern auch dessen in den EU-Staaten tätige Tochterfirmen, so Westerwelle. So betreibt beispielsweise der libysche Tom-Oil-Konzern mit der Marke HEM ein Tankstellennetz mit rund 200 Stationen in Deutschland.

„Es macht ja keinen Sinn, dass einerseits Sanktionen stattfinden, anderseits aber der Diktator über Ölgeschäfte noch an frisches Geld kommen kann“, sagte Westerwelle. Der Export von libyschem Erdöl war wegen der gewaltsamen Unruhen allerdings zuvor schon zum Erliegen gekommen. Zur Frage, warum dann ein Embargo noch nötig sei, sagte Westerwelle: „Wir gehen auf Nummer Sicher.“

Dass ein Embargo den gewünschten Effekt erzielt, darf bezweifelt werden. Wie die britische Financial Times meldete, vermutet der Internationale Währungsfonds (IWF) beim libyschen Diktator noch Goldreserven im Wert von 6,5 Milliarden Dollar, oder anders ausgedrückt 144 Tonnen Gold. Damit würde Gaddafis Vorrat zu den 25 größten Goldvermögen weltweit zählen. Da der Goldpreis derzeit weiter steigt (derzeit 1429 Dollar je Feinunze), gewinnen seine Reserven sogar noch an Wert und wären somit bestens für Tauschhandel mit befreundeten Nachbarstaaten geeignet, die dafür der libyschen Armee Waffen, Lebensmittel oder Bargeld überlassen könnten. Dafür müsste Gaddafi das Gold allerdings außer Landes bringen. Daher vermutet Walter de Wet, Rohstoffexperte der Standard Bank, dass Gaddafi Gold längst in den Tschad oder Niger gebracht hat, ds die libysche Staatsbank dort Niederlassungen unterhält.

Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass der Gaddafi-Clan ein Milliardenvermögen in den verschiedensten Investitionen und Depot gehortet hat und es für die internationale Staatengemeinschaft sehr schwer sein wird, sämtliche Geldquellen Gaddafis zu schließen.

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