Lord Digby Jones im Interview: „Das ist arrogant“

Lord Digby Jones im Interview: „Das ist arrogant“

Bild vergrößern

Lord Digby Jones

Wie der britische Handelsminister den Trend zu mehr Protektionismus stoppen will.

WirtschaftsWoche: Lord Jones, ist der Freihandel noch zu retten? Die internationalen Verhandlungen über eine weitere Liberalisierung stocken, US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton stellt ihn infrage. Und in Europa fordern Politiker Klimazölle.

Jones: Kein Zweifel: Funktionierender Freihandel macht reiche Nationen reicher, er macht aber auch arme Länder reicher.

Anzeige

Warum verzichtet die EU dann nicht auf Agrarsubventionen und Agrarzölle?

Es ist unverantwortlich, wie Europa im 21. Jahrhundert ins Gestern statt ins Morgen investiert, indem es den eigenen Agrarmarkt zu schützen versucht. Die Zukunft liegt in Forschung und Entwicklung, in technischen Fertigkeiten. Wir müssen in Universitäten investieren, um Europa wettbewerbsfähig zu machen. Wenn arme Nationen Agrarprodukte nach Europa exportieren können, dann haben sie zudem mehr Geld, um bei uns technisch hochwertige Waren und Dienstleistungen einzukaufen.

Umweltschützer kritisieren die Globalisierung als Klimakiller.

Weil etwa Lebensmittel um die halbe Welt transportiert werden? Wenn Sie in Europa keine südafrikanischen Äpfel mehr kaufen, dann verliert ein Bauer in Südafrika seinen Job, ein Lastwagenfahrer, ein Packer und so weiter. Wir spielen hier mit der Wirtschaft anderer Länder. Sich über die Umwelt Gedanken zu machen ist richtig – aber nicht isoliert.

Die EU-Kommission droht mit Klimazöllen für Produkte aus Ländern, die den Umweltschutz vernachlässigen.

Deutschland und Großbritannien sind reich geworden, indem sie den Planeten verschmutzt haben. Wir können China und Indien nun nicht sagen: Ihr dürft das nicht. Das ist arrogant. Wir müssen ihnen helfen, die Umwelt weniger zu verschmutzen. Wir müssen Technologien bereitstellen. Ich hoffe, dass unsere beiden Länder da etwas bewegen können.

Die Bundesregierung plant ein Gesetz, mit dem sie den Einstieg ausländischer Investoren in deutsche Unternehmen notfalls verhindern kann. Hat Großbritannien Ähnliches vor?

Mir ist egal, woher das Geld kommt. Ich habe kein Problem mit Staatsfonds aus Indien, China oder Russland. Ihre Investitionen sind sehr willkommen. Es gibt kein Land, das hier so offen ist wie Großbritannien, und ich bin stolz darauf. Im Gegenzug erhalten wir Kapital, neue Talente, neue Ideen und leichteren Zugang zu anderen Märkten. Ich frage mich, wieso Länder wie Deutschland und Frankreich sich dem versperren. Oder die USA: Die haben wahrscheinlich 60 Städte, die größer sind als Dubai, verbieten dem Emirat aber den Kauf amerikanischer Häfen. Klar ist aber, dass sich alle Investoren an unsere Gesetze und Vorschriften halten müssen.

In den vergangenen Monaten gab es Probleme mit der Sicherheit chinesischer Produkte. Braucht die EU neue Standards für Importe?

Standards sind die Zuflucht der Protektionisten. Wenn es um die Sicherheit von Produkten geht, ist es aber richtig, dass die EU sich darum kümmert. Allerdings wird eine Mutter ihrem Kind wohl kaum ein chinesisches Spielzeug kaufen, wenn sie glaubt, es sei giftig. Der Markt trägt zur Lösung des Problems bei, indem Händler und Hersteller das Vertrauen der Frau zurückgewinnen müssen.

Bevor Sie im Juni Handelsminister wurden, haben Sie sechs Jahre lang den britischen Industrieverband geleitet. Wie viele ihrer damaligen Forderungen haben Sie schon umgesetzt?

Ich war beispielsweise immer ein Kämpfer für Freihandel. Nun kann ich um die Welt reisen und dafür trommeln. Andererseits: Nicht alles, was ich mir wünschen würde, wird der Premierminister erfüllen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%