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Lou Bing: "Materielle Wünsche habe ich momentan keine"

von Philipp Mattheis

Lou Bing sieht durch den neuen Wohlstand Chinas moralische Werte in Gefahr.

Luo Bing, 43, ihr Sohn Chris, 13, Opa, 83, Oma, 79 aus Chengdu (der Mann ist gerade auf Geschäftsreise) Quelle: Egill Bjarki Jónsson für WirtschaftsWoche
Luo Bing, 43, ihr Sohn Chris, 13, Opa, 83, Oma, 79 aus Chengdu (der Mann ist gerade auf Geschäftsreise) Quelle: Egill Bjarki Jónsson für WirtschaftsWoche

„Im November 2011 habe ich meine eigene Firma gegründet. Ich verkaufe Metall-Produkte, unter anderem auch an deutsche Unternehmen. Im Moment verdiene ich damit etwa 10.000 Yuan (rund 1.200 Euro). Mein Mann bekommt in seinem Job das Doppelte.

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In unserer Wohnung leben drei Generationen. Mein Vater ist 83. Seine Mutter war noch eine Kurzfüßlerin, so nennt man Frauen, denen man die Füße gebunden hatte. Er war Soldat und arbeitete später in einem Stahlunternehmen. Materielle Wünsche habe ich momentan keine.

Ich bin zufrieden, wie es ist. Wir haben ja alles, was wir brauchen: Computer, Mikrowelle, iPad, ein Auto.

Platz 20: Knorr-Bremse

Das Unternehmen aus München stellt Fahrzeugbremsen für Hochgeschwindigkeitszüge, Lokomotiven, Straßen- und U-Bahnen, Lastwagen und Busse her. Der Umsatz stieg 2011 um 14 Prozent auf mehr als 4,2 Milliarden Euro, vor allem dank der guten Geschäfte in Nordamerika und Europa. Unter dem Strich verdiente der Konzern 329 Millionen Euro, ein Plus von knapp 38 Prozent.

Mitarbeiter in China: 2200

Bild: Screenshot

Drei große Sorgen

Was mir Sorgen macht, sind drei Dinge: Das eine ist die Lebensmittelsicherheit. In China gibt es sehr viel Lebensmittelskandale. Sogar in Medikamenten ist manchmal Gift. Zweitens ist das Erziehungswesen ein Problem: Unsere Kinder stehen unter großem Druck. Sie haben keine Zeit für irgendetwas anderes, als zu lernen. Deswegen zahlen wir 70.000 Yuan im Jahr für Chris’ Privatschule, auf der zum Beispiel englische Muttersprachler unterrichten.

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Außerdem macht mir die Umweltverschmutzung Sorgen. Früher, Anfang der Neunzigerjahre, gab es in Chengdu nicht so viele Hochhäuser, dafür war das Leben entspannter, der Verkehr nicht so stark, die Luft besser. Seit Kurzem bin ich Christin geworden. Ich vermisse moralische Werte. Die Menschen in China sind nur am Geldverdienen interessiert. Sie haben keine Moral mehr."

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