Luftangriff auf Donezk : Viele Tote bei neuen Gefechten in Ostukraine

Luftangriff auf Donezk : Viele Tote bei neuen Gefechten in Ostukraine

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Die Lage in der Ukraine verschärft sich.

Prorussische Separatisten in Donezk bereiten sich auf eine Erstürmung der Großstadt durch die Armee vor. Das ukrainische Militär beklagt zahlreiche Opfer bei neuen Kämpfen. Moskau wirft Kiew den Einsatz von Phosphorbomben vor.

Der Kampf um die strategisch wichtige Separatistenhochburg Donezk in der Ostukraine nimmt an Härte zu. Erstmals griff die ukrainische Luftwaffe Ziele nahe des Zentrums der Großstadt an. Bei den Attacken auf Stellungen der Aufständischen starben mindestens drei Zivilisten, wie der Stadtrat am Mittwoch mitteilte. Wegen der Gefechte zog die OSZE Beobachter aus der Stadt ab. Russland wies Vorwürfe des Westens zurück, die Krise in der Ukraine durch einen Truppenaufmarsch an der Grenze weiter anzuheizen. Die Behauptungen seien eine „Irreführung der Weltöffentlichkeit“, erklärte das Verteidigungsministerium der Agentur Interfax zufolge.

Die Bundesregierung sieht die Bewegungen des russischen Militärs weiter sehr kritisch. „Angesichts der angespannten Situation trägt die Kombination aus einem großangelegten Militärmanöver und einer Truppenkonzentration nahe der Grenze nicht zu der von uns geforderten Entschärfung der Lage bei“, sagte eine Außenamtssprecherin. Berlin fordere von Moskau „größtmögliche Transparenz“.

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Die Nato warnte vor einer „gefährlichen Situation“. „Wir können nicht mutmaßen, was Russland vorhat, aber wir können sehen, was Russland macht - und das erfüllt uns mit großer Sorge“, sagte eine Sprecherin in Brüssel. Die Nato fürchtet, dass Moskau unter dem Vorwand einer „Friedensmission“ Truppen in die Ostukraine senden könnte. An diesem Donnerstag wird Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zu Krisengesprächen mit der prowestlichen Führung in Kiew erwartet.

Chronologie - Dramatische Tage auf der Krim

  • Die Lage

    Schon lange ist die Krim zwischen Russen und Ukrainern umstritten. Seit dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch am 22. Februar haben sich die Spannungen auf der überwiegend von Russen bewohnten Schwarzmeer-Halbinsel dramatisch verschärft. Ein Rückblick:

  • 26. Februar

    Wenige Tage nach dem Umsturz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew geraten auf der Krim Anhänger und Gegner einer Annäherung an Russland aneinander. Tausende Krimtataren demonstrieren gegen eine Abspaltung der autonomen Republik. Prorussische Demonstranten fordern die engere Anbindung an Moskau.

  • 27. Februar

    Bewaffnete besetzen Regionalparlament und Regierungsgebäude in der Hauptstadt Simferopol - um die russische Bevölkerung auf der Krim zu verteidigen, wie sie sagen. Das prorussische Krim-Parlament spricht sich für eine Volksbefragung über die Autonomie der Region im Mai aus und setzt die Regierung ab.

  • 28. Februar

    Eine bewaffnete prorussische Gruppe besetzt kurzzeitig den Flughafen der Hauptstadt. Das ukrainische Parlament appelliert an Moskau, alles zu unterlassen, was die territoriale Einheit des Landes gefährde. Nach ukrainischen Berichten sind auf der Krim russische Militärmaschinen mit rund 2000 Soldaten gelandet. Interimspräsident Alexander Turtschinow spricht von einer „militärischen Invasion“ unter dem Deckmantel einer Übung.

  • 1. März

    Der moskautreue neue Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow übernimmt vorübergehend die Befehlsgewalt und bittet Kremlchef Wladimir Putin um Beistand. Er zieht das Referendum über die Zukunft der Krim auf den 30. März vor. Die russische Staatsduma ruft Putin auf, der neuen Regierung auf der Krim Beistand beim Schutz der Bürger zu leisten. Die prorussische Krim-Regierung und die auf der Halbinsel stationierte russische Schwarzmeerflotte vereinbaren eine Zusammenarbeit bei der Sicherung der öffentlichen Ordnung. In mehreren russisch geprägten Städten der Schwarzmeer-Halbinsel gibt es Proteste gegen die Regierung in Kiew.

    Putin erklärt, Russland könne bei weiterer Gewalt gegen die russischsprachige Bevölkerung „nicht tatenlos zusehen“. In Kiew ordnet Interimspräsident Alexander Turtschinow die volle Kampfbereitschaft der ukrainischen Armee an und droht, eine Intervention Moskaus werde „der Beginn eines Krieges und das Ende aller Beziehungen sein“.

  • 2. März

    Das ukrainische Parlament, die Oberste Rada, berät in nicht-öffentlicher Sitzung über die heikle Lage. Die sieben führenden Industrienationen der Welt (G7) setzen alle Vorbereitungstreffen für den G8-Gipfel mit Russland im Juni in Sotschi aus. US-Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel werfen Russland vor, mit der Intervention auf der Krim gegen das Völkerrecht zu verstoßen.

  • 3. März

    Auf der Krim herrscht gespannte Ruhe. Russland lehnt die Entsendung einer Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) in die Ukraine ab. Außenminister Sergej Lawrow sagt, es gehe Moskau um die „Frage der Verteidigung unserer Bürger und Landsleute“. Die EU-Außenminister beraten bei einer Krisensitzung in Brüssel über die Lage auf der Krim.

Die Aufständischen in Donezk warnten die Armee vor einer Offensive. „Die Erstürmung steht unmittelbar bevor, aber wir sind gut darauf vorbereitet“, sagte Separatistenführer Sergej Kawtaradse. Immer mehr Frauen und Kinder würden Donezk durch einen Fluchtkorridor verlassen. Die Armeeführung in Kiew betonte aber, sie plane keine „kopflose“ Erstürmung von Donezk oder des benachbarten Lugansk. „Das sind nicht irgendwelche Festungen. Das sind Städte, in denen Menschen leben“, unterstrich Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat.

Bei erbitterten Gefechten in der Region beklagte das Militär zahlreiche Opfer. Innerhalb von 24 Stunden seien 18 Soldaten getötet und 54 verletzt worden, sagte Lyssenko. Auch in der Stadt Gorlowka berichteten die Behörden von einer steigenden Zahl von Toten. In den vergangenen Tagen seien bei Artilleriebeschuss 33 Zivilisten getötet und 129 verletzt worden. Gas- und Wasserversorgung seien zerstört.

In Lugansk müssen nach Behördenangaben ebenfalls Zehntausende ohne Strom und Wasser auskommen. Schwierigkeiten gibt es zudem weiter mit der Lebensmittel- und Treibstoffversorgung sowie mit der Müllabfuhr.

Russland warf der ukrainischen Führung erneut den Einsatz von Phosphorbomben gegen Zivilisten im umkämpften Osten des Landes vor. „Eine Bodenprobe hat ergeben, dass die Armee in der Nähe von Slawjansk die verbotenen Brandgeschosse verwendet hat“, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde in Moskau, Wladimir Markin. Der Einsatz sei ein „Kriegsverbrechen“. Die russischen Behörden bezogen sich auch auf die Berichte ukrainischer Flüchtlinge. Die Führung in Kiew hatte die Vorwürfe wiederholt als „Verleumdung“ zurückgewiesen.

weitere Artikel

Im Kampf gegen die Aufständischen will Kiews Geheimdienst SBU mehr Agenten in die Reihen der militanten Gruppen einschleusen. Damit sollten ihre Aktionen untergraben werden, schrieb Anton Geraschtschenko vom ukrainischen Innenministerium bei Facebook. Es gebe kein effektiveres Mittel zum Kampf gegen den Terrorismus.

Im Zuge des Ukraine-Konflikts hat sich die antiwestliche Stimmung bei Bürgern in Russland einer Umfrage zufolge massiv verschärft. Negative Meinungen gegenüber dem Westen seien so weit verbreitet wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr, berichteten Moskauer Medien unter Berufung auf das Meinungsforschungsinstitut Lewada. „Unsere Einstellungen haben sich sogar Deutschland gegenüber deutlich verschlechtert, mit dem es traditionell ein gutes Verhältnis gibt: 2010 verhielt sich 1 Prozent der Bevölkerung negativ zu Deutschland - jetzt sind es 18 Prozent“, sagte Lewada-Direktor Lew Gudkow der Zeitung „Wedomosti“.

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