Machtwechsel in Saudi-Arabien: Neuer König, alte Probleme

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Machtwechsel in Saudi-Arabien: Neuer König, alte Probleme

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Saudi-Arabiens verstorbener König Abdullah.

von Hans Jakob Ginsburg

Unter König Abdullahs Herrschaft war Saudi-Arabien eine Großmacht. Das könnte sich mit seinem Tod ändern: Niedrige Ölpreise, Terrorismus in der Region und wachsende innere Spannungen gefährden die Monarchie.

Wer nur auf die Wirtschaft schaut, muss dem saudischen König Abdullah nachtrauern, der heute Nacht mit 90 Jahren verstorben ist. Der bis vor wenigen Monaten trotz Krankheit fast allmächtig schaltende Herrscher hat über fast zwei Jahrzehnte Saudi-Arabiens Rolle als Tankstelle des Globus gefestigt, Terroristen im eigenen Land ausgeschaltet und der Ökonomie des Ölstaates einen Weg in die Zukunft gezeigt.

Warum Diversifizierung, Abschied von der totalen Abhängigkeit von den Rohstoffen unter dem Wüstensand wichtig ist - das hatten wenige auf der arabischen Halbinsel so gut begriffen wie Abdullah, der erst als Kronprinz und Regent für seinen schwer erkrankten Vorgänger, seit 2005 dann auch als König der Reichste unter allen politischen Führern der Welt und der Mächtigste unter allen Multimilliardären war.

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Europäische, gerade auch deutsche Unternehmen verdankten der Politik Abdullahs gewaltige Aufträge für den Export von Investitionsgütern in sein Reich. Da hatte einer begriffen, dass es mit Erdölextraktion und schwelgerischem Luxuskonsum nicht getan war.

Abdullahs Namen trägt die KAUST - die englische Abkürzung steht für "König-Abdullah-Universität für Naturwissenschaft und Technik" - und diese riesige glänzend ausgestattete Technische Hochschule bei Dschidda wird noch lange alles verkörpern, was der Wüstenstaat diesem König verdankt. Dazu gehört, dass hier Männer und Frauen gleichberechtigt nebeneinander studieren.

Wissenswertes über Saudi-Arabien

  • Geburtsstätte des Islam

    Saudi-Arabien ist mit den für Muslime bedeutenden Städten Mekka und Medina die Geburtsstätte des Islam.

  • Absolute Monarchie

    Seit 1932 wird der Wüstenstaat auf der Arabischen Halbinsel von der Familie Al-Saud als absolute Monarchie geführt. Die Scheichs haben mit dem Wahhabismus eine konservative Auslegung des Islam im Land etabliert und vor allem Frauen mit strengen Regeln belegt. So ist Saudi-Arabien das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen.

  • Bevölkerung

    In dem Land leben nach Angaben der UN rund 27 Millionen Menschen, ein Drittel von ihnen sind Gastarbeiter. Die Mehrheit der Saudis sind sunnitische Muslime. Im Osten des Landes lebt eine schiitische Minderheit, die jedoch immer wieder Repressalien ausgesetzt ist. Sunniten sprechen ihnen ab, wahre Muslime zu sein.

  • Reich durch Öl

    Als größter Produzent unter den Erdöl-Staaten (Opec) kann das Königreich einen großen Reichtum vorweisen. Die Staatsreserven werden auf 750 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Aber dass wir das erwähnen müssen, zeigt schon die erbärmlichen Mängel des saudischen Systems, an denen Abdullah nur wenig ändern wollte und noch weniger ändern konnte. Nirgendwo sonst auf der Welt sind Frauen so diskriminiert und unterdrückt wie hier.

Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass es ein paar Unternehmerinnen gibt und ein paar verschleierte Damen der Gesellschaft in den eigentlich machtlosen Versammlungen, die mit westlichen Parlamenten so viel zu tun haben wie die Millioneneinkünfte tausender saudischer Prinzen mit ehrlich verdientem Einkommen. Und die verschärfte Unterdrückung liberaler Oppositioneller in den vergangenen Monaten ist ein Indiz dafür, dass jetzt ohne Abdullah das Königshaus die Uhren eher noch zurückstellen will.

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Der 79-jährige neue König Salman war in seinen besten Lebensjahren Verteidigungsminister und Gouverneur der Hauptstadt und Boomtown Riad. Von Unterdrückung der inneren Opposition versteht er im Zweifelsfall viel, von Außenpolitik einiges, von Wirtschaftspolitik wenig.

Nicht anzunehmen also, dass sich unter Salman an der angenehmen saudischen Politik des billigen Erdöls schnell etwas ändern wird. Auf Dauer aber wird Salman unter den wegen des niedrigen Ölpreises fehlenden Einnahmen der Staatskasse leiden. Er wird viel Geld brauchen: Für das von ihm geliebte Militär, für die Finanzierung des eng befreundeten Nachbarn Ägypten, für die soziale Pazifizierung der inzwischen gut ausgebildeten aber politisch rechtlosen Landeskinder.

Sehr sicher kann sich der Mann nicht fühlen, der jetzt als sechster unter den vielen Söhnen des 1952 verstorbenen Staatsgründers die absolute Macht in Riad übernimmt.

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