Machtzuwachs: IWF wird zur Superbehörde

Machtzuwachs: IWF wird zur Superbehörde

, aktualisiert 07. November 2011, 16:56 Uhr
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Chefin einer Superbehörde: Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde.

Quelle:Handelsblatt Online

Mehr Macht für den Internationalen Währungsfonds (IWF) bedeutet auch mehr Einfluss von Schwellenländern wie China auf die internationale Finanzpolitik. Wer den Fonds kontrollieren soll, ist unklar. Ein Kommentar.

WashingtonEs ist ein atemberaubendes Tempo, mit dem der Internationale Währungsfonds (IWF) zur finanzpolitischen Superbehörde ausgebaut wird. Seit dem G20-Gipfel 2009 werden dem Fonds im Sechsmonatsrhythmus neue Kompetenzen und neues Geld zugesprochen. Dabei stellen die Beschlüsse von Cannes einen weiteren qualitativen Sprung dar. Denn mit der Übertragung der Verantwortung für die Sanierungsbemühungen Italiens werden jetzt auch die letzten Politiker der Euro-Zone verstummen, die noch glaubten, Europa könne seine Krise alleine lösen.

Der Machtzuwachs für den IWF ist aber nicht nur ein weiterer Rückschlag für das europäische Selbstbewusstsein. Die neuerliche Aufwertung des IWF hat noch viel weitreichendere Konsequenzen. Denn es wird künftig der Fonds aus Washington sein, der mit seinen finanzpolitischen Vorstellungen die Weichen stellt. Und mit Christine Lagarde an der Spitze ist auch relativ klar, wohin die Reise gehen wird. Lagarde steht für billionenschwere Brandschutzmauern gegen die Finanzpest, sie steht für eine klar keynesianisch ausgerichtete Konjunkturpolitik, und die Französin steht auch für eine massive Öffnung hin zu den Schwellenländern.

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Zwar dürfte sie in Moskau, wo sie heute zu Gast ist, noch nicht jene vielen Milliarden einsammeln, die sie für die Aufstockung der IWF-Ressourcen benötigt. Doch Lagarde wird wenig Probleme damit haben, großzügige Angebote aus China und anderen Schwellenländen zu akzeptieren. In China, dem wichtigsten Schwellenland, wird sie gleich nach der Visite in Russland erwartet. Und von wo sonst sollen die Gelder kommen, mit denen der Fonds, der ja bereits über rund eine Billion Dollar verfügt, seine Mittel verdoppeln will? Europa klamm und die USA nahezu pleite, die Auswahl ist also gering.

Zwar zahlen die Schwellenländer auch deshalb gerne an den IWF, um ihre eigenen Dollar und Euro vor dem Verfall zu retten. Doch nach einer Anstandsfrist werden sie für diesen Dienst eine Gegenleistung fordern. Und die bemisst sich in Einfluss und wohl auch im Wohlverhalten. Ein von China aufgemöbelter IWF als harscher Kritiker Pekinger Währungsmanipulationen? Das ist schwer vorstellbar.

Möglich macht diese Evolution des IWF natürlich nur die Krise. Und es ist ja auch nicht falsch, ihn als Retter in die Schlacht zu schicken. Denn der supranationale Fonds kann, was Deutsche, Franzosen und EZB nicht können: Maßnahmen durchsetzen, ohne dass dies als Gängelung durch einzelne Mitgliedsländer betrachtet wird. Berlin hat in Cannes den Lehrmeister gespielt. Noch mehr davon und die Deutschen sind wieder so unbeliebt wie einst. Der IWF als Schutzschild ist also höchst willkommen.

Nur: Wer kontrolliert, was der Fonds macht und will? Die Regierungschefs und 24 Exekutivdirektoren mögen glauben, dass sie die Zügel in der Hand halten. Doch je mehr Player mit höchst unterschiedlichen Interessen an Bord sind, desto schwächer wird die Aufsicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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