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Mali: Der unterschätzte Krieg

von Frank Doll

Der Konflikt in Nordafrika kann sich rasch zu einer Bedrohung für die Energieversorgung Frankreichs und Europas ausweiten. Die französische Regierung glaubt an einen leichten Durchmarsch in Mali.

Die französische Regierung hofft auf einen leichten Durchmarsch in Mali. Quelle: dapd
Die französische Regierung hofft auf einen leichten Durchmarsch in Mali. Quelle: dapd

Ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen, rücken die französischen Truppen derzeit vor in den Norden des Landes. Aber möglicherweise ist der Feind, die Dschihadisten, zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Außerdem ist Mali nur eines seiner Kampfgebiete - Algerien, Libyen und Niger gehören auch dazu.

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Dort sind die Dschihadisten kaum zu fassen und mit Waffen ausgestattet, mit denen die USA den Kampf gegen Libyens ehemaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi unterstützt haben. Einen ähnlichen Fehler hatten die USA schon in den 1970er Jahren in Afghanistan gemacht.

Aber US-Präsident Barack Obama will keinen weiteren Krieg. Zumal es in Nordafrika überwiegend um europäische Energieinteressen geht. Die USA werden sich also kaum militärisch in den Konflikt einschalten. Sie bestehen gar auf die Erstattung der Kosten für Transportflüge und Luftbetankung im Zusammenhang mit dem Militäreinsatz der Franzosen. In Paris hielt man das zuerst für einen Scherz, jetzt ist man einigermaßen irritiert. Wenn der Schock verdaut ist, wird man gewiss versuchen, diese Rechnungen - und vermutlich noch ein paar mehr - an Berlin weiterzureichen.

Frankreich Der Rohstoffkrieg in Mali

Es ist zynisch, den Militäreinsatz in Mali mit Sicherheitsinteressen zu begründen. Tief im Herzen Afrikas will Frankreichs Staatspräsident Hollande die Versorgung seines Landes mit dem Atomkraftbrennstoff Uran sichern.

Frankreich: Der Rohstoffkrieg in Mali

Der Anschlag auf die vom britischen Ölmulti BP betriebene Erdgasanlage im algerischen Armenas hat gezeigt, dass die Energieversorgung Europas durch den Konflikt bedroht ist. Algerien ist nach Russland und Norwegen der drittgrößte Gaslieferant Europas. Spanien etwa bezieht 40 Prozent seiner Erdgasimporte aus Algerien, Italien etwa ein Drittel.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.01.2013, 17:37 Uhrueberflug

    "Der unterschätzte Krieg !? Man nenne dem geneigten leser einen einzigen
    der Kriege seit 1870/71 und früher der NICHT von den Bestimmenden unter-
    schätzt worden ist. Man könnte auch die Angehörigen der Opfer fragen.
    Was diesen Krieg betrifft, selber informieren z. B. gefahrlos durch das Überfliegen des Kriegsbebietes, am Besten von Zürich aus über das Meer am Tage Richtung Afrika bis hin nach Kinshasa. Ohne Kenntnis über den Krieg ahnt man was dieser dort bedeuten kann, für unsere Jungs aus Europa. Alles schon mal dagewesen doch man lernt ja stets dazu oder
    man will es nicht ?


  • 28.01.2013, 22:29 UhrPit

    30% der französischen Atomenrgie durch Gülleanlagen zu ersetzen dürfte bei der Menge an Scheiße die Holland fabriziert nicht schwer sein.

  • 27.01.2013, 14:49 UhrSilverager

    Zitat Frank Doll: "Wenn der Schock verdaut ist, wird man gewiss versuchen, diese Rechnungen - und vermutlich noch ein paar mehr - an Berlin weiterzureichen."

    Ich möchte diesen Satz ergänzen: ... und Berlin wird sie auch bezahlen. Das ist alternativlos.

    Denn: scheitert Frankreich, so scheitert Europa.
    Und das will Berlin mit allen Mitteln verhindern.

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