Markus Krall: "Alle gewinnen - außer den Spekulanten"

Markus Krall: "Alle gewinnen - außer den Spekulanten"

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Dr. Markus Krall, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger

von Konrad Handschuch

Der Autor des Eureca-Projekts über Gewinner und Verlierer seines Modells zur Entschuldung von Griechenland.

WirtschaftsWoche: Herr Krall, woher sollten die 125 Milliarden Euro für das griechische Treuhandvermögen kommen?

Krall: Das müssten die Staaten Europas zunächst einmal vorstrecken. Sobald ihnen aber das griechische Treuhandvermögen übereignet wäre, könnten sie eine Anleihe ausgeben, die mit dem Wert der Anlagen besichert wird. Damit ließen sich etwa 60 Prozent des Risikos abdecken, also rund 75 Milliarden Euro. Die Differenz, also 50 Milliarden Euro, müsste weiterhin von den EU-Staaten garantiert werden. Allerdings würden sich durch das Schulden-Rückkaufprogramm Reserven im EFSF ansammeln, die dieses Risiko wiederum auf die Hälfte reduzieren würden.

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Was wäre dann mit den insgesamt 219 Milliarden Euro, die Griechenland bereits zugesagt worden sind?

Von dieser Summe sind ja bislang nur rund 60 Milliarden Euro ausgezahlt worden. Jeder Euro davon würde den europäischen Steuerzahlern aus dem Verkaufserlös komplett zurückbezahlt werden. Die restlichen 65 Milliarden würden an den EFSF gehen. Damit könnte der EFSF die bei der EZB geparkten und – soweit das Geld reicht – auch sonstige Staatsanleihen zurückkaufen. So können wir vermeiden, dass Ratingagenturen einen Zahlungsausfall feststellen. Die Anleihen wären quasi für Griechenland neutralisiert.

Wer würde von Ihrem Plan profitieren?

Die Griechen würden der Schuldenfalle entkommen, der europäische Steuerzahler könnte sein beträchtliches Kreditrisiko gegen ein wesentlich geringeres Vermögensrisiko eintauschen, und die Kunden von Lebensversicherungen müssten keine Vermögensverluste befürchten. Die EZB würde von diesem Plan ebenfalls profitieren. Sie hätte dann kein direktes Risiko aus Griechenland-Anleihen mehr. Auch die Sicherheiten, die griechische Banken bei der EZB hinterlegt haben, würden deutlich im Wert steigen. Es gäbe also fast nur Gewinner.

Private Gläubiger müssten also keinen Schuldenschnitt befürchten?

Unser Modell sieht keinen Forderungsverzicht vor, denn ein solcher Verzicht würde dem europäischen Bankensystem 30 Milliarden Euro Eigenkapital entziehen und so die Kreditvergabekapazität der Banken in Europa um 300 Milliarden Euro mindern. Das hätte negative Folgen für die Zinsen, den Mittelstand und das Vertrauen der Banken untereinander.

Und wer verliert bei Ihrem Modell?

Verlieren würden diejenigen, die gegen Griechenland und den Euro spekuliert haben. Das sind einige Hedgefonds und andere Investoren, die ein hohes CDS-Portfolio auf Griechenland-Anleihen haben, Leerverkäufe auf griechische Anleihen gemacht haben oder mit anderen Produkten auf einen griechischen Zahlungsausfall gesetzt haben. Sie würden substanzielle Verluste erleiden.

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