Massenproteste: Brasilien wehrt sich gegen unfähige Politiker

Massenproteste: Brasilien wehrt sich gegen unfähige Politiker

von Alexander Busch

Hinter den landesweiten Unruhen steht der Frust über die wirtschaftliche Stagnation und die Schwäche der Politiker. Präsidentin Dilma Roussef kündigt nun Reformen an.

Massendemonstrationen in den Metropolen und in vielen kleineren Städten des riesigen Landes, spontane Proteste junger Menschen, Aufmarsch der Polizei – Brasilien erlebt eine Krise, mit der kaum jemand zuvor gerechnet hat. Mindestens 250.000 junge Brasilianer waren Anfang vergangener Woche auf die Straße gegangen, vordergründig im Widerstand gegen steigende Preise im Busverkehr, gegen die Verschwendung öffentlicher Mittel beim Bau von Fußballstadien für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr, gegen die allgegenwärtige Korruption in der Politik ihres Landes.

Bruttoinlandsprodukt in Brasilien Quelle: IWF

Bruttoinlandsprodukt in Brasilien: Veränderung zum Vorjahr in Prozent (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: IWF

Staatspräsidentin Dilma Rousseff reagierte wie auf frischer Tat ertappt. Die „Stimmen der Straße“ müssten gehört werden, sagte die Präsidentin, denn nach dem Aufstieg Brasiliens zu einer der größten Volkswirtschaften sei es verständlich, dass die Bürger nun „mehr verlangen und ein Recht auf mehr haben“. "Brasilien ist reif, um weiter zu gehen, und hat bereits klar gemacht, dass es nicht stehenbleiben wird“, sagte Rousseff. Sie schlug fünf Reformpakte vor, darunter zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, des Gesundheitssystems und des Bildungswesens. Die Proteste gingen am Montag weiter, wenn auch mit verminderter Stärke. Viele Brasilianer haben nach dem großen Aufschwung des vergangenen Jahrzehnts das Gefühl, es gehe wieder bergab mit dem Land. Enttäuschte Erwartungen haben die Proteste ausgelöst, und daran trägt die Regierung Rousseff viel Schuld.

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Die wachsende Bedeutung der Brics-Staaten

  • Einleitung

    Zum fünften Mal seit 1999 kommen die Staats- und Regierungschefs der fünf führenden Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Brics) zu einem Gipfel zusammen - diesmal im südafrikanischen Durban, wo sie seit Dienstag etwa über eine eigene Infrastrukturbank und gemeinsame Währungsreserven verhandeln. Nachfolgend einige Fakten. (Quellen: Reuters; IWF, nationale Statistikämter)

  • Wirtschaftsmacht

    Die fünf Länder stehen für 21 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die Dynamik ist enorm: Sie haben ihren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht.

  • Bevölkerung

    43 Prozent der Weltbevölkerung lebt in den Brics-Staaten. Allein in China und Indien leben jeweils deutlich mehr als eine Milliarde Menschen.

  • Währungsreserven

    Zusammen kommen die Staaten auf die gigantische Summe von 4,4 Billionen Dollar. China sitzt auf den mit Abstand größten Devisenreserven der Welt.

  • Handel

    Der Handel zwischen den Brics-Staaten erreichte 2012 einen Wert von 282 Milliarden Dollar. Bis 2015 dürfte er auf 500 Milliarden Dollar steigen, sagen Experten voraus. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag das Volumen lediglich bei 27,3 Milliarden Dollar.

  • Wohlstandsgefälle

    Obwohl alle Brics-Staaten kräftig wachsen, sind die Unterschiede sehr groß. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im vergangenen Jahr in China 6.094 Dollar, in Brasilien 12.340 Dollar, in Russland 13.765, in Indien 1592 Dollar und in Südafrika 7.636 Dollar.

Die Brasilianer erleben alltäglich steigende Inflation und stagnierendes Wachstum; viele junge Brasilianer fürchten um ihre Zukunft. Auch ohne makroökonomische Einsichten finden sie leicht die Schuldigen in einer Regierung, die in Sachen Verkehrswesen, Bildung, öffentliche Sicherheit und Gesundheitsversorgung offensichtlich versagt hat.

Und in den großen Fragen der Wirtschaftspolitik erst recht. Haushaltsdefizit und Leistungsbilanzdefizit steigen derzeit empfindlich, und gerade erst hat die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) die Aussichten für Brasiliens Kreditwürdigkeit mit „negativ“ beurteilt. Wichtigste Gründe seien „die widersprüchlichen Signale für die Wirtschaft und der wachsende Glaubwürdigkeitsmangel der Regierung“, sagt der S&P-Analyst Sebastian Briozzo.

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