Massenproteste: Hongkong lässt weitere Barrikaden von Demonstranten räumen

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Massenproteste: Hongkong lässt weitere Barrikaden von Demonstranten räumen

Stück für Stück werden die prodemokratischen Demonstranten in Hongkong zurückgedrängt. Nach zwei Monaten auf den Straßen verliert die Bewegung Kraft. Viele Demonstranten überlegen heimzugehen.

Bei den prodemokratischen Protesten in Hongkong haben Arbeiter im Auftrag der Polizei in größerem Stil damit begonnen, Barrikaden der Demonstranten wegzuräumen. Am wichtigen Protestort im belebten Geschäftsviertel Mong Kok wurden am Dienstagmorgen Ortszeit Straßensperren eingerissen und auf Lastwagen verfrachtet. Demonstranten leisteten zunächst keinen Widerstand. Ein Gericht hatte die Räumung angeordnet. Protestführer hatten die verbliebenen Demonstranten in dem Viertel während der vergangenen Tage mehrfach aufgefordert, ihre Sachen zu packen und die Entscheidung des Gerichtes zu akzeptieren. Neben Mong Kok harren auch noch mehrere Hundert Demonstranten am Hauptprotestlager in Admiralty nahe des Regierungssitzes auf der Insel Hongkong aus.

Berühmte chinesische Regimekritiker

  • Ilham Tohti

    Der uigurische Bürgerrechtler geriet erst vor kurzer Zeit in die Schlagzeilen: Ein Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft - er will den Richterspruch anfechten. Denn die Behörden hätten seinen Verteidigern nicht alle Beweise zur Verfügung gestellt, und dem früheren Wirtschaftsprofessor auch nicht den Grund für seine Verhaftung mitgeteilt.

  • Ai Weiwei

    Der Künstler war schon mehrfach in Haft, zuletzt wegen einem angeblichen Wirtschaftsdelikt - damals wurde er unter strengen Auflagen und nur gegen Kaution freigelassen. Obwohl er oft im Ausland unterwegs ist, plant er nicht ins Exil zu gehen.

  • Liu Xiaobo und Liu Xia

    Seinen Friedensnobelpreis, den er 2010 erhielt, hat er bis heute nicht nicht abgeholt. Bei der Zeremonie in Oslo blieb sein Stuhl auch symbolisch leer, denn auch seine Frau steht unter Hausarrest. Der Schriftsteller und Menschenrechtler wurde 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt wegen "Untergrabung der Staatsgewalt."

  • Chen Guangcheng

    Dem blinden Menschenrechtsaktivisten gelang 2012 die Flucht in die USA. Nach diplomatischen Bemühungen bekam er - überraschend schnell - ein Stipendium für eine amerikanische Universität und konnte mit seiner Familie ausreisen. Zuvor wurde er mehrfach inhaftiert und unter Hausarrest gestellt, unter anderem weil er Dorfbewohner in der Shandong juristisch beraten hatte, die sich gegen gegen Zwangssterilisationen und erzwungene Schwangerschaftsabbrüche wehren wollten.

  • Hu Jia

    Seit 2011 ist es ruhig um ihn geworden: Damals wurde der Bürgerrechtler und Umweltaktivist aus dem Gefängnis entlassen, in dem er wegen "umstürzlerischer Machenschaften" saß. Er ist Träger des Sacharow-Preises für geistige Freiheit des Europäischen Parlamentes. Mit Freunden gründete er eine Organisation zur medizinischen Vorsorge.

  • Gao Zhisheng

    Der Anwalt setzt sich vor allem gegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht ein, die er allerdings auch schon selbst erleben musste. Er unterstützte dabei vor allem religiöse Minderheiten, wie die Falun Gong. Er selbst ist Christ. Erst Mitte August wurde er nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen, in dem er auch gefoltert worden sein soll. Es war nicht seine erste Haft. Noch 2001 gehörte er zu den zehn besten Anwälte Chinas; 2005 trat er aus der Partei aus. Seine Familie bekam mittlerweile politisches Asyl in den USA; er steht in China unter Hausarrest und darf nicht ausreisen.

In Mong Kok hatte es mehrfach schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten gegeben. Bereits vor einem Monat hatten Polizisten Barrikaden in dem Viertel weggeräumt. Anschließend waren die Spannungen eskaliert, Beamte hatten Pfefferspray eingesetzt und mehrere Dutzend Aktivisten festgenommen. Die Protestbewegung verlor vergangene Woche stark an Zuspruch der Hongkonger Bevölkerung, nachdem vermummte Aktivisten in der Nacht versucht hatten, das Parlamentsgebäude zu besetzen. Mit Eisenstangen und Steinen zertrümmerten sie Glasscheiben, Türen und beschädigten Hauswände.

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Wortführer der Proteste verurteilten die Angriffe, aber viele Bürger in Hongkong lasten die Zerstörung den prodemokratischen Demonstranten an. Bei zwei unabhängigen Umfragen sprach sich eine Mehrheit der Hongkonger vergangene Woche dafür aus, die Protestlager zu räumen. Gleichzeitig wurde unter den Demonstranten kritisch über den weiteren Weg ihrer Proteste diskutiert. In einer Umfrage von Aktivisten unter den Demonstranten kündigte rund die Hälfte der mehr als 2000 Befragten an, den Protest abzubrechen und nach Hause zu gehen, falls sie dazu aufgefordert würden. Die Proteste hatten sich vor mehr als zwei Monaten an den Plänen Pekings entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Seit Rückgabe der ehemaligen britischen Kronkolonie 1997 an China wird Hongkong als eigenes Territorium autonom regiert.

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