Mayotte: Euro-Zone wird um einen exotischen Außenposten größer

Mayotte: Euro-Zone wird um einen exotischen Außenposten größer

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Nicolas Sarkozy

Europa begrüßt Ende des Monats einen Newcomer: Mayotte. Knapp halb so groß wie Rügen, wird die zwischen Madagaskar und Afrika im Indischen Ozean gelegene Tropeninsel Europas jüngster Außenposten.

Debatten über die europäische Schuldenkrise sind auf Mayotte so fern wie das Mutterland Frankreich. Arm und exotisch ist die 374 Quadratkilometer große Insel zwischen Madagaskar und Afrika.

Als 101. Département Frankreichs wird sie nach der zweiten Runde bei den Regionalwahlen am kommenden Sonntag offiziell französisches Verwaltungsgebiet und somit vollwertiger Teil der EU. Und damit ist das Eiland einer der entlegensten Flecken dieser Welt, auf denen auch der Euro als legales Zahlungsmittel eingesetzt wird. „Wir können es kaum erwarten, endlich voll und ganz Teil zu Europa zu gehören", sagt Ahamada Madi Chanfi vom Verwaltungsrat in M'tsangamouji.Rund 10 000 Kilometer vom französischen Mutterland entfernt gelegen steht das Tropeneiland mit seiner natürlichen Schönheit und seinem Korallengürtel selbst Tauchparadiesen wie den Malediven in nichts nach. Hier wurde sogar der lange Zeit als ausgestorben geltende Urfisch Coelacanth (Quastenflosser) nachgewiesen.

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Geld für die Infrastruktur soll den Tourismus stärken. Bis 2013 soll ein neuer Airport-Terminal für rund 40 Millionen Euro entstehen. Die Zahl der Reisenden soll sich nach optimistischen Prognosen von heute 310 000 bis 2025 mehr als verdoppeln, neue Urlaubszentren wurden ausgewiesen, sagte Chanfi vergangene Woche am Rande einer Tourismusmesse in Paris.

Funktionierende Schulen

Zwischen den wuchernden Armutsvierteln des eigentlich aus zwei Inselteilen bestehenden neuen Départements wachsen die ersten Supermärkte und Appartment-Blöcke empor, es gibt funktionierende Schulen und eine Gesundheitsversorgung - und seit neuestem sogar die erste Verkehrsampel. Trotz der verbreiteten Armut und Massenarbeitslosigkeit ist Mayotte jedoch im wahrsten Sinne des Wortes eine Insel der Glückseligkeit in einem Meer der Armut. Unter Lebensgefahr und oft bei Dunkelheit versuchen Tausende in „Kwassa-Kwassa„ genannten Nussschalen dem Elend auf der rund 70 Kilometer entfernten Insel Anjouan zu entkommen. Die gehört zur Union der Komoren, die ihren Anspruch auf Mayotte nie aufgegeben hat und von einer verheerenden Armut geprägt ist. Jährlich werden etwa 24 000 illegale Auswanderer ausgewiesen - die Zahl der in den Fluten ertrunkenen Flüchtlinge wird jährlich auf mehrere tausend geschätzt. Jeder Dritte Bewohner auf Mayotte ist Ausländer oder Flüchtling - und jeden Tag kommen neue Migranten. Frauen kommen, um ihre Kinder hier zur Welt zu bringen: Sie stellen 80 Prozent der Geburten im Kreißsaal der Inselhauptstadt. Die Einwanderung schafft sozialen Sprengstoff.

Weitere Anbindung

Viele Mahorais - so heissen die Bewohner - werfen den Ankömmlingen vor, ihnen die wenigen Jobs wegzunehmen. Denn auch auf Mayotte gibt es Probleme durch einen hohen Anteil an Analphabeten unter der sehr jungen Bevölkerung, explodierende Arbeitslosigkeit sowie kulturelle Probleme auf dem Weg in die Moderne. Auch wenn sich die Gesellschaftsstruktur rasch verändert und die Menschen vom Land in die Städte flüchten: traditionell islamische Familienstrukturen und das bisher auch von Frankreich anerkannte Gewohnheitsrecht spielen noch eine große Rolle. Geografisch gehört die 1841 von Frankreich gekaufte Insel zu den Komoren, politisch geht sie aber schon lange Sonderwege. Als einzige des Archipels verzichteten die Einwohner 1974 bei einer Abstimmung auf die Unabhängigkeit. Seitdem gibt es Streit mit den benachbarten Komoren-Republik, die in den 70er Jahren für die Unabhängigkeit von Frankreich gestimmt hatte. Deren Regierung erhebt die Anspruch auf Mayotte und sieht sich dabei von der Afrikanischen Union unterstützt.

Die Insel mit ihren offiziell rund 187 000 Bürgern ebnete den Weg für die Einführung des Euro schon 2009 mit einem Referendum. Eine überwältigende Mehrheit der fast ausschließlich muslimischen Einwohner der Insel sprach sich dabei für die weitere Anbindung an Frankreich aus. Sie erhofft sich vor allem bessere Sozialleistungen und politische Stabilität. Schon jetzt sichert Paris mit jährlich 635 Millionen Euro einen Lebensstandard, der zehnmal so hoch ist wie auf den benachbarten Komoreninseln. Als Département bekommt Mayotte ab 2012 schrittweise das französische Sozialrecht.

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