Mehr Markt statt Staat: Chinas Kommunisten ringen um Reformkurs

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Mehr Markt statt Staat: Chinas Kommunisten ringen um Reformkurs

Ein Jahr nach dem Führungswechsel in China will das Zentralkomitee frischen Wind in die zweitgrößte Volkswirtschaft bringen. Mit vagen Reformversprechen ist es aber nicht getan. Es gibt auch Widerstand.

Unter großer Geheimhaltung debattiert das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas über einen neuen Reformkurs für die zweitgrößte Volkswirtschaft. Ein Jahr nach dem Generationswechsel in Peking berät das Plenum über „eine umfassende Vertiefung von Reformen“, um sie „systematischer, integrierter und koordinierter“ zu machen, schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Mit Ergebnissen ist erst zum Abschluss der viertägigen Sitzung der 376 ZK-Mitglieder am Dienstag zu rechnen.
Das Plenum, das seine viertätigen Beratungen am Samstag begann, wird angesichts schwächeren Wachstums in China von großen Erwartungen begleitet. „Das Volk fragt sich, ob das Wachstum aufrechterhalten werden kann“, stellte die Staatsagentur fest. Trotz bisheriger Umstrukturierungen werde die Wirtschaft des Riesenreichs weiter vor allem von Investitionen angetrieben, während der Export und die heimische Nachfrage schwächelten. „All diese Fragen müssen bald beantwortet werden.“ Wie konkret die am Ende verabschiedeten Reformpläne aber tatsächlich werden, erschien völlig offen.
Experten hoffen auf eine Liberalisierung der Wirtschaft, insbesondere Reformen im Finanzsektor. Diskutiert werden auch verbesserte Landrechte für Bauern und vereinfachte Ansprüche auf Sozialleistungen für die mehr als 200 Millionen Wanderarbeiter, um die Urbanisierung zu beschleunigen. Auch sollen die Funktionen von Behörden und Staatsbetrieben besser getrennt werden.

Alternativen zu China

  • Vietnam

    Das Kölner Unternehmen Ergobag wollte seine Ranzen eigentlich in China produzieren lassen. Doch das auf Nachhaltigkeit bedachte Unternehmen störte sich an den langen Arbeitszeiten in den dortigen Fabriken.

    Nun lässt Ergobag bei Zulieferer ASG nahe Ho-Chi-Minh-Stadt Schulrucksäcke herstellen. Dessen Vertriebschef Lee will dieses Jahr 200.000 Stück für die Deutschen herstellen, die sein größter Kunde sind.

  • Tunesien

    Gardeur-Chef Kränzle lässt alle Hosen in Tunesien nähen, wo er zwei Werke betreibt und ausbaut.

    Produzenten in China hat er gekündigt, weil die Lieferzeit zu lange dauert. Dafür will er jetzt in Bosnien eine stillgelegte Fabrik neu einrichten.

  • Äthiopien

    Für den Hersteller Ara aus Langenfeld bei Solingen nähen in Addis Abeba rund 500 Mitarbeiter Lederschuhe.

    Die Arbeiter verdienen bei Ara rund 20 Euro im Monat. Das sind derart niedrige Lohnkosten, dass nun auch chinesische Hersteller Fabriken in Äthiopien bauen.

Staatsmedien zitierten das Mitglied im mächtigen Ständigen Ausschuss des Politbüros, Yu Zhengsheng, die Reformen würden „weitreichend, mit wesentlicher Stärke und beispiellos“ sein. „Zweifellos werden sie die Transformation von Wirtschaft, Gesellschaft und anderen Bereichen kräftig anstoßen.“
Dem Zentralkomitee, das aus 205 Vollmitgliedern und 171 nicht voll stimmberechtigten ZK-Kandidaten besteht, liegt ein Entwurf des Politbüros mit Reformen vor, die die Weichen neu stellen sollen. Die Propaganda spricht von einem „historischen Neubeginn“, doch dämpfte das Wirtschaftsmagazin „Caixin“ allzu große Erwartungen: „Die neuen Maßnahmen mögen aggressiv oder konservativ sein, aber zumeist werden sie abstrakt bleiben“, schrieb das Blatt.
„Die Umsetzung muss von verschiedenen Regierungsabteilungen ausgearbeitet werden“, erläuterte das renommierte Magazin. Ein Punkt sei die Definition der Grenze zwischen Staat und Markt. „Es sollte nicht vergessen werden, dass die Dinge, die getan werden sollten, gewöhnlich nicht die gleichen sind, die auch machbar sind“, schrieb „Caixin“. „Außerdem brauchen einige Reformen Jahre, um zu wirken.“

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Quelle: PR

Die Reformen sollten der Privatwirtschaft als heute wesentlicher Triebkraft der Wirtschaft zugutekommen, forderte der Pekinger Politikprofessor Wu Qiang von der Tsinghua Universität. Der Schlüssel sei marktwirtschaftliche Liberalisierung, um starke Interessengruppen wie die Staatsindustrie und die Macht der lokalen Bürokratie zurückzudrängen. „Es gibt einen sehr abnormalen Wettbewerb zwischen privaten und staatlichen Unternehmen - nicht nur auf unseren heimischen sondern auch auf internationalen Märkten“, sagte der Professor der Nachrichtenagentur dpa in Peking.
Der Privatsektor trägt zu 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, ist gegenüber staatlichen Unternehmen aber benachteiligt. „Die Staatsbetriebe sind zu stark“, sagte auch Kommentator Zhang Lifan der dpa. „Selbst wenn sich der Staatssektor öffnen muss, dürften die privaten Unternehmen nicht den Zuschlag für Projekte bekommen.“

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