Mehr Sicherheit und Umweltschutz: Olympische Spiele führen zu erheblichen Kosten für ausländische Unternehmen

Mehr Sicherheit und Umweltschutz: Olympische Spiele führen zu erheblichen Kosten für ausländische Unternehmen

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Während der Olympischen Spiele gelten umfangreiche Sicherheits- und Umweltschutzmaßnahmen. Darunter leiden auch ausländische Unternehmen, die auf Zulieferungen etwa von Rohmaterialien angewiesen sind

Für ausländische Unternehmen in China wird die Versorgung mit Zulieferteilen und Rohmaterialien vor und während der Olympischen Spiele erheblich schwieriger. Der Grund: Umfangreiche Sicherheits- und Umweltschutzmaßnahmen.

Hubertus Schröder ist um seinen Job nicht zu beneiden. Der China-Repräsentant des deutschen Logistikdienstleisters Schenker koordiniert derzeit von Peking aus die Notfallpläne für den Warentransport seiner Kunden während der Olympischen Spiele – eine durchaus knifflige Aufgabe. Denn die chinesischen Behörden beginnen in diesen Tagen damit, weit reichende Einschränkungen für den Güterverkehr im gesamten Norden Chinas einzuführen. Nicht immer ist klar, wie die Auflagen gemeint sind.

So dürfen etwa ab Anfang Juli keine Lkw mehr in den Großraum Peking fahren. „Doch ab wann gilt ein Fahrzeug als Lkw“, fragt Schröder. Eine Tonnenangabe haben die Behörden nicht veröffentlicht. „Wir gehen jetzt davon aus, dass ein Lkw ein Fahrzeug mit einer Ladefläche ist“, sagt Schröder.

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Die Beschränkungen für den Lkw-Verkehr sind nur ein kleiner Teil des Maßnahmenkatalogs, mit dem die chinesische Regierung zu den Olympischen Spielen für bessere Luft in der smoggeplagten Olympiastadt sorgen will, aber auch möglichen Terroranschlägen vorbeugen will.

Schon seit Anfang des Monats lassen die Behörden auf dem Luftweg keine Gefahrgüter – dazu zäheln auch Chemiestoffe – mehr in sieben chinesische Städte, darunter Shanghai, Qingdao und Tianjin. Auch den Gefahrguttransport per Flugzeug aus den Städten ins Ausland untersagen die Behörden. Darüber hinaus wickleln die Häfen in Shanghai und Qingdao keine Gefahrguttransporte mehr ab. Experten vermuten, dass die Richtlinien demnächst auch für andere Häfen in China gelten werden. Die Einschränkungen beim Gefahrguttransport, die vor allem große Chemieunternehmen wie BASF und Bayer betreffen dürften, sollen bis zum 1. Oktober gelten. Güter, die bereits in den betreffenden Städten angelandet sind, müssen so lange eingelagert werden. „Da kommen auf alle erhebliche Kosten zu“, sagt Schröder.

Auch beim Transport konventioneller Fracht per Flugzeug müssen sich die Unternehmen in China auf Behinderungen einstellen. So erwartet man bei Schenker, dass reine Frachtflüge in Peking während der Spiele suspendiert werden. Wegen des höheren Fluggastaufkommens werde auch der Frachtraum in Passagiermaschinen deutlich reduziert sein. Schenker empfiehlt darum, den Gütertransport auf die Zeit zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens zu verlegen.

Das größte Problem für die Industrie sind aber nicht einmal die Einschränkungen beim Gütertransport selbst, sondern die schlechte Informationspolitik der chinesischen Behörden. Manche der Maßnahmen werden nur Stunden vorher angekündigt, einyheitliche schriftliche Richtlinien gibt es bis heute nicht. Schenker-Mann Schröder muss sich bei seiner Arbeit denn auch hauptsächlich auf Berichte betroffener Unternehmen stützen.

Der Nachschub für die Unternehmen kann aber nicht nur am Transport scheitern. Um für bessere Luft in Peking zu sorgen, will die Regierung in einem Radius von etwa 200 Kilometern rund um die Olympiastadt alle Fabriken mit realtiv hohem Schadstoffausstoß stilllegen. Die Regelung soll vom 20. Juli bis zum 20. September gelten. Sollten die Schließengen nicht den gewünschten Effekt bringen, wollen die Behörden den Radius auf 300 Kilometer erweitern. Mögliche Folge der Maßnahme für die Unternehmen: Teile der industriellen Lieferketten geraten ins Stocken. „Um Zulieferengpässe abzufedern, ist es ratsam, frühzeitig über ein Aufstocken der Lager und alternative Transportwege nachzudenken“, sagt Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Doch Unternehmen in der Region Peking müsen sich auch auf eine reduzierte Energieversorgung einstellen. Um die Schadstoffbelastung zu mindern, heißt es bei Schenker in Peking, könnten Kraftwerke westlich von Peking während der Olympischen Spiele die Produktion herunterfahren.

Damit in Peking weniger Staub fliegt, verhängen die Behörden vom 20. Juli bis zum 20. September zudem einen Baustopp für alle Großbaustellen. Die Folge für die Wirtschaft: Verzögerungen beim Bau von neuen Fabriken und Kosten für dei Einlagerung von Baumaterialien. Unternehmen mit Sitz in Peking, so der BME, müssten zudem damit rechnen, dass ihre Mitarbeiter während der Spiele für ein paar Tage gar nicht arbeiten könnten, denn die Regierung diskutiert die Anordnung von Zwangsferien, um den Berufsverkehr zu reduzieren. Außerdem in der Pipeline: Vom 20. Juli bis zum 20. September sollen Pkw nur an jedem zweiten Tag fahren dürfen, je nachdem, ob die Zahle des Numernschildes gerade oder ungerade ist.

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