Menschenrechts-Preis: Inhaftierter chinesischer Bürgerrechtler Tohti ausgezeichnet

Menschenrechts-Preis: Inhaftierter chinesischer Bürgerrechtler Tohti ausgezeichnet

, aktualisiert 11. Oktober 2016, 10:01 Uhr
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Der inhaftierte Chinese hatte sich für die Rechte der Uiguren eingesetzt – und erhält dafür den „Nobelpreis für Menschenrechte“.

Quelle:Handelsblatt Online

Vor zwei Jahren wurde Ilham Tohti in China zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Er hatte sich für die Rechte der uigurischen Minderheit stark gemacht. Für seinen Mut wird er nun ausgezeichnet – in Europa.

Genf/PekingDer in China inhaftierte Bürgerrechtler Ilham Tohti erhält den Martin-Ennals-Preis, der als eine Art „Nobelpreis für Menschenrechte“ gilt. Tohti werde ausgezeichnet, weil er sich seit über 20 Jahren friedlich für die Rechte der muslimischen Minderheit der Uiguren im Westen Chinas einsetze, teilte die Martin-Ennals-Stiftung am Dienstag in Genf mit. Der 46-Jährige habe den „Dialog und das Verständnis“ zwischen Uiguren und Chinesen gefördert und dabei „große persönliche Risiken“ auf sich genommen.

Der Bürgerrechtler und Wirtschaftsprofessor war 2014 in einem von westlichen Regierungen und Menschenrechtsorganisationen scharf kritisierten Prozess wegen „Anstiftung zum Separatismus“ zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

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Tohti wurde 1969 in Chinas westlichster Provinz Xinjiang als Uigure geboren. Die autonome Region mit ihren 22 Millionen Einwohnern gilt wegen ihrer Konflikte der muslimischen Uiguren mit den dominierenden Han-Chinesen seit Langem als Unruheherd.

Viele Uiguren fühlen sich von Peking sozial, kulturell und wirtschaftlich benachteiligt und durch die systematische Ansiedlung von Han-Chinesen, der mit Abstand größten Bevölkerungsgruppe in China, an den Rand gedrängt. Immer wieder gibt es in Xinjiang blutige Zusammenstöße. Tohti sprach oft in Vorträgen und Vorlesungen über die Lage der Uiguren und kritisierte Peking unverblümt.

Nach Unruhen in Xinjiangs Provinzhauptstadt Ürümqi im Juli 2009, bei denen nach offiziellen Angaben 200 Personen getötet wurden, verschwand Tohti erstmals für sechs Wochen in Polizeigewahrsam. Die Regierung warf ihm vor, auf seiner Internetseite uighurbiz.cn „Propaganda und Gerüchte“ verbreitet zu haben.

Dass Tohti heute im Gefängnis sitzt, sei eine „Schande“, sagte Dick Oosting von der Martin-Ennals-Stiftung. Indem die Regierung die gemäßigte Stimme Tohtis zum Schweigen bringe, lege sie den Grundstein für Extremismus, den Peking eigentlich verhindern wolle.

Tohti ist in diesem Jahr auch für den renommierten Sacharow-Preis des EU-Parlamentes nominiert, der am 27. Oktober vergeben werde soll. Der Martin-Ennals-Preis für Menschenrechtsverteidiger ist nach dem ersten Generalsekretär von Amnesty International benannt und wird von zehn weltweit führenden Menschenrechtsorganisationen getragen. Er wird an Einzelpersonen oder Organisationen verliehen, die im Kampf um die Menschenrechte außerordentlichen Mut bewiesen haben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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