_

Merkel versus Barroso: Zwei Bankenretter, zwei Pläne

von Georg Watzlawek Quelle: Handelsblatt Online

Bundeskanzlerin und EU-Kommissionspräsident drängen darauf, gegen den drohenden Bankencrash in Europa vorzugehen. Aber dabei meinen Merkel und Barrosos nicht das Gleiche. Sie denkt national. Er supranational.

Angela Merkel und Jose Manuel Barroso. Quelle: handelsblatt.com
Angela Merkel und Jose Manuel Barroso. Quelle: handelsblatt.com

Rekapitalisierung ist das Wort der Stunde. „Die deutsche Bundesregierung steht bereit, wenn notwendig, eine solche Kapitalisierung der Banken durchzuführen. Die Zeit drängt", sagte Merkel am nach ihrem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jose Barroso in Brüssel.

Anzeige

Barroso hört sich so ähnlich an: Die EU-Kommission arbeite an Plänen einer EU-weit  koordinierter Rekapitalisierung europäischer Banken. Durch eine gemeinsame Aktion der Mitgliedsländer solle es angeschlagenen Kreditinstituten trotz Schuldenkrise ermöglicht werden, „Schrottpapiere in ihrem Besitz loszuwerden“, sagte Barroso in einem Live-Interview auf der Video-Plattform Youtube. Einen entsprechenden Vorschlag werde die Kommission den 27 EU-Staaten nun unterbreiten.

Die Stoßrichtung der beiden Spitzenpolitiker ist die gleiche, aber der Weg dahin nicht. Barroso predigt einen gemeinsamen Ansatz, Merkel hingegen einen nationalen.

Der Euro-Rettungsschirm EFSF solle nur im Notfall herangezogen werden, um Banken zu retten, stellt die Kanzlerin klar. Zunächst müssten die Banken in Schieflage selbst versuchen, Kapital zu beschaffen. Erst wenn das nicht möglich sei, würden die Regierungen einzelner Länder einspringen. Erst ganz zum Schluss komme der EFSF – und dessen Einsatz sei immer an bestimmte Bedingungen geknüpft. Merkel wörtlich: „Wenn ein Land nicht genügend eigenen Mittel hat und die Stabilität des Euros insgesamt bedroht ist, dann gibt es eine Möglichkeit, den EFSF zu nutzen.“

In Kurzform: jedes Land ist selbst für seine Banken zuständig und muss dafür sorgen, dass sie ausreichend Kapital erhalten. Erst wenn eine Regierung etwa in Griechenland, Spanien oder Italien selbst zahlungsunfähig zu werden drohe, sei der von Barroso verlangte gemeinsame Rettungseinsatz angesagt.

Das passt auch zur Beschlusslage der EU-Finanzminister von diesem Dienstag: Jeder Minister solle nun zunächst prüfen, welche Banken in seinem Land in Gefahr sind – und was die Regierung dagegen rasch unternehmen kann.

Allerdings ist Barrosos Behörde längst dabei, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten.

Als nächstes nimmt sich Merkel Sarkozy vor

"Es ist überhaupt kein Geheimnis, dass europäische Regierungen und die Europäische Kommission gemeinsam einen Plan erarbeiten, mehr Kapital aus öffentlichen Mitteln in den Bankensektor zu bringen", sagte Antonio Borges, Leiter des IWF- Europaprogramms. Auch er sprach sich für eine europäische Herangehensweise und eine verstärkte länderübergreifende Zusammenarbeit aus.

Wie die unterschiedlichen Ansichten nun zusammenzuführen sind, darüber wird Merkel bereits am Donnerstag im Kanzleramt mit IWF-Chefin Christine Lagarde, Weltbank-Chef Robert Zoellick und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet besprechen. Am Sonntag kommt Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach Berlin – der sich von Merkel wohl anhören muss, den französischen Banken auf die Sprünge zu helfen.

Der Figaro berichtete bereits, Paris arbeite bereits an einem Notfallplan für die eigenen Banken – was von der Regierung aber sofort dementiert wurde. Der Fall Dexia soll als Warnsignal verstanden werden, nicht als Beginn einer echten Bankenkrise.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.10.2011, 19:10 Uhrwählt PIRATEN

    Wir sind es leid seit Jahren immer nur bankenrettung zu hören und für die Spekulationsverluste der banken vereschuldet zu werden.
    Politik sollte angetreten sein, um Visionen der Menschheit und infrastruktur für Europas Wirtschaft zu gestalten. Welche Projekte wären z.b. mit diesen Milliarden möglich z.b. Transparidstrecken als Verbindungen aller wichtigen Europäischen Haupstädte !!! ihr Politiker habt alle Menschen an die banken versklavt. Wem nützt es, wenn die Superreichen über berge von Geld verfügen und damit nur Unheil, Krieg und Umweltvernichtung finanzieren. Was, wenn diesen Gierigen in Kürze die ganze Welt gehört???? Ende der Gesellschaften, Ende Zivilisation, Versklavung pur? Dahin führt Eure Politik.

  • 06.10.2011, 15:17 UhrGela Szen

    Was barroso will. ist immer das Gleiche: Vergemeinschaftung der (banken-)Schulden, Zahlungen nach Leistungsfähigkeit, was soviel bedeutet wie : Deutschland zahlt.
    ist aber im Prinzip nur die Verallgemeinerung der grün-/roten Umverteilungsstrategie.

  • 06.10.2011, 15:12 UhrZwei Verbrecher sind sich einig!

    Jetzet rettet diese Frau "auch der zweitgrößte Unfall der deuwstchen in den letzten 100 Jahren" nicht nur die Pleitestaaten Europas sondern auch deren banken!
    Wann erbarmt sich endlich ein Patriot und oofert sich wie die Vorbilder aus dem Nahen Osten und befreit uns von dieser Frau und Politikern wie barros und co.?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Flattern auf der Stelle
Flattern auf der Stelle

Die SPD feiert pompös 150 Jahre Vergangenheit – und hat keine Zukunft, weil sie sich erst vergessen und dann selbst...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.