Militär- und Megaprojekte: Der Suezkanal - Teil von Ägyptens Masterplan

Militär- und Megaprojekte: Der Suezkanal - Teil von Ägyptens Masterplan

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Ägyptens Präsident Abdel-Fattah al-Sisi bei der Eröffnung des Suez-Kanal. Mit einer Reihe von Großprojekten will er Ägyptens Wirtschaft wieder ankurbeln.

von Jacqueline Goebel

Der Ausbau des Suezkanals ist nur eines von vielen Megaprojekten, die Ägyptens Präsident al-Sisi umsetzen will: Das bietet viele Chancen für die deutsche Industrie – wenn die Pläne denn aufgehen.

Präsident Abdel Fattah al-Sisi weiß, was eine gute Inszenierung ausmacht: Fröhlich winkend steht der ehemalige Militärchef in seiner ordenbehängten Uniform an der Reling des Dampfschiffs, das sich langsam durch das azurblaue Wasser des neuen Suezkanals schiebt. Die Luft ist schwül und drückend, nur draußen auf dem Wasser zerrt der Wind an den Jacketts der Anzugträger, die ihren Präsidenten umringen. Hymnen erschallen aus den Boxen in den Festzelten, Jets donnern über den Kanal hinweg, als sich der von Kriegsschiffen begleitete Dampfer langsam dem Ufer nähert.

Der französische Präsident Francois Hollande ist da, der russische Premierminister Dimitri Medvedev, der jordanische König Abdullah II und der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Ganz so, wie es sich für eine Feier für die wichtigste Wasserstraße der Welt gehört.

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Die Geschichte des Suezkanals

Rund zehn Prozent des Welthandels fließt laut Angaben der ägyptischen Regierung jedes Jahr durch die schmale Wasserstraße mitten in der Wüste. Mit 193 Kilometern Länge ist der Suezkanal der längste Kanal der Welt, der außerdem komplett ohne Schleusen auskommt. Rund 18.000 Schiffe nahmen im vergangenen Jahr die Abkürzung und spülten der Regierung damit rund 5,3 Milliarden US-Dollar in die Kasse. Für die Ägypter ist der Suezkanal damit ein Zeichen von Kraft und Stärke der Wirtschaft, die oft genug am Boden lag.

Der längste schleusenlose Kanal der Welt

Der Suezkanal ist Wirtschaftsfaktor, Einnahmequelle, Prestigeobjekt. Präsident Al-Sisi weiß das, er will alle das Potenzial des Kanals in allen drei Kategorien voll ausreizen. In Rekordzeit ließ er auf einer Strecke von 72 Kilometern eine zweite Fahrbahn errichten, die parallel zum alten Kanal verläuft. Schiffskonvois sollen in Zukunft so bisher einfach einander vorbei fahren könne, statt wie bisher stundenlang zu warten. Die ägyptische Regierung erwartet sich dadurch eine massive Gewinnsteigerung von 5,4 Milliarden Dollar auf 13,5 Milliarden Dollar im Jahr 2023.

Länge weltweit bedeutender Schifffahrtskanäle

  • Der Panamakanal

    Panamakanal
    82 km

    Quelle: THB, Statista Stand: 2014

  • Der Nord-Ostsee-Kanal

    Nord-Ostsee-Kanal
    98 km

  • Der Suezkanal

    Suezkanal
    162 km

  • Der Sankt-Lorenz-Seeweg

    Sankt-Lorenz-Seeweg
    595 km

Der Ausbau ist damit der größte in der 145-jährigen Geschichte des Kanals – und doch ist er nur ein erster Schritt in Sisi’s Masterplan für Ägypten. Mit neuen Megaprojekten und militärischer Stärke will er die Wirtschaft des Nil-Staates wieder aufrichten. Dabei ist Ägypten auch auf ausländische Investoren angewiesen – für viele deutsche Unternehmen stecken darin große Chancen. Denn zumindest bis zum arabischen Frühling 2011 war das ehemalige Pharaonen-Reich der Wachstumstreiber in der Region und auch ein Stabilitätsfaktor für den krisengeschüttelten Nahen Osten. Heute braucht die ägyptische Wirtschaft den Antrieb dringend. Doch zwischen all den Versprechungen und großen Visionen, die Präsident al-Sisi über das Volk schüttet, gibt es einige Zweifel, dass die Megaprojekte realisierbar sind – und auch die erwünschte Wirkung bringen.

Chancen für deutsche Investoren

Al-Sisi tut sein Bestes, um diese Zweifel zu übertünchen. Als er die Bühne betritt, hat er seine Militäruniform gegen einen schwarzen Anzug getauscht. Seite an Seite steht er neben Frankreichs Präsident Francois Hollande, als die ägyptische Nationalhymne erklingt. In den vergangenen Monaten hat al-Sisi schon Besuche in Russland und auch in Deutschland absolviert, um ausländische Unternehmen nach Ägypten zu locken. Siemens konnte bei der Gelegenheit den größten Auftrag seiner Unternehmensgeschichte festmachen: Für acht Milliarden Euro baut der Münchener Technologiekonzern zwölf Windparks und drei Gaskraftwerke in Ägypten.

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