Mossul: "Der Islamische Staat wird nicht aufgeben"

ThemaNaher Osten

InterviewMilitäroffensive im Irak: "Der Islamische Staat wird nicht aufgeben"

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Irak: Bei der Offensive auf Mossul unterstützen kurdische Peschmerga das Militär rund 25 Km östlich der IS-Hochburg.

von Marc Etzold

Iraker, Kurden und Amerikaner wollen den IS aus Mossul vertreiben, der zweitgrößten Stadt im Land. Nahostexperte Stefan Bierling erklärt, warum der IS trotz einer möglichen Niederlage gefährlich bleibt und wie Deutschland sich einbringen kann.

WirtschaftsWoche: Die Schlacht um Mossul hat begonnen. Geht es hier um Tage oder Wochen?
Stefan Bierling: Etwa 80.000 Soldaten, die zu den Koalitionsstreitkräften gehören, wollen Mossul befreien. Ihnen stehen rund 5000 IS-Kämpfer gegenüber, wobei es hier widersprüchliche Angaben gibt, wie viele es wirklich sind. Sollten sie erheblichen Widerstand leisten, dürfte die Schlacht Wochen dauern.

Droht ein blutiger Häuserkampf?
Möglicherweise. Wir wissen nicht, welche Strategie der IS verfolgt. Von Mossul aus hatte IS-Chef al-Baghdadi vor zwei Jahren das Kalifat ausgerufen. Wenn der IS Mossul jetzt widerstandslos aufgeben würde, wäre das eine große Propaganda-Niederlage.

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Sollte der IS aus Mossul vertrieben werden – war es das dann mit der Terrororganisation insgesamt im Irak?
Falludscha und Ramadi haben sie bereits verloren, Mossul wäre ihre größte Niederlage. Sie hätten dann nur noch wenige Rückzugsorte. Komplett ausgeschaltet wäre der IS aber nicht. Die Grenze zu Syrien ist porös. Dort gibt es kaum noch staatliche Strukturen. Von Syrien aus kann der IS also weiterhin Anschläge im Irak durchführen – wie zuletzt in Bagdad.

Zur Person

  • Stefan Bierling

    Stefan Bierling ist Professor für Internationale Politik und transatlantische Beziehungen an der Universität Regensburg. 2010 veröffentlichte er das Buch „Geschichte des Irakkriegs“.

Aber das Kalifat wäre in sich zusammengestürzt.
In der Tat. Das Kalifat war der Unique Selling Point, womit der IS viele ausländische Kämpfer mobilisieren konnte. Es wäre eine große militärische und eine propagandistische Niederlage. Aber was heißt das? Möglicherweise setzt der IS dann darauf, im Westen zuzuschlagen oder in Hauptstädten von schiitischen Staaten. Der Islamische Staat wird nicht einfach aufgeben – und wenn wird es sehr lange dauern.

Vor zwei Jahren feierte der Islamische Staat einen Sieg nach dem nächsten. Was hat sich geändert?
Damals übernahmen einige tausend IS-Kämpfer Mossul. Das war eine brutale, schnelle und konzertierte Aktion. Die zahlenmäßig überlegene irakische Armee ließ alles stehen und liegen und rannte davon. Der IS bekam moderne Waffen in die Hand und gigantische Dollar-Bestände aus der Zentralbank. So konnte sich die Organisation zunächst festsetzen und den Nimbus der Unbesiegbarkeit errichten.

Stunde des Sieges gegen den IS? In Mossul droht eine lange Schlacht

Vom Ausgang der Schlacht um die IS-Hochburg Mossul hängt viel ab. Die Stadt ist die letzte Bastion der Extremisten im Irak und auch symbolisch wichtig. Deswegen ist mit starkem Widerstand zu rechnen.

Mossul: Offensive zur Befreiung der IS-Hochburg eingeläutet Quelle: dpa

Ein Trugschluss?
Jedenfalls war der Abnutzungskrieg gegen den IS erfolgreich. Und der Islamische Staat hat die Unterstützung der Menschen verloren. Denn dort, wo der IS an die Macht kam, sind eben nicht die goldenen Zeiten ausgebrochen. Auch für die Sunniten, die den IS zu Beginn unterstützt haben, ist es deutlich schlimmer geworden. Die Islamisten haben beispielsweise ein Rauchverbot verhängt. Das kam bei den historisch eher laizistisch geprägten Irakern nicht gut an.

Kann der Irak wieder ein funktionierender Staat werden?

Wenn überhaupt nur auf lange Sicht. Premierminister al-Abadi versucht auf Druck der USA, die Sunniten stärker einzubinden. Sein Vorgänger hatte sie noch systematisch ausgegrenzt – aus der Regierung, Polizei, Armee, dem gesamten öffentlichen Leben. Nur deswegen hatte der IS überhaupt erst Erfolg. Die Sunniten machen etwa 20 Prozent des Irak aus. Sie glaubten, dass sie es beim Islamischen Staat besser haben würden als unter einem schiitischen Premier mit seinen absoluten Machtansprüchen. Und deswegen hatten sie den IS zu Beginn unterstützt.

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