Militärregierung: Thailand jubelt den Putschisten zu

Militärregierung: Thailand jubelt den Putschisten zu

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Thailands Bevölkerung hofft, dass die Armee nun endlich die ersehnte Ruhe ins Land bringt.

Die Militärjunta verspricht, die angeschlagene Wirtschaft ihres Landes wiederzubeleben. Die Bürger sind optimistisch, doch die Herausforderungen sind groß.

Die Männer tragen Maschinengewehre, aber sie haben einen ungewöhnlichen Auftrag: Sie sollen bei den Thailändern Glück verbreiten. Mit schwer bewaffneten Soldaten ein Handyfoto zu schießen ist eine beliebte Attraktion auf den Volksfesten der Militärjunta. Unter dem Motto „Return to Happiness“ finden diese im ganzen Land statt. Auf der Festbühne geben Uniformierte ein Trommelkonzert. Wie die Stars einer Boyband sammeln die jungen Soldaten im Publikum Rosen und Küsschen ein.

Uneingeschränkte Rechte

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Die PR-Strategie scheint aufzugehen: Das Volk jubelt den Putschisten zu, die Ende Mai die Macht übernommen und sich mit einer neuen Verfassung beinahe uneingeschränkte Rechte gesichert haben. „Ich freue mich über die Militärregierung“, sagt die Bankangestellte Suphawadee Sukon, eine Besucherin bei einem der Feste im Norden Bangkoks. „Die Kämpfe zwischen Regierung und Opposition haben dank der Armee endlich aufgehört.“ Auch bei Unternehmern in der thailändischen Hauptstadt ist diese Meinung weit verbreitet. Die Wirtschaft, zermürbt von den monatelangen Straßenkämpfen, erhofft sich vom Militär endlich Ruhe fürs Geschäft.

Bruttoinlandsprodukt von Thailand (Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent)

Bruttoinlandsprodukt von Thailand (Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent)

Die Konjunktur ist eingebrochen. Thailands Zentralbank musste ihre Wachstumsprognose für 2014 mehrmals nach unten korrigieren. Die Probleme bekommt auch Denis Reul zu spüren. Er steht im ersten Stock seines Werks im Industriepark in Rayong und blickt durch ein Fenster in die Fabrikhalle des oberfränkischen Automobilzulieferers Brose, der hier ein Joint Venture mit dem malaysischen Partner Delloyd betreibt. In der vorderen Hälfte arbeiten die Angestellten an Fensterhebern und Türmodulen für Kunden wie Ford und Daimler. Hinten ist alles leer. „Raum für Wachstum“, sagt der Werksleiter. Ursprünglich rechnete Reul für 2014 mit einem Umsatz von 14,8 Millionen Euro. Jetzt geht er von bis zu 15 Prozent weniger aus: „Besonders in Bangkok waren die Kunden während der Krise nicht mehr bereit, in neue Autos zu investieren.“

Armeechef Prayuth Chan-ocha, der Thailands Junta führt und sich wohl bald zum neuen Premierminister küren lässt, verspricht die Kehrtwende. Wirtschaftswachstum erklärte er zu einem vorrangigen Ziel, die Korruption will er bekämpfen und die Infrastruktur ausbauen. Milliardenschwere Projekte hat Prayuth schon auf den Weg gebracht – unter anderem eine Hochgeschwindigkeitstrasse für den Zugverkehr nach China. Auch die lange Zeit ausgebliebene Auszahlung von Subventionen an Reisbauern soll die Konjunktur antreiben. Weitere Reformen soll ein vom Militär kontrolliertes Übergangsparlament ab Mitte August vorantreiben.

Demokratisch legitimiert sind die Beschlüsse nicht. Aber dass sich der politische Apparat überhaupt wieder bewegt, kommt bei der Wirtschaft gut an. „Fast jede Richtung ist besser als Stillstand“, sagt Frank Krings, Thailand-Chef der Deutschen Bank.

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Kritik ist von ausländischen Managern derzeit ohnehin nicht zu erwarten – nicht nur weil die Generäle aus ihrer Sicht unbotmäßige Äußerungen mit harten Strafen belegt haben. Auch ausländische Firmen können wegen Kleinigkeiten große Probleme bekommen. So teilte das norwegische Unternehmen Telenor, dem ein wesentlicher Teil des lokalen Mobilfunkbetreibers DTAC gehört, kurz nach dem Putsch in Thailand mit, es habe Facebook auf Anweisung der Behörden blockiert. Die aber sprachen von einer technischen Panne. Thailands oberster Telekomregulierer bezeichnete die abweichende Äußerung als „unangemessen und respektlos“. Telenor musste sich bei der Junta entschuldigen.

Tiefer Riss

Viele in Thailand fragen sich jedoch, wie lange die verordnete Ruhe auf Bangkoks Straßen anhalten wird. Zwölf Mal hat sich das Militär in Thailands jüngerer Geschichte an die Macht geputscht. Die Ökonomin Pavida Pananond von der Thammasat Business School spricht aus Erfahrung: „Wir wissen, dass eine Militärregierung keine politische Stabilität bringt.“ Der tiefe Riss in der Gesellschaft ist nicht gekittet, lediglich überdeckt.

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