Modi bei Merkel: „Wir sind füreinander gemacht“

Modi bei Merkel: „Wir sind füreinander gemacht“

, aktualisiert 30. Mai 2017, 13:34 Uhr
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der indische Premierminister Narendra Modi verstehen sich gut.

von Torsten RieckeQuelle:Handelsblatt Online

Deutschland und Indien wollen enger zusammenrücken. Doch im Geschäftsleben gibt es noch immer viele Hindernisse, die den Unternehmen das Leben schwer machen.

BerlinNach dem enttäuschenden Treffen mit US-Präsident Trump am Wochenende war Angela Merkel sichtlich erleichtert, endlich wieder konstruktive Gespräche zu führen. Ihr Gast, der indische Premierminister Narenda Modi, kam da wie gerufen: „Wir sind füreinander gemacht“, sagte der 66-jährige Inder auf der Pressekonferenz mit der Kanzlerin in Berlin. Anlass für seinen Besuch waren die vierten deutsch-indischen Regierungskonsultationen.

Tatsächlich bieten die Wirtschaftsbeziehungen zum indischen Subkontinent genau das, wovon Merkel den US-Präsidenten nicht überzeugen konnte: eine Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren. „Wir wollen ein fairer Partner für Indien sein und die wirtschaftlichen Beziehungen weiter vertiefen“, sagte die Kanzlerin. Projekte dafür gibt es mehr als genug. „Wir haben 800 Millionen Jugendliche, die brauchen eine Berufsausbildung“, sagte Modi. Merkel konnte stolz auf das duale Ausbildungssystem verweisen, das inzwischen weltweit zu einem Exportschlager geworden ist. Aber auch in der Ausbildung der Manager will man enger zusammenarbeiten. „Die deutsche Industrie spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung Indiens“, betonte Modi und verwies auf das deutsche Knowhow im Maschinenbau, in der Verkehrstechnik und in der Informationstechnologie. Besonders den deutschen Mittelstand möchte er nach Indien locken. Der Premier will mehr als 100 sogenannte „Smart Cities“ bauen, um seinen fast 1,3 Milliarden Mitbürgern eine urbane Zukunft zu ermöglichen. Dazu brauchen die Inder Abfall- und Wassertechnologien – Gebiete, auf denen die deutschen Unternehmen zur Weltspitze zählen.

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Auch finanziell will die Bundesregierung den Indern unter die Arme greifen. „Wir stellen rund eine Milliarde Euro für die Entwicklungszusammenarbeit bereit“, kündigte Merkel an. Sie lobte Indien für sein Engagement im Umwelt- und Klimaschutz. „Das Pariser Klimaschutzabkommen wird von Indien engagiert unterstützt und wir helfen den Indern dabei“, sagte die Kanzlerin. Ein deutlicher Unterschied zum Amerikaner Trump, der sich auf dem G7-Gipfel nicht zu einer Zusage zum Pariser Abkommen durchringen konnte.

Viele deutsche Unternehmen, die in Indien tätig sind, werden die ambitionierten Pläne mit einer Mischung aus Freude und Skepsis zur Kenntnis genommen haben. „Die Umsetzung der Vorhaben ist das große Problem in Indien“, sagte Daniel Neff, Asien-Forscher am GIGA-Institut in Hamburg, dem TV-Sender Phoenix. Eine Meinung, die von der Wirtschaft geteilt wird: „Mit Blick auf Zölle und weitere Handelshemmnisse muss Indien sich stärker öffnen, damit unsere Unternehmen ihr Engagement im Land ausbauen“, sagte Hubert Lienhard, Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Hinzu kommen bürokratische Hürden und ein Rechtssystem, dessen Mühlen sehr langsam mahlen. Ein schneller Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen Indien und der EU könnte ausländischen Unternehmen das Leben in Indien erleichtern. „Das wäre ein wichtiges Signal an deutsche Investoren“, betonte Lienhard.

Wie weit Indien noch von den Zielen entfernt ist, die Modi seinem Land gesetzt hat, zeigt ein Index der Weltbank. Bei der Frage, wie unternehmensfreundlich das Land ist, landet Indien auf Platz 130. Der Premier möchte aber unter die Top 50 kommen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Zum Abschluss gab es dann noch einen Satz ganz nach Merkels Geschmack: „Wir sind alle miteinander verbunden“, sagte Modi. „Demokratie und Vielfalt – das sind die Pfeiler, auf denen eine regelbasierte Weltordnung wirklich beruht. Es ist wichtig, dass wir diese Regeln auch wirklich einhalten.“ Das hätte die Kanzlerin auch gerne von Donald Trump gehört.

Quelle:  Handelsblatt Online
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