Möglicher Militärschlag: Gleichgewicht des Schreckens zwischen Iran und USA

KommentarMöglicher Militärschlag: Gleichgewicht des Schreckens zwischen Iran und USA

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Autobahn in der iranischen Hauptstadt Teheran

Erlauben die USA Israel einen Militärschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen? Erst einmal bestimmt nicht – aber es kann nichts schaden, wenn Ahmadinedschad und seine Leute es mit der Angst zu tun bekommen.

Sehr viel klarer ging es nicht. „Wir haben den Israelis direkt gesagt“, so Barack Obama heute in Moskau vor laufender Fernsehkamera, “dass es wichtig ist, eine Lösung dafür in einem internationalen Rahmen in einer Weise zu suchen, die keinen größeren Konflikt im Nahen Osten schafft.” Israel plant, wie es jetzt immer wieder heißt, einen militärischen Schlag gegen das Atomprogramm des Iran? Bomben auf die Nuklearanlagen in Natanz und Isfahan, weil der Machthaber Ahmadinedschad den Staat der Juden von der Landkarte verschwinden lassen will?

Amerika sagt nein, aber das ist für die Israelis nichts Neues. Ihr - rechter - Ministerpräsident Netanjahu war vor knapp zwei Monaten zum Antrittsbesuch beim - linken - Präsidenten in Washington und bekam genau das Gleiche gesagt. Eingehüllt in die schöne Formulierung, Amerikas Geduld mit Teheran sei nicht unbegrenzt. Wenn bis Ende dieses Jahres nichts bei den amerikanischen Annäherungsversuchen an den Iran herauskomme, seien harte Maßnahmen gegen Teheran fällig: härtere Sanktionen, vielleicht sogar Krieg.

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Das heißt aber: Mindestens ein halbes Jahr noch setzt Washington auf Diplomatie. Und duldet da keine Störung durch den schwierigen Verbündeten in Jerusalem.

Daran haben Präsidentenwahl und Volksaufstand im Iran wenig geändert.Außer dass die Amerikaner jetzt sicher sind, ohne die Androhung einer härteren Gangart gegenüber dem Iran nichts erreichen zu können. Das hat nebenbei auch den Effekt, dass halbwegs vernünftige Unternehmen aus aller Welt sich weiter drei Mal überlegen, ob sie im Iran langfristig angelegte Geschäfte machen sollen. Darum durfte Vizepräsident Joe Biden am Sonntag in einem Fernsehinterview sein bekanntermaßen loses Mundwerk spielen lassen: „Israel ist ein souveräner Staat und kann alleine entscheiden, was in seinem Interesse ist und was sie gegenüber dem Iran tun wollen.“

Klang wie grünes Licht aus Washington für einen israelischen Angriff, sollte auch so klingen für die Mullahs, damit die wissen, was ihnen blühen kann. Für die Israelis dagegen hat sich nichts geändert. Die wissen, dass der Außenpolitiker Biden seit Jahren für einen sanften Kurs gegenüber Teheran plädiert. Die wissen auch, dass US-Generalstabschef Mike Mullen gerade erst gesagt hat, ein israelischer Angriff auf den Iran wäre genauso katastrophal wie eine iranische Atombombe. Und dass Obama noch weniger als sein Vorgänger George W. Bush bereit wäre, israelischen Kampfflugzeugen die für einen entsprechenden Angriff nötigen Überflugrechte über den Irak zu erteilen.

Wie hatte Biden in seinem Interview so schön gesagt? „Israel hat das Recht zu entscheiden, was in seinem Interesse liegt, und wir haben dieses Recht auch und werden es ausüben.“ Und zu diesem Recht gehört natürlich auch, der iranischen Seite ein bisschen Angst einzujagen und die Israelis gleichzeitig im Zaum zu halten. Die haben natürlich auch Angst: das Volk vor der iranischen Bombe, die Regierung vor dem wachsenden Druck Washingtons gegen die Siedlungspolitik. Obamas sanfte Nahostpolitik schafft fürs erste ein kurioses Gleichgewicht des Schreckens.

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