
HB DÜSSELDORF. Das US-Magazin "Newsweek" hat sich für seinen Bericht über angebliche Koran-Schändungen durch US-Soldaten im Gefangenenlager Guantanamo entschuldigt. Die Redaktion habe ihre Informationen noch einmal überprüft, schreibt Herausgeber Mark Withaker in der neuesten Ausgabe nach einem Bericht der Tagesschau. Möglicherweise sei der Bericht falsch. Der Artikel hatte zum Teil gewaltsame Proteste in mehreren islamischen Ländern ausgelöst. Dabei kamen in Afghanistan mindestens 16 Menschen ums Leben. Die USA sicherten bereits zu, den Bericht über eine Koran-Entweihung zu prüfen. "Respektlose Taten gegen den Heiligen Koran verabscheuen wir alle", hatte Außenministerin Condoleezza Rice gesagt.
Der "hohe US-Beamte", der dem Magazin gesagt hatte, er habe Einzelheiten über die Koran-Schändung in einem demnächst erscheinenden Untersuchungsbericht des US-Militärs gesehen, habe nun gesagt, er sei sich nicht mehr sicher, so Withaker weiter. "Newsweek" hatte berichtet, der Koran sei in Guantanamo auf Toiletten ausgelegt und in mindestens einem Fall auch hinuntergespült worden. Karsai forderte Überprüfung.
Afghanistans Präsident Hamid Karsai hatte daraufhin die USA aufgefordert, die Berichte über Koran-Schändungen zu prüfen. "Wenn bewiesen wird, dass dies passiert ist, dann werden wir die amerikanische Regierung dringlich bitten, denjenigen, der der Übeltäter ist, vor Gericht zu bringen und zu bestrafen", sagte Karsai.
Unterdessen hat eine Gruppe afghanischer Moslem-Geistlicher hat den USA im Zusammenhang mit der Koran-Affäre mit einem Heiligen Krieg gedroht. Die Geistlichen in der Nordwestprovinz Badachschan setzten den USA am Sonntag eine Frist von drei Tagen, die Verantwortlichen für Koran-Entweihungen auf dem US-Stützpunkt Guantanamo in Kuba an ein moslemisches Land auszuliefern. "Falls dies nicht geschieht, werden wir einen Heiligen Krieg gegen Amerika ausrufen", drohten die rund 300 Geistlichen in der Provinzhauptstadt Faisabad.
Die Erklärung der Geistlichen wurde in Faisabad von dem höchsten Justizbeamten der Provinz Badachschan verlesen, die an China und Tadschikistan grenzt. Auch in der afghanischen Provinz Kundus verlangte eine Gruppe von Geistlichen die Bestrafung der mutmaßlichen Koran-Schänder, ohne indes mit einem Heiligen Krieg zu drohen. Moslemische Geistliche fungieren in der afghanischen Gesellschaft traditionell als Lehrer und Führungskräfte. In der Vergangenheit kam es auf ihre Initiative hin gar zu Aufständen gegen unpopuläre Herrscher und ausländische Besatzungsmächte.
Auch in anderen Länder kam es zu Protesten. So hat das mehrheitlich moslemische Malaysia hat mit Empörung auf Berichte über eine Entweihung des Koran durch die USA reagiert. "Wir sind angesichts des Vorfalls betrübt, da er Moslems erniedrigt", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Bernama Ministerpräsident Abdullah Ahmed Badaui am späten Samstagabend. Berichte über eine Koran-Entweihung auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay in Kuba hätten viele moslemische Nationen wütend gemacht, sagte Abdullah. Als Grund für die Angreifbarkeit der moslemischen Länder nannte er deren wirtschaftliche Schwäche. "Wenn wir nicht schwach sind, wenn wir progressiv und stark sind, kann uns niemand belästigen", sagte er.
Malaysia führt die 57 Mitglieder umfassende Organisation der Islamischen Konferenz an. Vergangene Woche erklärte Abdullah, in moslemischen Ländern befänden sich zwar rund 70 Prozent der weltweiten Ölvorräte. Fast die Hälfte der 57 Mitgliedsländer seien von den Vereinten Nationen (UN) aber als die am wenigsten entwickelten Länder eingestuft.











