Myanmar: Der General als Drogendealer

Myanmar: Der General als Drogendealer

, aktualisiert 23. Juli 2016, 11:19 Uhr
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Eigentlich will die Regierung von Myanmar scharf gegen Drogen vorgehen. Doch das Militär unterstützt Milizen – und lässt so den Handel wieder aufblühen.

Quelle:Handelsblatt Online

Ein Viertel der weltweiten Anbaufläche für Mohn liegt in Myanmar. Die Regierung will den Drogenanbau bekämpfen. Doch die Nutznießer des Drogenhandels sind nicht einverstanden.

RangunSie tragen gelbe Helme und Halstücher, und sie sind mit Messern und Sicheln unterwegs: Wie eine Armee von Freiwilligen ziehen tausende Aktivisten der christlich beseelten Organisation Pat Jasan in der Kachin-Region in Myanmar an der Grenze zu China über die Felder und zerstören Mohnpflanzen. Im Februar kam es fast zu Gewalt: Die Bauern wehrten sich, blockierten Straßen und tagelang standen sich die Fronten gegenüber. Die Bauern bangen zwar um ihre kärglichen Einkommen, aber die wahren Nutznießer des Drogengeschäfts sind andere. Vor allem das Militär, das das Land bis 2011 Jahrzehnte lang drangsaliert hat, sagen Experten.

„Die kleinen Bauern, die können doch selbst gar nicht die Maschinen beschaffen, die für das Beackern so großer Felder nötig sind“, sagt Friedensaktivistin Khun Ja der Deutschen Presse-Agentur. Sie kümmert sich in der von Kämpfen zwischen Separatisten und Armee gebeutelten Kachin-Region an der Grenze zu China seit Jahren um Vertriebene. „Dahinter stecken chinesische Geschäftsleute und Milizen.“

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Die Mohn-Anbaufläche habe sich in Myanmar seit 2006 mehr als verdoppelt, sagt Patrick Meehan von der Universität für Orient- und Afrikastudien (SOAS) in London. Die Vereinten Nationen schätzen, das ein Viertel der weltweiten Anbaufläche in Myanmar liegt. Die einstige Militärdiktatur sei nach Afghanistan der zweitgrößte Heroinproduzent der Welt, heißt es in ihrem Drogenbericht 2015. Andere Geschäfte mit Rauschgift blühen auch: gerade stellte die Polizei 21 Millionen Methamphetamin-Pillen in der Kachin-Region sicher.

„Wir wissen, wer die Drahtzieher sind“, sagt ein ranghoher Offizier in der Polizeizentrale in der Hauptstadt Naypyidaw der dpa. „Das sind einflussreiche Geschäftsleute, und viele haben engste Verbindungen zu mächtigen Generälen. Es ist unmöglich, sie festzunehmen.“


Armee und Milizen haben einen Pakt

Dass bewaffnete Gruppen hinter den Drogendealern stehen, räumt auch Vize-Innenminister Aung Soe im Parlament ein. Aber er ist selbst Generalmajor. Er macht nur die Rebellenarmeen der Separatisten verantwortlich, nicht die eigene Armee.

Während der Gewaltherrschaft des Militärs haben sich in dem Vielvölkerstaat zwischen Indien und China tatsächlich zahlreiche Rebellengruppen durch Opiumanbau finanziert. „Früher war Opium die Währung der Rebellen“, sagt Ywad Serk, Vorsitzender der Friedensinitiative einer der größten Rebellenarmeen der ethnischen Shan. Seit dem Ende der Militärherrschaft 2011 haben aber viele Rebellen die Waffen niedergelegt. „Jetzt kontrollieren vor allem Milizen das Drogengeschäft“, sagt er.

Mit Milizen meinen die Myanmarer kleine örtliche Kampfverbände, die stets aufseiten der Armee die Separatisten auf Abstand gehalten haben. Sie wurden nie regulär bezahlt, aber die Armee habe sie mit „Business Opportunities“ geködert, meint Meehan. Das läuft dann so: Milizen dürfen Abgaben der Opium-Bauern eintreiben, Heroinraffinerien betreiben und vom schwunghaften Drogenhandel über die chinesische Grenze profitieren. Im Gegenzug schaut die Armee weg, wenn sie mal wieder ein Drogenvernichtungsprogramm umsetzen soll. Dass Armee-Kommandeure auch mitkassieren, gilt als Binsenweisheit.

Die Armee schlage damit zwei Fliegen mit einer Klappe: „Die Milizen erlauben es der Armee, die Beteiligung am Drogengeschäft abzustreiten, und gleichzeitig verhindert die Armee, dass das Geschäft wieder in die Hände von Separatisten fällt, die dann womöglich für einen neuen Guerillakampf erstarken“, meint Meehan.

Die im April angetretene erste echte zivile Regierung seit mehr als 50 Jahren hat den Anti-Drogenkampf zu ihrer höchsten Priorität erklärt. Im Mai startete sie ein 100-Tage-Programm der Ausrottung. „Drogen bedrohen unser Volk, vor allem die jungen Leute“, sagt U Zaw Htay, stellvertretender Direktor des Präsidentenbüros. „Der Kampf gegen die Drogen wird kaum viel Erfolg haben, wenn die Beteiligten nicht in der Lage oder nicht gewillt sind, die Verstrickungen (der weiterhin mächtigen Armee) anzugehen“, meint Meehan.

Quelle:  Handelsblatt Online
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