Nach Atomtest: Südkorea simuliert Angriff auf Nordkoreas Atomzentrum

Nach Atomtest: Südkorea simuliert Angriff auf Nordkoreas Atomzentrum

, aktualisiert 04. September 2017, 14:19 Uhr
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Das abgeschottete Land soll über eine Wasserstoffbombe verfügen, die von Interkontinentalraketen ins Ziel gebracht werden kann.

Quelle:Handelsblatt Online

Während Südkorea den Nachbarn im Norden mit militärischer Stärke einschüchtern will, steigt gleichzeitig der Druck auf China. Kann die Volksrepublik das abgeschottete Nordkorea nach dessen Atomtest zur Räson bringen?

SeoulNach dem nordkoreanischen Atomtest hat Südkorea einen Angriff auf die wichtigste Testanlage Nordkoreas simuliert. Das südkoreanische Militär habe bei einer Gefechtsübung am Montag Raketen auf ein Ziel im Meer vor der Ostküste Südkoreas abgefeuert, teilte der Generalstab in Seoul mit. Das Manöver, bei dem das Ziel „exakt“ getroffen worden sei, sei als klare Warnung an Pjöngjang zu verstehen. Vor einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats richtete sich das Hauptaugenmerk der internationalen Diplomatie auf China, dem Haupthandelspartner Nordkoreas.

Erstmals seit September 2016 hatte Nordkorea am Sonntag einen Nuklearwaffentest vorgenommen. Es war der sechste und bisher stärkste Test, wie die vorherigen löste er weltweit Sorge und Empörung aus. Die USA drohten mit einer massiven militärischen Reaktion. US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, sein Land ziele zwar nicht auf „die vollständige Vernichtung“ Nordkoreas ab, habe aber „viele Optionen, um das zu tun“.

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Das nordkoreanische Staatsfernsehen meldete, das Militär habe eine Wasserstoffbombe von „noch nie da gewesener“ Kraft erfolgreich gezündet. Nach Einschätzung der japanischen Regierung hatte die Bombe eine Sprengkraft von bis zu 70 Kilotonnen, das südkoreanische Verteidigungsministerium sprach von 50 Kilotonnen. Das ist ein Vielfaches der Sprengkraft der Atombombe von Hiroshima.

Das Verteidigungsministerium in Seoul gab am Montag bekannt, dass es so erscheine, als ob Nordkorea einen weiteren Raketenstart plane. Dabei könnte es sich möglicherweise um eine Interkontinentalrakete handeln, erklärte ein Ministeriumsvertreter. Details dazu nannte er nicht.

US-Präsident Donald Trump drohte auf Twitter, sein Land erwäge, jeglichen Handel mit Ländern einzustellen, die Geschäfte mit Nordkorea betrieben. Die Drohung richtete sich augenscheinlich in Richtung China, dem wichtigsten nordkoreanischen Handelspartner. Ein Stopp des Handels mit Peking wäre jedoch radikal: Die USA importieren Produkte im Wert von rund 40 Milliarden Dollar aus China - pro Monat.

Das chinesische Außenministerium wies die Drohgebärden zurück. Eine Situation, in der sich Peking einerseits darum bemühe, eine friedliche Lösung zu finden, und andererseits Ziel von Sanktionen sei, sei inakzeptabel und ungerecht, sagte Außenamtssprecher Geng Shuang.

Geng mahnte Nordkorea gleichzeitig zur Mäßigung. Gleiches tat Russlands stellvertretender Außenminister Sergej Rjabkow, der am Montag sagte: „Derjenige, der stärker und klüger ist, sollte Zurückhaltung zeigen.“

Auch Australien nahm China in dem Konflikt in die Pflicht. Peking müsse Pjöngjang nach dem Atomtest zur Vernunft bringen und seinen Einfluss auf das abgeschottete Land wahrnehmen, sagte Regierungschef Malcolm Turnbull am Montag in Canberra. Das Risiko eines Krieges auf der Koreanischen Halbinsel sei so hoch wie seit mehr als 60 Jahren nicht.

Südkorea und Japan wollten dagegen gemeinsam internationale Unterstützung für weitere Sanktionen gegen Nordkorea gewinnen. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe und Südkoreas Präsident Moon Jae In hätten telefonisch über ihr Vorgehen nach der Zündung einer Wasserstoffbombe durch Nordkorea beraten, berichtete der japanische Rundfunksender NHK. Abe habe am Sonntagabend auch mit Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen.

Sowohl diplomatische Versuche als auch Sanktionen haben Nordkorea bislang nicht von seinem seit Jahrzehnten laufenden Atomwaffenprogramm abbringen können. Trump hatte auf die Frage, ob ein Angriff auf Nordkorea nun eine Möglichkeit sei, am Sonntag in Washington gesagt: „Wir werden sehen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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