Nach dem Anschlag in Manchester: Höchste Terrorwarnstufe in Großbritannien

Nach dem Anschlag in Manchester: Höchste Terrorwarnstufe in Großbritannien

, aktualisiert 24. Mai 2017, 07:00 Uhr
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Die Polizei rief zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach dem Terroranschlag in Manchester kündigt Premierministerin Theresa May harte Konsequenzen an: Mehr Soldaten sollen in die Städte. Unterdessen werden mehr Informationen über den Attentäter bekannt.

ManchesterNach dem Anschlag in Manchester wird in Großbritannien die Terroralarmstufe auf das höchste Niveau, von „ernst“ auf „kritisch“, angehoben. Es werde vermutet, dass ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte, sagte May am Dienstagabend. Bewaffnete Soldaten würden damit verstärkt statt oder zusammen mit der Polizei in Städten eingesetzt, um in wesentlichen Bereichen zu patrouillieren und bei öffentlichen Veranstaltungen vor Ort zu sein - etwa bei Konzerten und Sportevents. Laut May ist das eine „angemessene und vernünftige Antwort“ auf den Anschlag.

Die örtliche Polizei rief die Bürger zu erhöhter Wachsamkeit auf. Verdächtige Beobachtungen sollten sofort gemeldet werden, erklärte Polizeichef Ian Pilling am Mittwochmorgen via Twitter.

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May sagte weiter, dass der mutmaßliche Attentäter Salman Abedi eventuell Teil eines größeren Netzwerks gewesen sei. Ermittler suchten im Laufe des Dienstags nach möglichen Komplizen des Selbstmordbombenattentäters. Die britische Polizei durchsuchte zwei Orte in Manchester und nahm einen 23-jährigen Mann fest. Abedi sei in Großbritannien geboren worden und aufgewachsen, sagte May.

Am Dienstagabend kamen Tausende Trauernde in Manchester zusammen, um bei einer Nachtwache den 22 Opfern des Anschlags vom Montagabend unmittelbar nach einem Popkonzert zu gedenken. Viele hielten Schilder mit Aufschriften wie „Ich liebe Manchester“ hoch und wollten damit Mut und Zuversicht demonstrieren.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte das Attentat für sich reklamiert, bei dem auch 59 Menschen verletzt wurden. Über den 22 Jahre alten Attentäter wurden indes immer weitere Informationen bekannt. Aus europäischen Sicherheitskreisen verlautete etwa, Abedi sei Brite libyscher Abstammung gewesen. Laut britischen Wählerverzeichnissen lebte er in einem Haus in einem Vorort von Manchester, in dem die Polizei am Dienstagnachmittag eine kontrollierte Explosion vornahm.

Bei den Nachbarn dort war Abedi zwar bekannt, doch niemand erklärte, ihn gut gekannt zu haben. Er sei groß und dünn gewesen und oft in traditioneller muslimischer Kleidung herumgelaufen. Ein Nachbar sagte, er habe gedacht, der junge Mann arbeite in einem Schnellimbiss, weil er regelmäßig spät nach Hause gekommen sei.

„Wir kämpfen damit, die verzogene und verdrehte Seele zu verstehen, die einen Raum voller junger Kinder nicht als einen Ort zum Wertschätzen, sondern als Gelegenheit für ein Blutbad betrachtet“, sagte Premierministerin May. Unter den Opfern des Anschlags war unter anderem ein achtjähriges Mädchen. Zwölf Kinder unter 16 Jahren gehörten nach Krankenhausangaben zu den Verletzten.

Es war der schwerste Anschlag in Großbritannien seit Juli 2005. Damals hatten vier Selbstmordattentäter 52 Londoner Pendler in U-Bahn-Zügen und einem Bus getötet.

Internationale Politiker wie US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verurteilten die Tat ebenso wie Queen Elizabeth II. und Musikstars wie Taylor Swift, Justin Bieber und Cher. Trump sagte, bei dem Anschlag hätten „böse Verlierer“ Jagd auf „unschuldige Kinder“ gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ mitteilen: „Es ist unbegreiflich, dass jemand ein fröhliches Popkonzert ausnutzt, um so vielen Menschen den Tod zu bringen oder ihnen schwere Verletzungen zuzufügen.“

Die britische Königin Elizabeth II. hielt am Dienstagnachmittag eine Schweigeminute zu Ehren der Opfer ab. Zu Grandes Konzert im Rahmen ihrer „Dangerous Woman Tour“ waren Tausende junge Musikfans in die Manchester Arena gekommen. Sie selbst blieb unverletzt und twitterte: „Aus tiefstem Herzen: Es tut mir so leid. Mir fehlen die Worte.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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