Nach dem Brexit: Wachstumsmaschine Asien

Nach dem Brexit: Wachstumsmaschine Asien

, aktualisiert 04. Juli 2016, 17:00 Uhr
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China und andere asiatische Länder hängen Europa und die USA beim Wachstum ab.

von Urs WälterlinQuelle:Handelsblatt Online

Asien wächst und wächst. Ohne die Region wären die Konjunkturaussichten nach dem Brexit düsterer, sagt Ökonom und Apec-Mitentwickler Peter Drysdale. Asien hat eine weitere wichtige Funktion für die Welt.

CanberraPeter Drysdale, der führende Wirtschaftswissenschaftler Australiens, hält sichtlich wenig vom britischen Brexit-Populisten Boris Johnson. „Es ist Wirtschaftsgeografie, Idiot!“, reagiert er auf dessen absurde Idee, Australien könne die Lücke füllen, die eine abgehalfterte EU reißen wird.

Der Wirtschaftsprofessor erinnert den strohhaarigen Politiker daran, dass „sich die Welt in den letzten 75 Jahren verändert hat“. Nur noch 1,2 Prozent aller britischen Exporte gingen in die ehemalige Kolonie, und nur 0,5 Prozent der britischen Importe kämen aus Australien. Nein, für Peter Drysdale, der auch den IWF berät, ist klar: nicht Australien sondern Asien ist die einzige Hoffnung, die Großbritannien und die globale Wirtschaft nach dem Brexit noch haben.

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Wie der bekannte Akademiker und Kommentator meint, sei der Austritt Großbritanniens aus der EU „ein weiterer Schlag für das Wachstum der Weltwirtschaft“. Und das zu einer Zeit, in der Industriestaaten versuchten, sich von der Finanzkrise zu erholen. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor, der das globale Wachstum belaste, sei Donald Trump, der womöglich nächster US-Präsident wird.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft seien jedenfalls düster. „Sie wären aber noch düsterer, wäre da nicht das Wachstum in Asien“, sagt Drysdale. Der Region – und ganz besonders China - käme in den kommenden Monaten und Jahren eine wichtige Rolle zu. Asien sei noch immer die „größte Maschine des Wachstums“ in der Weltwirtschaft und die letzte Verteidigung gegen die Probleme, „die Europa selber verursacht hat“. Gegenwärtig wachse Asien „mehr als doppelt so rasch wie der Rest der Weltwirtschaft“, so der Akademiker. Die Region habe Potenzial für ein Wachstum von 7 Prozent, „nicht wie 5 Prozent oder weniger, wie es im Moment aussieht“.


Bastion gegen ein gefährliches Virus

Im Gegensatz zu anderen Regionen spiele die britische Wirtschaft für Asien nur eine geringe Rolle. Daher dürfte ein wirtschaftlicher Niedergang in Großbritannien – der nach dem Brexit-Votum erwartet wird – wenig Folgen für die Region haben. Bei einzelnen Ländern wie Indien und Vietnam sei das Handelsvolumen mit Großbritannien zwar relativ groß, bei anderen asiatischen Staaten – etwa Südkorea – dagegen minimal.

Indien, Japan und auch Australien hätten zwar größere Investitionen in Großbritannien getätigt. Doch die meisten davon beträfen den europäischen Markt. „Solche direkten Kanäle für die Übertragung von Handels- und Investitionsschocks aus Großbritannien sind aber nicht das größte Problem“, meint Drysdale. „Eine viel größere Sorge ist, dass der Brexit in die Hände jener Kräfte spielt, die gegen freien Handel in Europa und im Rest der Welt sind“.

Asien sei nun gefordert, einen Gegenpol gegen eine derartige „Stagnationsmentalität“ zu bilden. Denn schließlich sei die Region nach wie vor die „größte Wachstumsmaschine der globalen Wirtschaft“. Peter Drysdale ist einer der intellektuellen Architekten der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft Apec. In den 21 Staaten der Gemeinschaft lebt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung.

Der Ökonom, derzeit zu hochrangigen Gesprächen in China, glaubt allerdings nicht, dass Asien eine solche Rolle problemlos übernehmen kann. „Diese Herausforderung kommt vielleicht etwas zu früh“, meint er, „es braucht auf jeden Fall Ambition“. Politiker in allen asiatischen Ländern müssten den Willen für weitere Reformen zeigen, die „zur Verbesserung der Produktivität und Beschleunigung struktureller Veränderungen“ führten. Schließlich müsse Asien kollektiv artikulieren können, „welche Strategien die Region hat für ihre Rolle als globale Bastion gegen das Virus der Anti-Globalisierung“. Dieses „Virus“, so Drysdale, verbreite sich von der industrialisierten Welt aus.

Ziel sei ein solides, sich gegenseitig stärkendes Wachstumsumfeld in Asien. Viel Zeit habe die Region nicht. Am bevorstehenden G20-Gipfel komme dem Gastgeberland China diesbezüglich eine zentrale Rolle zu. „China, oftmals als wichtigsten Motor globalen Wachstums gesehen, könnte – wie in den neunziger Jahren – einmal mehr ein wichtiger Akteur werden wenn es darum geht, die Welt vor internationaler Instabilität zu schützen“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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