Nach dem Geiseldrama: Terror in Mali verschärft Debatte über Bundeswehr-Einsatz

Nach dem Geiseldrama: Terror in Mali verschärft Debatte über Bundeswehr-Einsatz

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Ein Polizist in Mali

Das blutige Geiseldrama mit 21 Toten in Malis Hauptstadt Bamako ist zu Ende. Noch nicht geklärt ist, wie Deutschland nun reagiert. Sollen Kampftruppen in den Krisenstaat geschickt werden?

Die Geiselnahme in einem Hotel mit 21 Toten in Mali heizt die Debatte über das künftige Bundeswehr-Engagement in dem westafrikanischen Krisenstaat weiter an. Die Bundesregierung zeigte sich am Wochenende bereit, die französischen Streitkräfte bei ihrem globalen Anti-Terror-Kampf stärker als bislang in Mali zu unterstützen. Nach dem Anschlag mutmaßlich islamistischer Terroristen auf das Luxushotel Radisson Blu in der Hauptstadt Bamako wurde ein zehntägiger Ausnahmezustand über das ganze Land verhängt. Die Fahndung nach möglichen Komplizen der Attentäter läuft weiter.

Wenn Frankreich Entlastung in Mali wolle, „dann werden wir sie natürlich auch dabei unterstützen“, sagte Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) der ARD am Samstag mit Blick auf den internationalen Militäreinsatz in Mali, an dem gut 200 deutsche Soldaten beteiligt sind. Er erwarte, dass die französische Regierung ihre Anforderungen in den nächsten Tagen konkretisieren werde.

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Nach der Geiselnahme in Mali Angreifer verschanzen sich im Hotel

In Mali hatten Angreifer in einem Touristenhotel 170 Menschen als Geiseln genommen. Die Geiselnahme ist nun beendet. Es gibt bislang 20 Tote – darunter sind offenbar keine Deutschen.

People run to flee from the Radisson Blu Hotel in Bamako, Mali, Friday, Nov. 20, 2015. The company that runs the Radisson Blu Hotel in Mali's capital says assailants have takenhostages in a brazen assault involving grenades. (AP Photo/Harouna Traore) Quelle: AP

In Berlin wird erwogen, den Bundeswehr-Einsatz auf den unruhigen Norden Malis auszuweiten. Der Obmann der Linksfraktion im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages positionierte sich skeptisch dazu: „Wir sind dagegen, dass die Bundesregierung Hunderte Soldaten zu einem Kampfeinsatz in den Norden Malis schickt“, sagte Stefan Liebich der „Berliner Zeitung“ (Samstag). Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte dem Fernsehsender Phoenix, er befürworte einen Militäreinsatz gegen Islamisten und eine Bundeswehrbeteiligung in Mali unter bestimmten Bedingungen.

Nach den Terroranschlägen von Paris hatte Frankreich am Dienstag als erstes EU-Land überhaupt offiziell um militärischen Beistand der übrigen Mitgliedstaaten gebeten. Im Gespräch ist unter anderem eine Entlastung der früheren Kolonialmacht in Mali, damit Paris seine Kapazitäten im Kampf gegen islamistischen Terror neu verteilen kann.

Wie instabil der Krisenstaat nach wie vor ist, zeigte der Angriff auf das bei Ausländern beliebte Radisson Blu. Bei der Geiselnahme und anschließenden Stürmung des Gebäudes seien 21 Menschen - einschließlich zweier Angreifer - getötet worden, sagte Präsident Ibrahim Boubacar Keïta am Samstag im nationalen Fernsehen. Die beiden Terroristen hätten wahrscheinlich nicht allein gehandelt, sagte ein Sprecher des Ministeriums für Innere Sicherheit der dpa.

Nicht mit Sicherheit bestätigen konnte das Ministerium Berichte, denen zufolge zwei mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Islamistengruppen für den Anschlag verantwortlich sein sollen. Frankreichs Regierung vermutet hinter dem Terrorangriff den einäugigen Al-Kaida-Veteranen Mokhtar Belmokhtar, der bereits vor Monaten von der libyschen Regierung für tot erklärt worden war und als Anführer des Terrornetzwerks im nördlichen Afrika gilt.

Politiker verurteilen Anschläge

Behörden aus verschiedenen Ländern bestätigten bis zum Sonntag den Tod von sechs Russen, drei Chinesen, zwei Belgiern und einer US-Bürgerin bei der Geiselnahme. Medienberichten zufolge soll auch ein Israeli unter den Opfern sein. Vier Deutsche, die sich ebenfalls in dem Hotel aufgehalten hatten, blieben unverletzt. Nach Angaben des malischen Justizministeriums konnten 105 Geiseln befreit werden und rund 40 Menschen unverletzt fliehen.

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In Zeiten des Terrors darf sich der Westen nicht abschotten. Im Gegenteil: Nur wenn wir den Nahen Osten wirtschaftlich und politisch integrieren, können wir gegen die Ideologie des IS gewinnen. Eine Kolumne.

Weltweit war die Anteilnahme mit den Opfern des Terroranschlags in Paris groß. Quelle: dpa

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Präsident Barack Obama verurteilten den Terroranschlag. Auch Papst Franziskus sprach den Verletzten und Angehörigen am Sonntag sein Mitgefühl aus. Er rief außerdem dazu auf, für seine am Mittwoch beginnende Reise in die afrikanischen Staaten Kenia, Uganda sowie in die Zentralafrikanische Republik „zu beten“. In Mali wurde für den Wochenbeginn eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Als Teil einer europäischen Ausbildungsmission halten sich nach Angaben des Einsatzführungskommandos aktuell 208 Bundeswehr-Kräfte im Süden Malis auf. Die Mission soll sicherstellen, dass die malischen Streitkräfte in Zukunft nicht mehr von Milizen, Separatisten oder islamistischen Terroristen überrannt werden.

Außerdem sind die Deutschen mit neun Soldaten am Stab der UN-Friedensmission Minusma in Bamako beteiligt. In Nordmali sollen Bundeswehr-Soldaten vom Frühjahr an Aufklärungsaufgaben von den Niederländern übernehmen. Inoffiziell ist von rund 700 Soldaten die Rede, die dort hingeschickt werden sollen. Mit welchen Waffen und Fahrzeugen sie ausgestattet werden, ist noch nicht endgültig geklärt.

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