Nach dem Orlando-Massaker: Angriff auf die Freiheit

Nach dem Orlando-Massaker: Angriff auf die Freiheit

, aktualisiert 14. Juni 2016, 06:56 Uhr
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Die Menschen haben auch in New York Angst 0 aber sie wollen sich nicht unterkriegen lassen.

von Thomas Jahn und Domenico SciurtiQuelle:Handelsblatt Online

Der Terroranschlag trifft die amerikanische Schwulen- und  Lesbenszene. Es kommen alte Ängste auf. Ein Streifzug durch New York, der Stadt, in der die Gleichberechtigungsbewegung ihren Anfang nahm.

New YorkBlumen und Kerzen liegen vor der Fassade des Stonewall Inn. Die Gaststätte in Manhattan ist ein symbolischer Ort für den Kampf um Gleichberechtigung für die Schwulen und Lesben in den USA. Etwa 500 Menschen trauerten dort am vergangenen Sonntagabend, wenige Stunden nach dem Anschlag in Orlando. Fassungslos, wütend. Auf Plakaten stehen Sätze wie „Liebe ist größer als Hass“ und „Stoppt den Hass“. „Eigentlich bin ich überrascht, dass so etwas nicht schon früher passiert ist“, sagt Glenn Zuraw, der auf dem Platz vor dem Stonewall Inn spontan eine Rede hielt. „Wir dürfen uns der Angst nicht geschlagen geben.“

Verunsicherung, Angst, Empörung – der Anschlag in Orlando wirft große Wellen in den USA. Mit 49 Toten ist es in dem  Land der schlimmste Terroranschlag seit dem 11. September 2001. Besonders getroffen fühlen sich homosexuelle Amerikaner. Der Attentäter mordete in einem Nachtklub für Schwule.

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Jahrzehntelang kämpften sie für mehr Freiheit und Gleichberechtigung. Der Anschlag weckt jetzt alte Ängste. Die schüren jetzt Rechtskonservative in den USA wie der texanische Vizegouverneur Dan Patrick. Der Politiker kämpft offen gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen. Wenige Stunden nach dem Anschlag schrieb er auf Twitter:  „Lass dich nicht täuschen: Gott kann nicht verspottet werden. Die Menschen ernten, was sie säen.“

Den Anschlag in Orlando führte Omar Mateen aus, amerikanischer Staatsbürger, der in New York geboren wurde. Seine Familie stammt aus Afghanistan. „Die Tat hat nichts mit Religion zu tun“, sagte sein Vater gegenüber NBC News. Eine Aussage, die sein Sohn mit seinem Bekenntnis zu der Terrorgruppe Islamischen Staat zunichtemachte. Aber Schwule haben den Attentäter anscheinend schon immer gereizt.

Mateen habe sich ein paar Monate zuvor laut seinem Vater wütend über zwei sich küssende Männer in Miami gezeigt. Besonders sauer habe ihn gemacht, dass sie sich vor seinem Sohn küssten.

New York ist für die LGTB-Szene eine zentrale Stadt. Die Bezeichnung steht für „Lesbian, Gay, Transgender, Bisexual“ oder „Lesbisch, Schwul, Transgender, Bisexuell“. In Big Apple brachen 1969 die „Stonewall Riots“, die Stonewall Unruhen, aus. Damals versuchte die Polizei mitten in der Nacht Besucher des Stonewall Inns zu verhaften. Beim Abführen kam es zu gewalttätigen Protesten.


Was Trump mit dem Hass auf Minderheiten zu tun hat

Nach Ansicht von Historikern ein entscheidender Momente für die Gleichberechtigungsbewegung. Noch heute feiern Schwule und Lesben den Tag mit dem Christopher Street Day  – benannt nach der Straße, auf dem das Stonewall Inn in Manhattan angesiedelt ist.

Heute stehen wieder überall auf dem Platz vor dem Lokal schwerbewaffnete Polizisten. Immer wieder spaziert ein Beamter in der Menge herum, mit kugelsicherer Weste und Maschinengewehr über der Schulter. „Wir sind für die Menschen da“, versichert der Polizist.

Owen und Fred sind gekommen, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. „Ja, irgendwie habe ich jetzt schon mehr Angst“, sagt Owen, der seinen Nachnamen nicht nennen will. Beim „Pride March“, dem March des Stolzes,  am 26. Juni werde er aber trotzdem teilnehmen. Zusammen mit seinem Freund Fred steht er vor dem Stonewall Inn, gemeinsam trauern sie um die Gemordeten in Orlando. „Vergangene Nacht haben wir noch getanzt…“, sagt Fred und beendet seinen Satz nicht. Er fährt sich mit der Handfläche über das Gesicht, als wolle er Müdigkeit wegstreifen.

„Zwei Worte“, platzt es aus Julie heraus, als Antwort auf die Frage, ob Amerika ein Problem mit Minderheiten hat. Wütend hält sie den Zeigefinger vor ihr Gesicht: „Donald Trump.“ Sie erklärt: „Er hasst dich. Er interessiert sich nicht für dich, nur für sich selbst.“ Die 33-Jährige ist gekommen, um ihrer Solidarität für die Homosexuellen-Gemeinde Ausdruck zu verleihen und mit ihren Freunden zu stehen.

Sie und ihre Freundin Laura sehen die Tat als „Hate Crime“, eine aus Hass begangene Tat, gezielt gegen Homosexuelle. Hass, der laut den beiden gerade in den vergangenen Monaten durch die Reden des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner stark zugenommen habe. „Ich brauche noch Zeit, um das Ganze zu verarbeiten“, sagt Laura. Sie schüttelt den Kopf: „Die gleichgeschlechtliche Ehe ist endlich legal“, sagt sie. „Aber welche Bedeutung hat das jetzt noch.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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