Nach der Geiselnahme in Mali : Angreifer verschanzen sich im Hotel

Nach der Geiselnahme in Mali : Angreifer verschanzen sich im Hotel

, aktualisiert 20. November 2015, 18:34 Uhr

In Mali hatten Angreifer in einem Touristenhotel 170 Menschen als Geiseln genommen. Die Geiselnahme ist nun beendet. Es gibt bislang 20 Tote – darunter sind offenbar keine Deutschen.

Bei dem mutmaßlich islamistischen Terrorangriff auf ein Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako hat es vermutlich keine deutschen Todesopfer gegeben. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Freitagabend während eines Besuchs in Sambia: „Nach allem, was wir wissen, sind unter den Toten keine Deutsche.“ Nach neuesten Angaben hielten sich zu Beginn der Geiselnahme vier Bundesbürger in dem Luxushotel „Radisson Blu“ auf. Steinmeier sagte, alle vier hätten das Hotel unversehrt verlassen können.

In den oberen Stockwerken des Hotels halten sich nach Angaben des malischen Sicherheitsministeriums immer noch islamistische Angreifer verschanzt. Zwei Angreifer sind Sicherheitskreisen zufolge getötet worden. Verletzte Zivilisten würden aus dem Hotel gebracht.

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Kurz zuvor hatte der malische Innenminister Salif Traoré verkündet, dass die Geiselnahme beendet sei. UN-Soldaten zählten 20 Tote im Hotel. Dies sei nur vorläufig, die Suche gehe weiter, sagt ein UN-Vertreter.
Zwei mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Gruppen haben sich laut Medien zu dem Anschlag auf ein Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako bekannt. Der arabische TV-Kanal Al-Dschasira meldete, er habe eine entsprechende Erklärung erhalten.

Auch die mauretanische Nachrichtenseite Al-Akhbar berichtete, verantwortlich seien die Terrorgruppen Al-Murabitun und Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM). In der Erklärung heißt es demnach, Bedingung für die Freilassung der Geiseln in einem Luxushotel sei die Befreiung von Glaubenskämpfern aus Gefängnissen in Bamako.

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Weltweit war die Anteilnahme mit den Opfern des Terroranschlags in Paris groß. Quelle: dpa

Anführer von Al-Murabitun war der Topterrorist Mokhtar Belmokhtar. Laut der libyschen Regierung soll er im Sommer bei einem US-Luftangriff getötet worden sein. Beweise dafür konnten die USA aber nicht vorlegen. Belmokhtar war in der Vergangenheit mehrfach für tot erklärt worden, tauchte jedoch immer wieder auf. Er steckt hinter zahlreichen Terrorakten und Geiselnahmen in Nordafrika und Mali.

Es wurden auch zwei Deutsche festgehalten, die aber nach einigen Stunden wieder freikamen. Dies teilte Außenminister Frank-Walter Steinmeier während einer Afrika-Reise in Sambia mit.

Zwei mutmaßlich islamistische Attentäter hatten ein Luxushotel überfallen. 140 von den 170 Geiseln seien Gäste. Zudem hielten die Angreifer auch 30 Angestellte des Radissons in ihrer Gewalt, teilte die Hotelgruppe Rezidor mit. Sicherheitskräfte hatten das Hotel gestürmt.

Das bedeuten die Anschläge in Paris für Deutschland

  • Was tun die deutschen Sicherheitsbehörden?

    Die Bundespolizei schickt verstärkt Einsatzkräfte an die Grenze zu Frankreich, intensiviert Streifen an Flughäfen und Bahnhöfen. Die Polizisten patrouillieren dort mit Schutzwesten und schweren Waffen. Verbindungen von und nach Frankreich werden besonders in den Blick genommen.

    Nach einem Anschlag in einem Nachbarland setzt sich bei Polizei und Geheimdiensten in Deutschland hinter den Kulissen automatisch eine Maschinerie in Gang: Die Behörden checken, ob es mögliche Verbindungen und Kontakte der Täter nach Deutschland gibt. Sie sprechen dazu mit den V-Leuten in der Islamisten-Szene, durchforsten Foren und Netzwerke im Internet. Und sie überwachen besonders die islamistischen „Gefährder“ - also jene, denen sie einen Terrorakt zutrauen. Aber auch Rechtsextremisten, die auf die Anschläge reagieren könnten, stehen unter besonderer Beobachtung.

  • Gibt es Verbindungen der Paris-Attentäter nach Deutschland?

    Belastbare Erkenntnisse dazu gab es zunächst nicht, aber einen ersten Verdacht: In Oberbayern wurde am Donnerstag vor einer Woche auf der Autobahn zwischen Salzburg und München ein Autofahrer angehalten und kontrolliert. Schleierfahnder der Polizei entdeckten im Kleinwagen des 51-Jährigen unter anderem mehrere Kalaschnikow-Gewehre, Handgranaten sowie 200 Gramm TNT-Sprengstoff. „Es gibt einen Bezug nach Frankreich, aber es steht nicht fest, ob es einen Bezug zu diesem Anschlag gibt“, sagt de Maizière. Auf dem Navigationsgerät des Mannes habe man eine Adresse in Paris gefunden. Ob das einen Zusammenhang zur Anschlagsserie bedeute, sei noch unklar. Der Verdächtige, der aus Montenegro stammt, sitzt in Untersuchungshaft.

  • Was bedeuten die Attacken für die Sicherheitslage in Deutschland?

    Als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris werden in Deutschland die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren. Es werde in den nächsten Tagen eine für die Bürger sichtlich erhöhte Polizeipräsenz geben, kündigte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Samstagabend (14. November) in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner Spezial“ an. „Die Polizei, die man sieht, wird auch etwas anders aussehen als bisher. Die Ausrüstung wird eine andere sein.“ Zugleich werde zusammen mit den Nachrichtendiensten die Beobachtung islamistischer Gefährder intensiviert.

  • Wie groß ist Gefahr, dass sich IS-Terroristen unter Flüchtlinge mischen und so nach Deutschland gelangen?

    Bislang gingen bei Polizei und Geheimdiensten etwa 100 Hinweise auf mögliche Terroristen ein, die auf diesem Weg ins Land gekommen sein sollen. Davon habe sich der Verdacht bisher aber in keinem einzigen Fall bestätigt, heißt es aus Sicherheitskreisen. „Aber man darf den IS nicht unterschätzen“, meint der Terrorexperte Rolf Tophoven. „Die Gefahr ist nicht auszuschließen. Unsere Sicherheitsbehörden können nicht jeden kontrollieren.“

    Nach Einschätzung von Fachleuten dürften Terroristen eher auf anderem Weg versuchen, nach Deutschland zu kommen - etwa mit gefälschten Papieren im Flieger. Polizei und Geheimdienste beobachten allerdings, dass Islamisten versuchen, junge Flüchtlinge, die schon in Deutschland sind, zu rekrutieren. Generell gilt aber: Attentäter müssen nicht unbedingt von außen ins Land gebracht werden. Es gibt viele Fanatiker, die sich im Inland radikalisiert haben.

  • Wie gefährlich ist die deutsche Islamisten-Szene?

    Mehr als 43.000 Menschen gehören insgesamt dazu. Die Szene ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei den Salafisten, einer besonders konservativen Strömung des Islam. Rund 7900 Salafisten gibt es inzwischen. Polizei und Geheimdienste stufen viele Islamisten als gefährlich ein: Etwa 1000 Menschen werden dem islamistisch-terroristischen Spektrum zugeordnet. Darunter sind 420 „Gefährder“.

    Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil viele radikalisiert und kampferprobt zurückkommen. Von den mehr als 750 Islamisten aus Deutschland, die bislang Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, ist ein Drittel wieder zurück - also rund 250 Leute. Etwa 70 davon haben Kampferfahrung gesammelt.

In Sicherheitskreisen heißt es, die Geiselnehmer hätten sich im siebten Stockwerk des Hotels verschanzt. Augenzeugen berichteten von schweren Feuergefechten im Hotel.

Die EU-Trainingsmission in Mali (EUTM) hatte den Behörden des Landes Hilfe angeboten. Drei Rettungshubschrauber sowie die Kapazitäten des rund 60 Kilometer entfernten Militärhospitals in Koulikoro stünden bereit, um Opfer der Anschläge zu versorgen, sagte am Freitag ein EUTM-Sprecher der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

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Europa steht unter Schock. Der Sicherheitsberater Florian Peil erklärt, welche Gefahr der "Islamische Staat" für Deutschland birgt und warum der Westen mit weiteren Anschlägen rechnen sollte. Quelle: AP

Nach Angaben eines Mitglieds des Hotel-Sicherheitsteams nutzten die Angreifer einen Wagen mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zum normalerweise sehr gut gesicherten Radisson zu erhalten. Medienberichten zufolge skandierten die Angreifer „Allahu Akbar“ (Gott ist am größten), was den Verdacht eines islamistischen Terroranschlags erhärtete. Es waren Schüsse zu hören. Sicherheitskräfte riegelten das Hotel weiträumig ab. Die US-Botschaft und andere westliche Vertretungen forderten ihre Staatsbürger in Bamako auf, in ihren Häusern zu blieben.

In Mali hatten Islamisten und separatistische Tuareg große Gebiete vor allem im Norden des Landes erobert, bevor sie mit Hilfe französischer Truppen wieder zurückgedrängt worden waren. Derzeit läuft ein internationaler Einsatz zur Ausbildung der malischen Streitkräfte, an dem auch die Bundeswehr beteiligt ist. Die Bundesregierung erwägt derzeit auch, den Einsatz der Bundeswehr auf den unruhigen Norden auszuweiten.

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