Nach Griechenland jetzt Irland: Die Schuldenkrise kehrt zurück

Nach Griechenland jetzt Irland: Die Schuldenkrise kehrt zurück

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von Silke Wettach

Die Spannungen in der Eurozone nehmen zu. Die Anleger befürchten, dass nach Griechenland nun auch Irland auf Nothilfe angewiesen sein könnte.

Ein halbes Jahr, nachdem die EU einen Nothilfefonds für überschuldete Mitgliedsstaaten der Eurozone geschaffen hat, wächst die Angst zu, dass Länder tatsächlich darauf zurückgreifen müssen. Kein Land habe einen Antrag auf Notfhilfe gestellt, wiegelte die EU-Kommission ab. Auch Irland nicht, dem Land, das derzeit ganz besonders im Visier der Anleger steht. Die Rendite der zehnjährigen irischen Staatsanleihen sind binnen einer Woche um einen Prozentpunkt auf fast neun Prozent in die Höhe geschossen, dem höchsten Niveau seit der Einführung des Euro.

Doch die Rendite der Staatsanleihen, die nicht nur in Irland, sondern auch in Portugal auf Rekordhöhe klettern, beweisen, wie nervös die Märkte sind. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat zur Unruhe noch beigetragen, indem er heute vom G20-Gipfel in Korea wissen ließ, dass die EU alle notwendigen Instrumente habe, um bei Bedarf zu handeln: „Falls es notwendig sein sollte, steht die EU bereit, Irland zu unterstützen.“

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Die Aussage hat die Spekulationen über Irland noch angeheizt, weil Barroso so klang, als ob Irland demnächst in Brüssel um Hilfe anklopfen werde. Nüchtern betrachtet ist das unwahrscheinlich. Nach jetzigem Stand haben die Iren ihre Staatssschulden bis Mitte 2011 finanziert. Deswegen trifft es sie vorerst auch nicht, wenn ihre Renditen steigen. Allerdings wollten die Iren im ersten Halbjahr 2011 an die Kapitalmärkte, um Geld für das zweite Halbjahr reinzuholen. Das könnte nun schwierig werden. „Es gibt keinen Grund, warum Irland im kommenden Jahr nicht in der Lage sein sollte, wieder an die Bondmärkte zurückzukehren“, betont der irische Notenbankchef Patrick Honohan. Allerdings weiß er, dass die aktuellen Spread Ausdruck eines tiefen Misstrauens der Anleger gegenüber Irland sind.  Er ist sich auch bewusst, dass Beschwichtigungen im Moment nicht weiter helfen. „Märkte brauchen Zeit, um wieder Vertrauen zu fassen“, sagt Honohan, „dazu braucht es mehr als beruhigende Worte von mir oder anderen.“

Größtes Haushaltsloch in der EU

In Irland wird das Haushaltsdefizit in diesem Jahr voraussichtlich 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Honohan hat eingestanden, dass es angesichts solcher Zahlen Jahre dauern wird, bis die irische Volkswirtschaft saniert ist. Kein anderes Land in der EU weist auch nur ein annähernd so großes Haushaltsloch auf. In Spanien liegt das Defizit nach der Kommissionsprognose bei 9,8 Prozent des BIP, in Griechenland bei 9,3 Prozent des BIP. Die Zahlen stammen aus dem Frühjahr, Ende November wird die Kommission ihre neue Prognose vorstellen

Die Nervosität an den Anleihemärkten belegt vor allem, dass die Euro-Zone eine glaubwürdige Lösung für ihr Schuldenproblem braucht. Beim EU-Gipfel vor zwei Wochen hatten sich die Staats- und Regierungschefs verständigt, einen Krisenmechanismus zu schaffen, bei dem private Gläubiger sich an den Kosten einer Staatsinsolvenz beteiligen müssten. Das soll dazu führen, dass Marktsignale wieder gehört werden, die bei einer automatischen Hilfsaktion ausgeschaltet würden. Die Angst vor einem Schuldenschnitt macht aber die Anleihemärkte nun kurzfristig erst einmal nervöser.

Neben Irland bereiten auch nach wie vor Portugal und Spanien den Anlegern Sorgen. Wie heute bekannt wurde, hat in Spanien das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal stagniert. Dies erschwert es der Regierung, das Haushaltsdefizit zurückzufahren. Die Spreads auf spanische Staatsanleihen erreichen bei weitem nicht die Größenordnungen wie in Irland. Spanien ist durch seine schiere Größe allerdings ein wichtiger Faktor. Spanien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, viereinhalb Mal größer als Griechenland etwa. Sollte Spanien in Zahlungsschwierigkeiten geraten, dann könnte der Europäische Hilfsfonds an seine Kapazitätsgrenzen geraten. Die EU-Kommission hatte bisher versichert, dass der Hilfsmechanismus, der einschließlich der Unterstützung des Internationalen Währungsfonds 750 Milliarden Euro beträgt, notfalls auch mehr als ein Land unterstützen könnte.

Die Staats- und Regierungschefs werden bei ihrem kommenden Gipfel am 16. und 17. Dezember über Details des Krisenmechanismus ab 2013 diskutieren. Die EU-Kommission will ihre Vorschläge für den Mechanismus, der den Schutzschirm ablösen soll, Anfang Dezember vorstellen.

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