Nach Katastrophe in Japan: Die Atomländer ignorieren die Angst

Nach Katastrophe in Japan: Die Atomländer ignorieren die Angst

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Kontaminierter Reaktorraum im Kernkraftwerk Three Mile Island in Middleton in Pennsylvania (USA), in dem es am 28. Maerz 1979 zu einem Kernschmelzunfall kam.

von Alexander Busch, Angela Hennersdorf, Thomas Stölzel, Matthias Kamp, Florian Willershausen, Gerhard Bläske und Yvonne Esterházy

Nach dem schweren Erdbeben und der dadurch ausgelösten Atomkatastrophe in Japan wendet sich Deutschland wohl endgültig von der Kernkraft ab. Während auch in anderen Staaten die Bedenken wachsen, bauen viele Politiker dort unbeirrt auf Atomstrom. Dass die Kraftwerke zum Teil marode sind und in Risikoregionen stehen, scheint dabei bewusst ignoriert zu werden. Unsere Korrespondenten haben in wenigen Sätzen zusammengefasst, wie es um die Atomenergiedebatte in anderen Ländern steht.

USA

Amerikas Bürger sind besorgt, sie decken sich vorsorglich mit Jodtabletten ein. Die USA betreiben mit 104 Meilern in 31 Bundesstaaten weltweit die meisten AKW. Viele liegen in erdbebengefährdeten Gebieten wie in Kalifornien an der Sankt-Andreas-Spalte. Trotzdem hält US-Präsident Barack Obama an seiner Atompolitik fest. Bis 2020 sollen zwischen vier und acht neue Meiler entstehen. Nukleare Energie bleibe „ein Teil der Gesamtenergiepläne“ von Präsident Obama, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Die politische Debatte ist verhalten. Zwar werden Stimmen laut, die sich gegen die Atomenergie wenden. So fordert etwa der einflussreiche Senator Joe Liebermann ein Moratorium für den Bau neuer Anlagen. Analysten warnen andererseits vor hohen Kosten, wenn die Sicherheit der US-Meiler überprüft werden müsse, von denen viele über 40 Jahre alt sind.

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Frankreich

Ein Berater von Staatspräsident Nicolas Sarkozy spricht von „einem Drama für Frankreich und seine Nuklearindustrie“. Die hat Milliarden investiert, um neue Atomanlagen in den USA, Großbritannien, Italien, Indien, China, aber auch in politisch und geologisch instabilen Ländern wie Südafrika, Vietnam oder Ägypten zu bauen. Sarkozy hält an seiner Pro-Atom-Strategie fest. Nur die Grünen im Lande halten dagegen.

Großbritannien

Auf der Insel sind derzeit 10 Kernkraftwerke in Betrieb, das älteste ging  vor 44 Jahren ans Netz, soll Mitte 2011 abgeschaltet werden. In den nächsten 15 Jahren ist der Bau von acht neuen Anlagen geplant - doch bisher wurde keine einzige Baugenehmigung erteilt. Als Reaktion auf das Fukushima-Unglück gab Energieminister Chris Huhne bisher nur einen Bericht in Auftrag, der  Lehren auflisten soll, gezogen werden sollten. Kernkraftwerke wurden in Großbritannien bisher nicht abgeschaltet. Die Debatte, um die Risiken der Atomkraft kommt hier erst langsam in Fahrt, wird aber längst nicht so emotional geführt wie in Deutschland.

Russland

Russland zählt zu den weltweit führenden Liefernten schlüsselfertiger Atomkraftwerke - und diese Position will Regierungschef Wladimir Putin weiter ausbauen. Die Atompläne werde man unbeirrt weiter verfolgen, sagte Putin nach der Katastrophe. Und zwar sowohl im Inland, als auch im Ausland. Jenseits der russischen Grenzen baut Atommonopolist Rosatom aktuell fünf neue Meiler, bei gut einem Dutzend Ausschreibungen für weitere Neubauprojekte ist der Konzern beteiligt. Im Inland werden schrittweise alte Sowjet-Anlagen durch neue Reaktoren ersetzt. Darunter ist ein sogenannter Schneller Brüter am Ural. Er gilt als gefährlichster Reaktortyp.

Indien

Indiens Regierung dürfte zwar unter Druck kommen, Pläne zum Bau von mehr Kernkraftwerken auf Eis zu legen. Doch wird sie wohl an den Anlagen festhalten. Allerdings könnte sich ihr Bau wegen höherer Sicherheitsauflagen verzögern. Die Reaktoren sollen unter anderem von Frankreich geliefert werden.

China

Noch am Montag hatte Chinas Volkskongress beschlossen, allein in den nächsten fünf Jahren mit dem Bau von rund 40 Reaktoren zu beginnen. Doch am Mittwoch warf Peking das Ruder herum. China hat die Genehmigungsverfahren für alle Atomprojekte auf Eis gelegt. Jetzt müssten die Sicherheitsbestimmungen überarbeitet werden, erklärte das Kabinett laut der Nachrichtenagentur Xinhua. In Betrieb befindliche AKWs werden nicht abgeschaltet.

Brasilien

Brasilen will zivile Atommacht werden, dazu Uranvorkommen explorieren und acht neue Atomkraftwerke betreiben. Brasilien hat sogar eine eigene Anreicherungstechnologie. Wenn die neuen Atomgesetze ins Parlament, dürfte es nach Japan eine heiße Auseinandersetzung mit Umweltschützern geben. In der Bevölkerung ist der Widerstand gegen Atomkraft bisher allerdings gering.

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