Nach Massenhinrichtung in Saudi-Arabien: Demonstranten stürmen saudische Botschaft in Teheran

Nach Massenhinrichtung in Saudi-Arabien: Demonstranten stürmen saudische Botschaft in Teheran

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Demonstranten setzten Teile der saudischen Botschaft in Teheran in Brand.

Saudi-Arabien richtet an einem Tag vier Dutzend Menschen hin. Das löst weltweite Kritik aus, vor allem Riads Erzrivale Iran ist empört. In Teheran wird die saudische Botschaft attackiert.

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien haben Demonstranten in der Nacht zum Sonntag die Botschaft Riads in Teheran gestürmt und Teile des Gebäudes in Brand gesetzt. Das berichteten Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur. Andere Bereiche innerhalb der Botschaft seien von den Demonstranten verwüstet worden. Es kam zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Mehrere Randalierer wurden festgenommen.

Die Polizei war auf den plötzlichen Angriff in der Nacht nicht vorbereitet. Zwar bekam sie die Lage letztendlich in den Griff, aber die Verwüstung konnte sie nicht verhindern. Auch die Feuerwehr kam erst später, um den Brand zu löschen.

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Al-Nimr war am Samstag mit 46 weiteren Menschen wegen Terrorismusvorwürfen exekutiert worden. Der Iran - der schiitische Rivale des sunnitisch geprägten Saudi-Arabien - hatte mit Empörung auf die Hinrichtung reagiert. Der oberste geistliche Führer Ajatollah Ali Chamenei erklärte am Sonntag in Teheran, die „Rache Gottes“ werde saudische Politiker treffen. Al-Nimr sei ein „unterdrückter Märtyrer“.

Wissenswertes über Saudi-Arabien

  • Geburtsstätte des Islam

    Saudi-Arabien ist mit den für Muslime bedeutenden Städten Mekka und Medina die Geburtsstätte des Islam.

  • Absolute Monarchie

    Seit 1932 wird der Wüstenstaat auf der Arabischen Halbinsel von der Familie Al-Saud als absolute Monarchie geführt. Die Scheichs haben mit dem Wahhabismus eine konservative Auslegung des Islam im Land etabliert und vor allem Frauen mit strengen Regeln belegt. So ist Saudi-Arabien das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen.

  • Bevölkerung

    In dem Land leben nach Angaben der UN rund 27 Millionen Menschen, ein Drittel von ihnen sind Gastarbeiter. Die Mehrheit der Saudis sind sunnitische Muslime. Im Osten des Landes lebt eine schiitische Minderheit, die jedoch immer wieder Repressalien ausgesetzt ist. Sunniten sprechen ihnen ab, wahre Muslime zu sein.

  • Reich durch Öl

    Als größter Produzent unter den Erdöl-Staaten (Opec) kann das Königreich einen großen Reichtum vorweisen. Die Staatsreserven werden auf 750 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Das iranische Außenministerium verbot in einer Presseerklärung nach dem Angriff alle Versammlungen vor der saudischen Botschaft in Teheran und dem Konsulat in Maschhad im Nordostiran vorläufig.

Die Hinrichtungen in Saudi-Arabien lösten überdies international Besorgnis vor neuen Spannungen in der Region aus. Auch EU, Europarat und deutsche Oppositionspolitiker kritisierten die Massenhinrichtungen. Die USA riefen Saudi-Arabien auf, „die Menschenrechte zu respektieren und zu schützen“.

Iranische Demonstranten wollen am Sonntag in Teheran (1300 MEZ) gegen die Tötung al-Nimrs auf die Straße gehen. Nach einem Aufruf der islamischen Studentengemeinde sollen die Demonstranten vor das Gelände der saudischen Botschaft ziehen.

Der 55-jährige Al-Nimr war wegen seiner Kritik an der Unterdrückung der religiösen Minderheit in Saudi-Arabien durch das sunnitische Königshaus eingesperrt worden. Der Aktivist war für seine Unterstützung friedlichen Protests bekannt. Inspiriert von den Protesten der arabischen Aufstände hatte er im von Schiiten bewohnten saudischen Osten ab 2011 Demonstrationen organisiert.

Getötete und gefangen genommene Top-Terroristen

  • Abu Sajjaf, Mai 2015

    US-Eliteeinheiten töten nach Pentagon-Angaben einen ranghohen Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. Der Mann mit dem Kampfnamen Abu Sajjaf sei für Öl-, Gas- und andere finanzielle Operationen des IS zuständig gewesen.

  • Aden Garer, März 2015

    Aden Garer, März 2015: Bei einem US-Drohnenangriff in Somalia wird der mutmaßliche Drahtzieher der Terrorattacke auf das kenianische Einkaufszentrum Westgate, ein Mitglied der radikalislamischen Al-Shabaab-Miliz, getötet.

  • Ahmed Abdi Godane, September 2014

    Der Anführer der Al-Shabaab-Miliz stirbt infolge eines gezielten amerikanischen Raketen-Angriffs in Somalia.

  • Ahmed Abdul Chattala, Juni 2014

    Der Führer der libyschen Islamistengruppe Ansar al-Scharia wird fast zwei Jahre nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi als mutmaßlicher Drahtzieher des Anschlags von einem US-Kommando gefasst.

  • Abu Anas Al-Libi, Oktober 2013

    Ein US-Kommando überwältigt den als Spitzenmann der Al-Kaida gesuchten Libyer vor seinem Haus in der Hauptstadt Tripolis. Er wurde im Zusammenhang mit den Angriffen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 gesucht. Er stirbt im Januar 2015 kurz vor Beginn seines Prozesse in New York.

  • Osama bin Laden, Mai 2011

    Nach fast zehnjähriger Jagd erschießen US-Elitesoldaten bei einer Kommandoaktion in der pakistanischen Stadt Abbottabad den meistgesuchten Terroristen der Welt.

Irans Regierung bestellte den Vertreter des saudischen Botschafters ein. „Anstatt sich mit den (IS-) Terroristen zu beschäftigen, die die Region und die ganze Welt gefährden, lassen die Saudis eine Persönlichkeit wie al-Nimr hinrichten“, sagte Irans Außenamtssprecher Dschaber Ansari.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty hatte in der Vergangenheit kritisiert, Saudi-Arabien setze das Todesurteil auch als politisches Instrument gegen die schiitische Minderheit ein, die etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmacht. In dem überwiegend sunnitischen Land waren bereits in den vergangenen Monaten schiitische Geistliche und Aktivisten zum Tode verurteilt worden.

In sozialen Medien kursieren diverse Aufrufe zu Protesten in Saudi-Arabien. Zunächst wurden aber keine Demonstrationen aus dem ultrakonservativen Königreich gemeldet. Im benachbarten Bahrain, wo Schiiten die Mehrheit der Bevölkerung stellen, kam es dagegen zu Protesten.

Massenhinrichtung in Saudi-Arabien 47 Menschen werden an einem Tag exekutiert

Saudi-Arabien ist von einer strengen Form des sunnitischen Islam dominiert. Nun lässt die Regierung neben Dutzenden weiteren Häftlingen einen führenden schiitischen Geistlichen exekutieren - wegen Terrorvorwürfen.

Unter den Hingerichteten war auch der führende schiitische Geistliche Nimr al-Nimr. Quelle: dpa

Saudi-Arabien rechtfertigte die Exekutionen mit den terroristischen Taten der Betroffenen. Diese folgten „den Fußstapfen des Teufels. Durch ihre terroristischen Taten ist unschuldiges Blut vergossen worden mit dem Ziel, die Stabilität in diesem Land zu erschüttern“, hieß es nach Angaben der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA in einer Stellungnahme des Innenministeriums in Riad vom Samstag.

Saudi-Arabien hatte 2015 laut Menschenrechtlern so viel Todesurteile vollstreckt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der Anstieg geht einher mit der Machtübernahme von König Salman im Januar. Von Januar bis November waren demnach mindestens 151 Menschen hingerichtet worden, hatte Amnesty mitgeteilt - im gesamten Jahr 2014 seien es 90 gewesen. Die Verurteilten werden entweder enthauptet oder erschossen.

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1 Kommentar zu Nach Massenhinrichtung in Saudi-Arabien: Demonstranten stürmen saudische Botschaft in Teheran

  • Nein die Saudi's können doch so was nicht machen.....
    aber sie tun es trotzdem.

    Das System dort ist nichts weiter als eine Nazi-Ideologie.

    Es wird in lebenswerte und nicht lebenswerte Individuen unterschieden.

    Und wer eine andere Meinung hat oder gar eine andere Religion....., der darf ruhig geköpft werden.

    Es wird Zeit das das Öl zu Ende geht und damit wird der Spuk auch enden,
    denn dann sind die Saudis wieder da wo sie um 1950 waren und hingehören, 500 Jahre zurück.

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