Nach Mord-Festnahme: Südkorea beschuldigt Nordkorea des Mordes

Nach Mord-Festnahme: Südkorea beschuldigt Nordkorea des Mordes

, aktualisiert 19. Februar 2017, 15:56 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Der Halbbruder des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un wurde ermordet. Südkorea wirft dem nördlichen Nachbarn nun vor, das Familienmitglied des Machthabers selbst getötet zu haben.

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Die Bildkombo zeigt den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un (l), sowie Kim Jong Nam (r). Der Halbbruder des Machthabers wurde in Malaysia ermordet.

Kuala LumpurNach ersten Fahndungserfolgen hat Südkorea die Regierung in Pjöngjang beschuldigt, Drahtzieher des vermuteten Giftmords an dem Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un gewesen zu sein. „Wir glauben, dass das nordkoreanische Regime hinter diesem Zwischenfall steht, da fünf Verdächtige Nordkoreaner sind“, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Vereinigungsministeriums, das für die Beziehungen mit dem verfeindeten Nachbarland zuständig ist, am Sonntag. Zuvor war ein Nordkoreaner in Malaysia festgenommen worden. Vier weitere aus dem weitgehend isolierten Land stammende Verdächtige seien noch am Tag des vermuteten Giftanschlags am Flughafen von Kuala Lumpur aus Malaysia geflohen, teilte die Polizei mit.

Zusammen mit der internationalen Polizeibehörde Interpol versuchen die Fahnder in Malaysia nun die Flüchtigen aufzuspüren. Die vier Nordkoreaner seien in einem anderen Land untergetaucht und würden keine Diplomatenpässe, sondern normale Ausweise mit sich führen. Die Verdächtigen reisten der Polizei zufolge erst wenige Tage vor dem Anschlag nach Malaysia ein. Zudem fahndet die Polizei nach einem weiteren Nordkoreaner sowie zwei anderen Personen, die zwar nicht der Tat bezichtigt würden, aber bei der Aufklärung des Falles helfen sollten.

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Der Polizei in Malaysia zufolge ist die genaue Todesursache des älteren Halbbruders von Nordkoreas Machthaber noch immer nicht bekannt, da die pathologischen und toxikologischen Ergebnisse nach der Obduktion noch ausstünden. Kim Jong Nam war am Montag am Flughafen von Kuala Lumpur zusammengebrochen und auf dem Weg in ein Krankenhaus gestorben. Er soll einem schnell wirkenden Gift zum Opfer gefallen sein. Der 46-Jährige hatte sich an Airport-Mitarbeiter gewandt und gesagt, zwei Frauen hätten ihm eine Flüssigkeit ins Gesicht gewischt.

Die Mutter der aus Indonesien stammenden festgenommenen Frau sagte zu Reuters, ihre Tochter habe gedacht, sie sei Teil einer TV-Show und solle Menschen überraschen, indem sie sie mit Parfüm besprühe.

Nordkorea hat bereits angekündigt, das Ergebnis der Obduktion nicht anzuerkennen. Die Regierung in Pjöngjang hatte die Überstellung der Leiche Kim Jong Nams gefordert. Malaysia gehört zu den wenigen Ländern, die noch gute diplomatische Beziehungen mit Nordkorea aufrecht erhalten.

Südkoreanischen Regierungskreisen zufolge hat Nordkoreas Machthaber bereits vor Jahren den Auftrag zur Ermordung seines Halbbruders erteilt. Im Jahr 2012 sei ein versuchtes Attentat fehlgeschlagen. Kim Jong Nam hielt sich lange im Ausland auf und äußerte sich öffentlich kritisch über die Familiendynastie in seiner Heimat. Immer wieder gab es Gerüchte, der 46-Jährige könnte seinen Halbbruder an der Spitze des weitgehend abgeschotteten Landes ablösen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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