Nach Mubarak-Rede: Wird Saudi-Arabien der nächste Unruheherd?

KommentarNach Mubarak-Rede: Wird Saudi-Arabien der nächste Unruheherd?

Bild vergrößern

Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo nach Hosni Mubaraks Rede.

von Hans Jakob Ginsburg

Wider die Erwartungen hat Ägyptens Präsident seinen schon angekündigten Rücktritt abgeblasen. Blutvergießen in seinem Land wird dadurch wahrscheinlicher, politischer Wandel rückt aber wieder in die Ferne. Dafür kündigt sich ein neues Zentrum des Sturms an: in Saudi-Arabien, dem wichtigsten Land für die Ölversorgung der Welt.

Noch wissen wir nicht, was den Ausschlag dafür gegeben hat, dass Hosni Mubarak entgegen den Ankündigungen aus seiner unmittelbaren Umgebung gestern Abend keine Rücktrittsrede, sondern eine gespenstische Durchhalterede im ägyptischen Fernsehen gehalten hat. Vielleicht ist es einfach immer so mit greisen Diktatoren, Deutschland kennt so was. Erich Honecker wäre auch bis zum bitteren Ende im Amt geblieben, wenn es kein Politbüro gegeben hätte, das ihn 1989 drei Wochen vor dem Fall der Mauer stützte. Und es kann natürlich sein, dass der Vizepräsident Omar Suleiman keine Lust hat, für ein paar Wochen den ägyptischen Egon Krenz zu geben.

Mit dem wahrscheinlichen Resultat, dass die bisher friedliche Tahrirplatz-Revolution zu Blutvergießen führen wird. Man wird uns bei der WirtschaftsWoche vergeben, dass uns unter den vielen dramtischen Meldungen aus Kairo diese Woche besonders ein Statement der neuen Handelsministerin von Mubaraks Gnaden interessiert hat. Samiha Fawzi hat ihre demonstrierenden Landsleute zur Ordnung gerufen mit dem Argument, der Unruhen wegen sei der ägyptische Export im Monat um sechs Prozent eingebrochen. Wenn die Zahl stimmt, dann lässt sich leicht ausrechnen, dass an jedem Protesttag die Exportleistung des Landes mindestens ein Drittel unter der normalen Quantität liegt – die Unruhen begannen ja erst am 25. Januar.

Anzeige

Um so größer die Abhängigkeit des Regimes von ausländischer Finanzhilfe. Offenbar hatte die zumindest öffentlich eher angedeutete als ausgesprochene Drohung der amerikanischen Regierung ihre Wirkung, einem unbelehrbaren Mubarak die jährliche Militärhilfe über 1,5 Milliarden Dollar zu streichen. Anders lässt sich eigentlich nicht erklären, dass Parteigänger des Präsidenten gestern Nachmittag seinen Rücktritt ankündigten – bis hinauf zum neuen Vorsitzenden seiner Staatspartei („Nationaldemokratische Partei“, klingt in deutscher Übersetzung doch richtig nett). Was aber brachte den Herrscher zum Umdenken? Wahrscheinlich der Telefonanruf eines sehr alten Kameraden, des 86-jährigen Königs Abdullah von Saudi-Arabien. Der hat Präsident Obama nach allem, was wir wissen, klipp und klar gesagt, er würde für die anderthalb Milliarden aufkommen, wenn Washington den guten Freund Mubarak nicht weiter finanzieren wolle.

Wenn das stimmt, hat der reichste arabische Herrscher den schwächsten Kollegen gerettet. Fragt sich nur, für wie lange. Fragt sich außerdem, was die vielen ägyptischen Gastarbeiter, Gastlehrer und Gastingenieure in Abdullahs Königreich davon halten. Bisher gab es viele Argumente gegen die Vermutung, die arabische Aufstandswelle könnte jetzt auch die Erdölmonarchie der Saudis erfassen. Jetzt gibt es ein gewaltiges Argument dafür: Der alte König selber hat sein Land als Dominostein positioniert.

Der Umsturz in Ägypten ist aufgehalten worden. Die Revolution im Land der weltweit größten Erdölvorkommen ist diese Woche näher gerückt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%