Nach US-Bombardement in Syrien: Der Kreml steht blamiert da

Nach US-Bombardement in Syrien: Der Kreml steht blamiert da

, aktualisiert 07. April 2017, 11:36 Uhr
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Wie wird der russische Oberbefehlshaber auf den US-Angriff in Syrien reagieren?

Quelle:Handelsblatt Online

Russland tobt wegen der von US-Präsident Trump angeordneten Attacke auf Syrien. Der Kreml konnte seinen Günstling Assad nicht schützen. Ob Russlands Oberbefehlshaber Putin ruhig bleibt, ist leider unsicher. Ein Kommentar.

BerlinRusslands Politik schäumt. Als „Aggression gegen einen souveränen Staat“ ließ Präsident Wladimir Putin seinen Sprecher Dmitri Peskow den US-Raketenschlag gegen einen syrischen Militärflugplatz verurteilen. Und dies noch „unter einem erfundenen Vorwand“, wie Russland den barbarischen Giftgas-Einsatz des Regimes des Diktators Bashar al-Assad nennt. Der Westen ignoriere, dass Terroristen Giftgas einsetzen. Der Westen wolle mit seiner Aggression nur von seinen hohen militärischen Verlusten beim Kampf um das irakische Mossul ablenken, lautet die Kreml-Lesart, die viel über das eigene Denken und Handeln offenbart.

Als erste Reaktion setzt Russland setzt die Vereinbarung mit dem US-Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen in Syrien aus. Das verkündete das Außenministerium in Moskau am Freitag. Mit der Vereinbarung informierten Russland und die USA einander bislang über Militärflüge und Angriffe über Syrien. Das Außenministerium kündigte auch an, Moskau werde eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrates einberufen.

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Dabei hatte es der Kreml in den vergangenen Tagen überhaupt nicht eilig, im Weltsicherheitsrat eine internationale Untersuchung des Giftgas-Einsatzes zu veranlassen. Doch der US-Angriff in Syrien ändert alles. Denn Trumps Raketenangriff auf ein Aerodrom des Assad-Regimes trifft Russland ziemlich unerwartet.

Die Situation für die russische Armee ist dramatisch. Sie hat zwei eigene Militärstützpunkte in Syrien und ist mit ihren modernsten Flugabwehrsystemen vor Ort. Aber verhindern konnte Moskaus Militär Trumps Überraschungscoup nicht. Der Kreml steht blamiert da, kann seinen Günstling Assad nicht schützen. Die Karten in Syrien sind nun neu gemischt. Allerdings mit dem gewaltigen Risiko einer möglichen offenen Konfrontation zwischen Moskau und Washington.

Denn die USA werden mit Luftschlägen Assad nicht stürzen können. Russland seinerseits, wo der Syrien-Einsatz inmitten der bisherigen veritablen Wirtschaftskrise zuletzt kaum noch populär war, wird seinen Einsatz nun drastisch erhöhen müssen. Sonst steht der Kreml auch als Schwächling da.

Wie Russland militärisch reagieren wird, ist indes ebenso unklar wie Chinas Haltung. Denn Peking hatte zuletzt – wenn auch hinter den Kulissen, so doch für Insider unüberhörbar – sowohl die USA wie auch Saudi-Arabien zur Zurückhaltung in Syrien gedrängt. Es könnte also ein gefährlicher Großkonflikt aufziehen.

Moskau wird nun beweisen müssen, dass nicht Assad das Kriegsverbrechen in Idlib begangen hat. Das wird schwer, denn in der Region verfügt allein Assads Armee über Helikopter zum Abwurf von Giftgasgranaten. Die Zeitpläne, die die Russen bisher vorgelegt haben, passen bisher nicht, ebenso wenig wie die Augenzeugenberichte, nach denen keine Giftgaswolke aus einem bombardierten Fabrikgelände über die Stadt Chan Scheichun zog. Sondern dass das mörderische Gas aus der Luft abgeworfen wurde.

Schon beim Sarin-Massaker 2013 in Ghouta ging es Damaskus vor allem darum, seine Macht zu demonstrieren. Das Assad-Regime zeigte ihre Überlegenheit über die Rebellen und offenbarte, dass selbst der Bruch humanitärer Tabus folgenlos bleibt.

Assad demonstrierte damals bereits dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama dessen Ohnmacht. Denn dieser stand vor der Entscheidung: Einknicken oder militärisch losschlagen. Letzteres hatte seinem Anspruch, militärische Missionen der USA zu reduzieren, widersprochen und wäre ein hohes Risiko gewesen. Das weiß auch Obama-Nachfolger Trump. Auch er hatte im Wahlkampf getönt, unter ihm würden die USA nicht mehr im Ausland intervenieren und stattdessen mit Moskau kooperieren. Trump aber interessiert sein Gerede von gestern nicht mehr. Er ist impulsiv.

Ist Putin dies auch wieder, wie schon so oft zuvor? Dann wird er militärisch massiv in Syrien aufrüsten. Ansonsten müsste er nun endlich wirklich Assads Giftgasarsenale leer räumen lassen und politische Zugeständnisse für eine Lösung im Syrien-Konflikt machen. Dies liegt ebenso wenig im Temperament Putins wie Verlässlichkeit in Trumps Politik. Die Welt wandelt auf einem schmalen Grat.

Quelle:  Handelsblatt Online
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