Naher Osten: An Moskau führt kein Weg vorbei

KommentarNaher Osten: An Moskau führt kein Weg vorbei

, aktualisiert 17. November 2015, 11:48 Uhr
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Wladimir Putin könnte die Syrienkrise in wenigen Monaten entschärfen.

von Frank Doll

Wladimir Putin könnte die Syrienkrise in wenigen Monaten entschärfen und Russland wieder als globale Macht etablieren. Verlierer wären die USA und die von der französischen Regierung aufgerüsteten Golfstaaten Saudi-Arabien, Katar und VAE. Ein Kommentar.

Der Westen und seine arabischen Verbündeten blicken in Syrien auf ein unbeschreibliches Chaos, das sie zum Teil selbst zu vertreten haben. Amerikas Einfluss im Nahen Osten schwindet zusehends. In dieses Vakuum treten nun Russland und der Iran. Beide Länder bilden militärisch eine schlagkräftige Verbindung, die innerhalb kürzester Zeit das Regime des syrischen Staatspräsidenten Baschar al-Assad stabilisieren konnte.

Gelingt die Stabilisierung Syriens mittelfristig, wäre dies eine Blamage für die Regierungen in Washington, London und Paris. Diese lehnen eine Lösung des Konflikts unter Beteiligung von Assad bisher kategorisch ab. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende September den Vorschlag unterbreitete, Assad in die Lösung des Konfliktes mit einzubeziehen, erntete sie bei den Partnern dafür nur Kopfschütteln.

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Die Arbeitsteilung zwischen Russland und dem Iran funktioniert offenbar. Die russische Luftwaffe bombardiert, während die Truppen der von Teheran finanzierten Hisbollah am Boden für entscheidende Terraingewinne sorgen. Regierungen und Militärfachleute im Westen reiben sich die Augen. Amerikanische und französische Luftangriffe hatten zuvor kaum etwas erreicht. Der Versuch des Westens, das Assad-Regime zu destabilisieren, sorgt jetzt dafür, dass der Iran seinen Machteinfluss in der Region ausweitet und Russland wieder als Supermacht auf die globale Bühne zurückkehrt. Die nächste Station wäre der Irak.

Gegengewicht zu Saudi-Arabien

Für den Öl- und Gasmarkt bedeutete das eine tektonische Verschiebung. Zwischen Teheran und Moskau laufen bereits Verhandlungen, Teile der russischen Ölproduktion über den Iran in Richtung Asien zu verschiffen. Zusammen bildete Russland gemeinsam mit dem Iran und dem Irak am Ölmarkt ein Gegengewicht zu Saudi-Arabien. Am Erdgasmarkt wäre das Emirat Katar der große Verlierer.

Wertverfall Das Ende des Petro-Dollar

Mit jeder Krise im Nahen Osten verlieren die USA an Glaubwürdigkeit und Einfluss. Das Machtvakuum ermöglicht neue Allianzen. Die Rolle des Dollar als Öl- und Leitwährung steht auf dem Spiel.

Mit jeder Krise im Nahen Osten verlieren die USA an Glaubwürdigkeit und Einfluss. Das Machtvakuum ermöglicht neue Allianzen. Die Rolle des Dollar als Öl- und Leitwährung steht auf dem Spiel. Quelle: AP

Katar verfügt über die weltweit drittgrößten Erdgasreserven. Mangels Pipeline muss das Erdgas in Katar aber erst verflüssigt und dann mit Spezialschiffen über das Meer transportiert werden, was mit hohen Kosten verbunden ist. Deshalb will Katar eine Erdgasleitung über Syrien in die Türkei legen - ohne Assad. Gelingt Russland nun auch energiepolitisch der Schulterschluss mit dem Iran, wären diese Träume ausgeträumt. Die Erdgaslieferungen nach Europa kämen dann via Russland oder der Türkei aus dem Iran.

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