Naher Osten: Der Irak ist für Unternehmen gefährlich reizvoll

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Naher Osten: Der Irak ist für Unternehmen gefährlich reizvoll

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Still ruht der Damm Die Talsperre von Mosul muss saniert werden. Um den 1,9-Milliarden-Euro-Auftrag buhlen auch Deutsche.

von Max Haerder

Deutsche Unternehmen wollen vom Ölreichtum des geschundenen Landes profitieren. Doch die Schwierigkeiten sind immens.

Über den Wolken darf die Hoffnung noch grenzenlos sein. Thomas Bauer schmiegt sich in seinen Sitz an Bord der Embraer 190. In der Dämmerung unter ihm ruht der Staudamm von Mosul, vielleicht das Projekt seines Lebens. Gerade ist die Talsperre nicht viel mehr als eine glimmend gelbe Lichterkette in der hereinbrechenden Nacht. Doch dieser Bau könnte der Gipfel von Bauers Unternehmerkarriere werden. Die Krönung jahrelanger Anstrengungen. Sein Meisterstück.

Irak, Zweistromland, die Wiege der Zivilisation, was für eine Verheißung. Und was für ein Kontrast zur Realität dieses geschundenen Landes. Fast drei Jahrzehnte voller Gewalt und Terror haben einen gesegneten Flecken Erde in die Armut getrieben. Nach der Schreckensherrschaft Saddam Husseins besetzten die USA und ihre Alliierten den Irak. Sanktionen von außen und religiöser Bürgerkrieg im Inneren rieben es jahrelang auf.

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Hier Geschäfte zu machen ist ein heikles Globalisierungsexperiment mit offenem Ausgang. Rund 50 deutsche Unternehmer haben sich dennoch einer Delegation um Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) angeschlossen, vor allem Mittelständler und große Familienbetriebe. Die Fragen, die sie begleiten, sind offenkundig: Warum sollte man in einem Land Geschäfte machen, in dessen Hauptstadt das einzige sichere Hotel hinter einem halben Dutzend militärischer Straßensperren verbarrikadiert ist? In dem noch immer fast täglich Menschen Opfer von Bombenanschlägen werden? Warum ausgerechnet im Irak, einem der – laut des Londoner Beratungsunternehmens Control Risks – sieben gefährlichsten Länder der Welt?

Krieg zerstört Handel - Deutsche Exporte in den Irak (in Milliarden Euro) (zum Vergrößern bitte anklicken)

Krieg zerstört Handel -

Deutsche Exporte in den Irak (in Milliarden Euro)

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Arabischer Aufschwung

Die Antwort: Weil die Hoffnungen nicht minder atemberaubend sind als die Probleme. 2011 wuchs die irakische Wirtschaft bereits um rund neun, 2012 dann um zehn Prozent auf eine Wirtschaftsleistung von rund 157 Milliarden US-Dollar - etwas weniger als ein Zwanzigstel Deutschlands. Für 2013 erwarten Ökonomen sogar fast 15 Prozent. Geschuldet ist dieser Aufschwung vor allem dem Reichtum unter dem Wüstensand. Mehr als drei Millionen Barrel Öl holen Konzerne jeden Tag aus dem Boden. In einigen Jahren sollen es zwölf Millionen Barrel sein, dann könnte der Irak zu den wichtigsten Ölnationen der Welt aufsteigen. Das Land ist wieder reich, nun muss es klug investieren.

Auch wenn Ölmultis, allen voran die US-Unternehmen Exxon und Chevron, mit Milliardeninvestitionen die irakische Wirtschaft dominieren: Der Boom sei "noch lange nicht ausgereizt", sagt Steffen Behm, Mittelostexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Der Irak brauche alles: neue Wohnungen und Straßen, Stromnetze, Krankenhäuser. Niederlassungen haben bisher nur etwa 80 deutsche Unternehmen, schätzt die Deutsche Botschaft. Ein Blick in die Handelsbilanzen aber genüge, um das Potenzial zu erkennen, meint Behm: In den Achtzigerjahren lag der deutsche Export bei rund vier Milliarden Euro (siehe Grafik). "Das zeigt, wie viel Luft nach oben noch ist."

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