Nahost-Konflikt: Israel ist auf einem gefährlichen Weg

KommentarNahost-Konflikt: Israel ist auf einem gefährlichen Weg

von Hans Jakob Ginsburg

Die Hamas-Palästinenser terrorisieren Israels Zivilbevölkerung, Israels Armee verbreitet Angst und Schrecken in Gaza – und die Weltmärkte nehmen es gelassen hin. Das ist nicht nur zynisch, sondern auch kurzsichtig.

Dieselben Abläufe wie so oft schon: Aus dem Gaza-Streifen prasseln Raketen auf israelische Kleinstädte an der Grenze, immer wieder mal wieder sterben israelische Zivilisten. Israel schlägt massiv zurück, tötet den Militärchef der in Gaza herrschenden Hamas-Bewegung, die Hamas schießt Raketen made in Iran Richtung Tel Aviv, Israels intensiviert die Bombardierung des Gaza-Streifens und mobilisiert Bodentruppen. Wie lange das weitergeht und wo das endet, weiß heute am dritten Tag der israelischen Kampagne keiner mit Sicherheit.

Nur die sogenannten Märkte tun so, als wüssten sie Bescheid. Am Donnerstag, dem zweiten Tag der israelischen Militäroperation, war der Ölpreis nicht etwa gestiegen, sondern ein wenig gesunken – die Sorgen um die Weltkonjunktur beschäftigen die Akteure mehr als alles andere. Am Freitagmorgen, Fernsehbilder aus Tel Aviv, Gaza und der bombardierten israelischen Kleinstadt Kirjat Malachi setzen sich wohl doch in den Köpfen der Händler fest, steigt der Preis für ein kommenden Monat auszulieferndes Barrel Öl in New York von 85,45 auf 85,70 Dollar, nicht wirklich signifikant. Nach vielen, vielen Jahren des Blutvergießens zwischen Palästinensern und Israelis scheint sich herum gesprochen zu haben, dass das Erdöl im Nahen Osten nicht im Konfliktgebiet zwischen Mittelmeer und Jordan liegt, sondern ziemlich weit weg. Will heißen: Der Unfriede rund um Israel kann sich zu Blutvergießen und regelrechtem Krieg steigern, und die Ölversorgung der Welt bleibt unberührt; an einen antiwestlichen und anti-israelischen Ölboykott der arabischen Produzenten nach dem Vorbild von 1973 glaubt sowieso niemand mehr.

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Dabei könnte der eskalierende Konflikt um den winzigen Gazastreifen schnell eine viel größere Region in Brand setzen. Das innerlich ungefestigte Ägypten des Präsidenten Mursi stilisiert sich ganz undiplomatisch als treuer Verbündeter der Hamas, aus der machtbewussten Türkei des Ministerpräsidenten Erdogan kommen ähnliche Töne, und der milliardenschwere Sponsor der Hamas-Regierung, Scheich Hamad von Katar, trägt zumindest nichts zur Mäßigung des Konflikts bei. So wird Deutschland zum absurden Nebenschauplatz des Konflikts: Die Bundeskanzlerin steht entsprechend ihrem Mantra von der Sicherheit Israels als Deutschlands Staatsraison treu zur Regierung in Jerusalem, und Scheich Hamad, als Volkswagen-Großaktionär Mitbesitzer des deutschesten aller deutschen Konzerne, sorgt dafür, dass dem aktuellen Hauptfeind der Israelis das Geld nicht ausgeht.

Aber viel wichtiger und gefährlicher ist die Bedeutung der Gaza-Militäraktion für das Denken und Handeln der israelischen Regierung und Armeeführung. Der israelische Journalist Amir Oren, gewöhnlich hervorragend informierter Militäranalyst der Tel Aviver Tageszeitung „Haaretz“, sieht Ministerpräsident Netanjahu derzeit auf einem gefährlichen Weg: Die Angriffe auf Gaza sind eine mögliche Generalprobe für Angriffe auf die iranischen Atomanlagen.

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