Nahrungsmittel-Krise: EU lockert Tiermehl-Verbot wegen steigender Futtermittelpreise

Nahrungsmittel-Krise: EU lockert Tiermehl-Verbot wegen steigender Futtermittelpreise

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Seit 2001 verbotene Futtermittel aus Tiermehl: Wegen der hohen Futtermittelpreise will die EU nun das Tiermehl-Verbot lockern

Als Reaktion auf die BSE-Krise hatte die EU im Jahr 2001 Futtermittel tierischer Herkunft komplett untersagt. Von dieser Linie rückt sie nach WirtschaftsWoche-Informationen nun ab. Heute soll ein EU-Kommittee den Einsatz von Fischmehl als Nahrungsmittelzusatz bei jungen Wiederkäuern beschließen. Und das ist erst der Anfang.

Heute wird nach WirtschaftsWoche-Informationen in Brüssel das Standing Committee on the Food Chain and Animal Health (SCFCAH) den Einsatz von Fischmehl bei jungen Wiederkäuern, also Kälbern, Lämmern und Zicklein beschließen. Doch das ist nur der Anfang. Gesundheitskommissarin Androula Vassiliou will noch in diesem Jahr einen Vorschlag vorlegen, nachdem Schweine an Hühner verfüttert werden soll und andersherum. Kannibalismus, also die Fütterung derselben Tierart, soll vermieden werden.

Die EU reagiert mit dieser Entscheidung auf die rapide gestiegenen Preise von Futtermitteln auf dem Weltmarkt. Der Sojapreis hat sich im Jahresvergleich verdreifacht, was die Landwirte Alternativen suchen lässt. Alain Melot, Präsident des französischen Verbands der Geflügelzüchter, weißt darauf hin, dass mit einem Ende des Verbots gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen würden. Außerhalb Europas würden Tiermehle sehr wohl als Futter eingesetzt und das Fleisch werde anstandslos in die EU importiert.

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Entscheidend für den Kurswechsel der EU ist auch die drohende Futtermittelknappheit. 70 Prozent der Futtermittel importiert Europa derzeit. Die besonders eiweißreiche Sojabohne wächst vor allem in Nord- und Südamerika. Dort werden aber immer mehr gentechnisch veränderte Sorten angebaut, die in Europa nicht zugelassen sind.

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands sind in den USA bereits 50.000 Hektar Sojabohnen im Anbau, die keine europäische Einfuhrzulassung haben. Auch in Brasilien und Argentinien könnten solche Sorten schon im kommenden Jahr verstärkt angebaut werden. „Angesichts der bestehenden Rahmenbedingungen werden die Veredelungsbetriebe nicht mehr konkurrenzfähig produzieren können und es droht eine Abwanderung der Produktion aus der EU“, warnt der DBV.

Eine interne Studie der Generaldirektion Landwirtschaft bestätigt diese Befürchtungen. Sollten keine Sojabohnen aus den USA, Argentinien und Brasilien in die EU kommen, weil die genveränderten Sorten weiterhin verboten bleiben, dann würden die Schweinbestände bis zum Jahr 2010 um 35 Prozent fallen. Bei Geflügel berechneten die Experten sogar einen Rückgang der Bestände von 44 Prozent.

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