Nahrungsmittelhilfe: Konzentration auf die Konfliktländer

Nahrungsmittelhilfe: Konzentration auf die Konfliktländer

Arme Länder, so wird allgemein angenommen, leiden am stärksten unter einem Anstieg der Lebensmittelpreise. Eine neue Studie der Weltbank relativiert diese These.

Arme Länder, so wird allgemein angenommen, leiden am stärksten unter einem Anstieg der Lebensmittelpreise. Eine neue Studie der Weltbank relativiert diese These.

Schnelle Hilfe tut not: Angesichts des dramatischen Anstiegs der Lebensmittelpreise können sich die Menschen in vielen Entwicklungsländern das Nötigste nicht mehr leisten. Weltbankchef Robert Zoellick forderte deshalb die reichen Länder auf, eine halbe Milliarde Dollar zusätzlich für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen bereitzustellen.

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So wichtig diese Soforthilfe jetzt ist: Auf längere Sicht stellt sich die Frage, welche Länder tatsächlich auf Nahrungsmittelhilfe von außen angewiesen sind – und welche sich selbst helfen können. Eine neue Studie der Weltbank-Ökonomen Francis Ng und Ataman Aksoy untersucht diese Frage – und kommt zu einigen überraschenden Ergebnissen. So wird allgemein angenommen, dass die ärmsten Länder der Welt ihre Bevölkerung nicht selbst ernähren können. Tatsächlich weisen 42 der 58 Länder mit sehr niedrigem Pro-Kopf-Einkommen eine negative Bilanz im Handel mit Nahrungsmitteln auf – sie importieren mehr als sie exportieren. Auf den ersten Blick sind sie also besonders stark von den Preisanstiegen betroffen. Sieht man aber genauer hin, zeigt sich, dass das Defizit ausschließlich durch zwei Untergruppen zustande kommt: Öl exportierende Staaten und Konfliktländer, die unter Bürgerkrieg und korrupten Regierungen leiden. Rechnet man diese beiden heraus, weisen die armen Länder einen Überschuss in Höhe von 0,7 Prozent ihrer Gesamtimporte auf. Bei den Ölländern ergibt sich das Defizit als natürliche Folge der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung: Sie stecken ihre Ressourcen in die Ölförderung anstatt in die Landwirtschaft, um mit den Einnahmen Nahrungsmittelimporte zu bezahlen.

Bleiben also die Konfliktländer als echte Problemgruppe. Das zeigt sich noch deutlicher, wenn man nicht nur den Handel mit Nahrungsmitteln betrachtet, sondern mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen insgesamt, also zum Beispiel auch Baumwolle oder Kautschuk. Das ist sinnvoll, so die Autoren, weil auf den betreffenden Flächen häufig auch Nahrungsmittel angepflanzt werden können, was es den Ländern ermöglicht, ihre Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten mittelfristig zu verringern. Über die gesamte Palette der landwirtschaftlichen Erzeugnisse weisen aber die armen Länder sogar einen deutlichen Überschuss auf, und nur noch die Konfliktländer haben ein Defizit. „Die fast schon automatische Schlussfolgerung“, so Ng und Aksoy, „dass ein Anstieg der Nahrungsmittelpreise schlecht für arme Länder ist, muss relativiert werden.“ Sie plädieren deshalb dafür, Maßnahmen zur Abfederung von Preisanstiegen bei Nahrungsmitteln künftig stärker auf Konfliktländer zu konzentrieren.

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