Nestor Kirchner: Argentiniens heimlicher Herrscher ist tot

Nestor Kirchner: Argentiniens heimlicher Herrscher ist tot

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Argentiniens Präsident Cristina Fernandez de Kirchner und Ehemann Nestor Kirchner

von Oliver Voß

Der frühere argentinische Präsident Nestor Kirchner ist überraschend gestorben. Bei den Wahlen im kommenden Jahr sollte er wieder die Macht von seiner Frau übernehmen.

Der überraschende Tod des früheren Präsidenten Nestor Kirchner hat Argentinien geschockt. Vor dem Präsidentenpalast Casa Rosada in Buenos Aires versammelten sich zahlreiche Trauernde, eine dreitägige Staatstrauer wurde verhängt.

In dem südamerikanischen Land fand am Mittwoch eine Volkszählung statt, weshalb per Gesetz alle Geschäfte und Banken geschlossen blieben und die Arbeit weitgehend ruhte, als die überraschende Nachricht bekannt wurde. Kirchner hatte am Morgen an seinem Wohnort Calafate in der Provinz Santa Cruz zunächst einen ersten Infarkt erlitten. Er wurde sofort in das örtliche Krankenhaus etwa 2800 Kilometer südlich der Hauptstadt Buenos Aires gebracht worden. Dort habe sich ein weiterer und tödlicher Infarkt ereignet. 40 Minuten hätten die Ärzte vergeblich versucht, Kirchner wiederzubeleben. Seine Frau sei bei ihm gewesen.

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Kirchner war von 2003 bis 2007 Staatschef des südamerikanischen Landes und hatte Argentinien nach einem Staatsbankrott in eine Phase politischer Stabilität geführt. 2007 folgte ihm dann seine Frau Cristina Fernandez de Kirchner ins höchste Staatsamt.

Doch als Chef der peronistischen Partei PJ agierte Nestor Kirchner weiter als wichtiger Strippenzieher im Hintergrund. Es galt als beinahe sicher, dass der 60-jährige im kommenden Jahr bei den Präsidentschaftswahlen erneut antreten sollte, um die Macht der Kirchners zu sichern.

Allerdings musste Kirchner dieses Jahr bereits zweimal unter anderem am Herzen operiert werden. Obwohl die Ärzte ihm deshalb dringend geraten hatten, kürzer zu treten, führte er seinen rastlosen Lebensstil unverändert fort. So reiste er zuletzt als Unasur-Generalsekretär nach Kolumbien und Ecuador.

Seine Frau kämpft derzeit um ihre politische Zukunft, bei den Parlamentswahlen hatte Kirchner eine herbe Schlappe erlitten, ihre Partei verlor die Mehrheit in beiden Parlamentskammern. Mit dem Tod ihres Mannes und wichtigsten Beraters gerät das fragile Machtgefüge nun weiter aus dem Gleichgewicht.

Vor seiner Wahl im Jahr 2003 war Kirchner ein fast unbekannter Gouverneur einer Provinz in Patagonien. Seine Frau, die er in den 70er Jahren im Studium kennenlernte, war während seiner Präsidentschaft eine wichtige Beraterin. Beide Politiker bauten in ihren Amtszeiten die staatliche Kontrolle der Wirtschaft aus und griffen in Finanz- und Rohstoffmärkte ein.

Kirchner, der im kommenden Jahr erneut für das Präsidentenamt kandidieren wollte, hatte in seinen Reden oft die Wirtschaft angegriffen und pflegte enge Verbindungen zu linksgerichteten Politikern wie dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez. Bei Investoren stieß Kirchners Wirtschaftspolitik, die von der Regierung seiner Frau fortgesetzt wurde, auf wenig Gegenliebe.

Immer wieder gerieten sie in Konflikt mit dem wichtigen Agrarsektor. Argentiniens Wirtschaft verzeichnete in den letzten Jahren zwar wieder hohe Wachstumsraten, doch leidet das Land unter einer hohen Inflation von 25 Prozent. Die offiziellen Zahlen sind niedriger, über gefälschte Statistiken gab es immer wieder Streit.

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