Neuer EZB-Chef: Die Zinssorgen des Mario Draghi

Neuer EZB-Chef: Die Zinssorgen des Mario Draghi

, aktualisiert 30. Oktober 2011, 12:22 Uhr
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Mario Draghi leitet am Donnerstag seine erste Sitzung für die Europäische Zentralbank in Frankfurt.

von Reuters Quelle:Handelsblatt Online

Der neue EZB-Chef Mario Draghi steht vor enormen Herausforderungen. Während die Politik gegen ihre Schulden ankämpft, soll Draghi für Währungsstabilität sorgen. Noch hält der Taktiker sich mit einer Zinssenkung zurück.

Berlin/FrankfurtPremiere für den neuen EZB-Präsidenten: Am Donnerstag kommt die Europäische Zentralbank in Frankfurt erstmals unter ihrem neuen Chef Mario Draghi zu einer Ratssitzung zusammen. Doch die Zinswende wird der Italiener nach Ansicht von Experten bei seinem ersten Auftritt als Nachfolger von Jean-Claude Trichet noch nicht wagen.

Gegen eine Zinssenkung spricht trotz der Konjunktursorgen in der Euro-Zone, dass der Preisdruck noch immer hoch ist.

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Zudem dürfte Draghi kein Interesse daran haben, sich auf der allerersten Sitzung unter seiner Regie sogleich den Ruf einer wenig stabilitätsorientierten „Zinstaube“ zu erwerben. Fachleute erwarten daher, dass Draghi zunächst nahtlos an den Kurs seines französischen Vorgängers anknüpfen wird, der sich nach acht Jahren an der Spitze der EZB in den Ruhestand verabschiedet.

Unter dessen Leitung war zuletzt im EZB-Führungsgremium eine geldpolitische Lockerung diskutiert, aber nicht beschlossen worden: „Der EZB-Rat dürfte auch auf seiner kommenden Sitzung noch keine Entscheidung für oder gegen eine Zinssenkung treffen, so dass auch die Wortwahl Draghis auf der Pressekonferenz der Trichets von Anfang Oktober ähneln dürfte“, meint EZB-Kenner Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Somit dürfte auch Draghi mit bewährten Signalwörtern zur Erläuterung des weiteren Kurses operieren. So könnte der neue Präsident einerseits die „hohe Unsicherheit“ und die „verstärkten Abwärtsrisiken“ für den Wirtschaftsausblick betonen, andererseits aber auch die niedrigen Zinsen und die „weitgehend ausgewogenen Risiken für die Preisentwicklung“ hervorheben. Damit könnte sich Draghi eine Hintertür für eine Zinssenkung offenhalten, ohne sich indes stärker festzulegen.


Experten trauen Draghi Zinswende noch nicht zu

Die befragten Experten rechnen im Schnitt ohnehin damit, dass die Notenbank im Dezember den Schlüsselzins um einen Viertelprozentpunkt auf 1,25 Prozent kappen wird und Anfang nächsten Jahres einen weitere Senkung auf 1,0 Prozent folgen lassen wird. Die EZB hatte dieses Jahr den geldpolitischen Kurs im Kampf gegen die Inflation bereits zwei Mal gestrafft. Immerhin elf von 70 befragten Fachleuten trauen Draghi eine Senkung bei seiner Premiere als EZB-Chef zu.

Doch Ökonom Guillaume Menuet von der Bank Citi hält dagegen: „Es wäre dem Rat schwer zu vermitteln, die Zinsen zu senken, während die Inflationsrate noch nahe drei Prozent tendiert.“ Die EZB strebt ein Inflationsniveau von knapp zwei Prozent an. Sie hat sich unter Trichet sowie dessen Vorgänger Wim Duisenberg den Ruf eines Stabilitätsankers erworben. Doch die in der Schuldenkrise eingeführten Staatsanleihekäufe der EZB trüben Trichets Bilanz in den Augen seiner Kritiker. Auch die Bundesbank und der scheidende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sehen in den umstrittenen Geschäften die Grenze zwischen Fiskal- und Geldpolitik verwischt.

Mit großer Erleichterung hatte Bundesbankchef Jens Weidmann jüngst zu Protokoll gegeben, dass die EZB bei der Lösung der Schuldenkrise nicht als Financier des Euro-Rettungsschirms EFSF eingespannt wurde. Doch die Ankäufe von Staatstiteln, mit denen die Zinslast von klammen Euroländern wie Italien und Spanien de facto gedrückt wird, wird die EZB nach Ansicht von Postbank-Ökonom Heinrich Bayer nicht abrupt stoppen.

„Sie dürfte an ihren Sondermaßnahmen zur Liquiditätsversorgung des Bankensystems festhalten sowie signalisieren, dass sie im Bedarfsfall weiterhin Staatsanleihen von Euro-Staaten kaufen wird.“ Zuletzt hatte sich der gewiefte Taktiker Draghi alle Optionen offengelassen: „Die EZB ist entschlossen, auch mit unkonventionellen Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Probleme auf den Finanzmärkten die Geldversorgung nicht beeinträchtigen und die geldpolitischen Impulse in der Wirtschaft ankommen.“

Er erwähnte dabei explizit die Liquiditätsunterstützung für die Banken und das erneut aufgelegte Kaufprogramm für Pfandbriefe. Zum Staatsanleiheprogramm schwieg er sich jedoch aus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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