António Guterres: „Frieden hängt von uns ab“

Neuer UN-Generalsekretär: "Frieden hängt von uns ab"

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Ban Ki Moon und Antonio Guterres reichen sich die Hände.

Der neue UN-Generalsekretär António Guterres hat an seinem ersten Tag im Amt ein düsteres Bild der politischen Lage gezeichnet und die Regierungen zu Frieden, Dialog und Achtung aufgerufen.

„Alles, wonach wir als menschliche Gemeinschaft streben - Würde, Hoffnung, Fortschritt und Wohlstand - sind abhängig vom Frieden. Aber Frieden wiederum hängt von uns ab“, erklärte der 67-jährige frühere Ministerpräsident Portugals und ehemalige UN-Flüchtlingskommissar am Sonntag. António Guterres übernahm den Posten vom Südkoreaner Ban Ki Moon.

Ihn belaste die Frage, wie den Millionen geholfen werden könne, die unter Kriegen litten, ohne dass ein Ende in Sicht komme. „Frauen, Kinder und Männer werden getötet und verletzt, vertrieben und in Armut gestürzt.“ Sogar Hilfskonvois und Kliniken würden beschossen, beklagte er - ohne den Bürgerkrieg in Syrien direkt zu erwähnen. „Niemand gewinnt solche Kriege - alle verlieren. Billionen Dollar werden ausgegeben, um Gesellschaften und Wirtschaftssysteme zu zerstören. Genährt werden so Misstrauen und Angst, womöglich über Jahrzehnte.“

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Guterres appellierte an Bürger und Regierungen weltweit, sich Frieden zum Vorsatz im neuen Jahr zu machen. „Von Solidarität und Mitgefühl in unserem Alltag hin zu Dialog und Respekt über politische Gräben hinweg. Von Feuerpausen auf dem Schlachtfeld hin zum Kompromiss am Verhandlungstisch, um politische Kompromisse zu schließen.“

Den neuen UN-Generalsekretär erwarten viele ungelöste Aufgaben. Einige der wichtigsten Konflikte und Baustellen im Überblick:

- Syrien gleicht nach fünf Jahren Bürgerkrieg weiter einem tödlichen Inferno. Mit mehr als 300.000 Toten, fünf Millionen Flüchtlingen und acht Millionen Vertriebenen im eigenen Land zählt der Krieg zu den schlimmsten Konflikten der vergangenen Jahrzehnte. Die Lage am Boden ist äußerst verworren, die Weltdiplomatie scheint am Ende. Der scheidende UN-Chef Ban hat das UN-Versagen im Syrien-Krieg als die größte Enttäuschung seiner Amtszeit bezeichnet.

- Blauhelmsoldaten müssen nach wiederholten Vorwürfen sexuellen Missbrauchs, unter anderem in Haiti und der Zentralafrikanischen Republik, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Sie und andere Mitarbeiter von UN-Missionen sollen allein 2015 Opfer in insgesamt 69 Fällen sexuell missbraucht haben, die meisten davon in Zentralafrika. Im Kongo soll es zudem Fälle von Prostitution und sogar Anträge auf Anerkennung von Vaterschaften gegeben haben.

- Der Schutz von Zivilisten und humanitären Helfern bleibt in Konfliktgebieten weiter ein Problem. Trotz der Berichte über Angriffe auf Krankenhäuser und Hilfskonvois in Syrien, Afghanistan, Libyen, im Südsudan, im Jemen, in der Zentralafrikanischen Republik sowie im Kongo sind die UN passende Antworten auf solche Attacken schuldig geblieben.

- Die Reform des UN-Sicherheitsrats, der mit seinen fünf Veto-Mächten immer noch die Weltordnung vom Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 abbildet, scheint überfällig. Seit Jahren ist eine Erweiterung auf mehr Mitglieder im Gespräch. Als neue ständige Mitglieder werden vor allem Deutschland, Brasilien, Indien und Japan gehandelt.

- In puncto Klimaschutz und Gleichberechtigung hat der scheidende UN-Chef Ban bereits viel erreicht, beispielsweise mit dem Pariser Klimaabkommen. Das Geschaffte wird der neue UN-Chef Guterres allerdings gegen entgegengesetzte Bestrebungen beispielsweise vom nächsten US-Präsidenten Donald Trump verteidigen müssen.

Da die Vereinten Nationen am Wochenende in der Regel geschlossen sind und der Neujahrstag in den USA am Montag als Feiertag nachgeholt wird, wird der Portugiese erst am Dienstag sein Büro im UN-Gebäude beziehen. Dann wird er eine Ansprache vor den Mitarbeitern halten. Guterres gilt als geschickter Verhandlungsführer. Er spricht vier Sprachen fließend.

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