New York nach dem Sturm: Verwundbares Amerika

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New York nach dem Sturm: Verwundbares Amerika

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Immer noch sind Teile New Yorks ohne Strom, aber das Leben normalisiert sich langsam wieder

von Angela Hennersdorf

Noch immer sind Millionen Menschen in den USA nach Wirbelsturm Sandy ohne Strom. Wieder einmal zeigt sich, wie verwundbar das Land ist. Vorsorge wird nicht getroffen. Nicht einmal im Weltfinanzzentrum an der Wall Street gibt’s Sturmflutschutz. Die New Yorker tragen es mit Fassung.

Percy ist für viele New Yorker in diesen Tagen der Held im East Village. In der 13. Straße, Ecke Avenue A, hat der Besitzer der Kneipe Percy’s Tavern zwei Benzin-Generatoren hingestellt und Mehrfachsteckdosen angeschlossen. Eine Traube von zwanzig Menschen schart sich jeweils um einen Generator, um Handy, Laptop oder ipad aufzuladen. Über zwei Stunden dauert es, bis ein Gerät vollständig aufgeladen ist. Geduldig warten die New Yorker. Oskar freut sich: „Jetzt kann ich wenigstens Musik hören oder Filme gucken. Langsam wird es langweilig so ohne Fernsehen und Internet und Telefon“, sagt der 35-jährige, der nur ein paar Häuser weiter von der Kneipe wohnt.

Auch ich lade mein Handy auf. Seit Montag ist der Strom weg in Süd-Manhattan, in das ich geflohen bin aus Brooklyn, wo die Überflutungsgefahr zu groß war. Also ab ins East Village, wo mich eine Freundin aufgenommen hat. Wir wussten, dass es da auch nicht so viel sicherer ist. Aber besser zusammen Sandy überstehen als allein zu Hause hocken. Also haben wir die Fenster mit Tape abgedichtet, alle Pflanzen vom Balkon reingetragen, Wasser in die Badewanne gefüllt, zusätzlich Eimer mit Wasser bereitgestellt.

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Es ist gespenstisch ruhig in Manhattan. Busse, U-Bahnen, Züge - nichts fährt mehr. Teile der Stadt werden evakuiert. In Chinatown standen die Menschen zwei Blocks weit für Tickets nach Washington und Boston an.

A woman with her luggage and a dog make their way to Wall Street station, to get out of lower Manhattan in New York Quelle: REUTERS

Montagabend dann war es soweit. ConEdison, die Elektrizitätsfirma rief sogar an, um uns anzukündigen, dass sie bald den Strom abstellen werde. Und klack, macht es gegen frühen Abend, Fernseher aus, Licht aus, Handy aus – von jetzt auf gleich war es stockdunkel im East Village und in ganz Süd-Manhattan.

Das East Village gehört wie das Finanzzentrum an der Südspitze der Insel zu den Teilen von New York City, die vom Wirbelsturm Sandy am stärksten betroffen sind. Hundertausende sind seit drei Tagen ohne Strom, die Keller stehen mit Wasser voll. Umgeknickte Bäume liegen auf der Straße, Autos sind von den Fluten am East River weggespült worden. Es gibt kein Licht, kein warmes Wasser, kein Fernsehen, kein Internet, keine Klospülung. Restaurants sind geschlossen, Starbucks, MacDonald’s, Burger King, all die Läden, ohne die die New Yorker eigentlich nicht leben können, sind dicht. Nicht mal Hot dogs gibt’s am Straßenrand zu kaufen. Und sogar China-Town ist dicht.

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